2023 Archiv Quartal 2

16.06.2023 - 29.06.2023

Kompromissvorschlag zur EU-Verpackungsverordnung

Der Fachdienst Euwid berichtet über einen neuen Kompromisstext zur geplanten EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfall (PPWR), den Schweden vorgelegt habe. Dieser sehe unter anderem abgeänderte Definitionen für Erzeuger und Hersteller von Verpackungen vor. Im Interview mit dem Packaging Journal erläutert Dr. Wolfgang Trunk, politischer Referent bei der EU-Kommission in Brüssel und Teamleiter im Referat der Generaldirektion Umwelt, wie die Industrie durch die von der Kommission geplanten Regelungen ermutigt werden solle, die Wiederverwertbarkeit von Verpackungen weiter zu erhöhen.

Schweden schlage in einem Kompromisstext zur geplanten PPWR, der Ende Juni in der Umwelt-Arbeitsgruppe des Rats diskutiert worden sei, abgeänderte Definitionen für Erzeuger und Hersteller von Verpackungen vor, um diese Begriffe besser voneinander abzugrenzen. So sollten etwa Unternehmen, die Serviceverpackungen oder Mehrwegverpackungen befüllen, laut Vorschlag von der Definition des Herstellers ausgenommen werden. Mit Blick auf die geplanten Rezyklat-Mindestgehalte habe Schweden darüber hinaus Änderungen vorgeschlagen, die Erzeugern mehr Flexibilität bei der Erreichung der Ziele ermöglichen sollen. Weitere Änderungen in dem Kompromissvorschlag bezögen sich auf die Kriterien für das „großmaßstäbliche Recycling“ von Verpackungen. So werde etwa eine Übergangsfrist von zehn Jahren vorgeschlagen für den Fall, dass es nachweislich funktionierende Sortier- und Recyclingverfahren gebe, die aber noch nicht in großem Umfang in der EU umgesetzt seien. Weitere Änderungsvorschläge beträfen Bestimmungen über biobasiertes Material und kompostierbare Verpackungen sowie bedenkliche Stoffe.

Im Interview mit dem Packaging Journal betonte EU-Referent Dr. Wolfgang Trunk die Notwendigkeit einer Harmonisierung der Regelungen in der Union und zeigte sich überzeugt, dass eine europäische Verpackungsverordnung große wirtschaftliche Vorteile bringen werde. Ein wichtiger Bestandteil des Verordnungsentwurfs der Kommission sei es, die Ebene der Mitgliedsstaaten zu überwinden und auf die Produktebene zu gehen. Das verändere die Spielregeln, da man nun mit den Anforderungen direkt an die Wirtschaftsakteure herantrete. Kunststoffabfälle einem hochwertigen Recycling zuzuführen, sei einer der wichtigsten Punkte des Vorschlags. Wesentlich seien aber auch Anreize für recyclinggerechtes Verpackungsdesign in Verbindung mit Regelungen der erweiterten Herstellerverantwortung sowie ein EU-weit harmonisiertes Kennzeichnungssystem für Verpackungen, wodurch die richtige Sortierung in den Haushalten und somit die Recyclingströme effizienter, die Qualität des Rezyklats besser und die benötigten Mengen an recyceltem Material erreichbar werden könnten.

Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 26/2023 (27.6.2023)
  • packaging-journal.de (21.6.2023)
Positionspapier zum chemischen Recycling für NRW

Ein Positionspapier des nordrhein-westfälischen Verbands der Kunststoffindustrie Kunststoffland NRW vereine die bislang konträren Auffassungen von Vertretern des chemischen sowie des mechanischen Recyclings zu diesem Thema, berichtet die Fachpresse. Darin werde vorgeschlagen, die laut Verpackungsgesetz bestehende Quote für das werkstoffliche Recycling von Verpackungsabfällen bis zum Jahr 2030 fortzuschreiben und für das chemische Recycling für diesen Zeitraum eine separate Quote auszuweisen.

Die Methoden des chemischen Recyclings von Kunststoffabfällen seien geeignet, die bisherigen Methoden des mechanischen Recyclings sinnvoll zu ergänzen, ist zum Beispiel in einem Online-Bericht bei Plastverarbeiter über die Positionen von Kunststoffland NRW zu lesen. Insbesondere verunreinigte und gemischte Kunststoffe, die sich nicht mechanisch recyceln lassen und bisher thermisch verwertet werden, ließen sich so in den Kreislauf zurückführen. Kunststoffland NRW setze sich dafür ein, dass in Deutschland und vor allem Nordrhein-Westfalen in Technologien des chemischen Recyclings investiert werde, und plädiere dafür, nicht länger das Für und Wider von mechanischem versus chemisches Recycling zu diskutieren. Um Befürchtungen im Hinblick auf Verpackungsabfälle, wonach das chemische Recycling das mechanische Recycling beeinträchtigen könnte, vorzubeugen, schlage der Verband vor, die im VerpackG geregelte Quote für das werkstoffliche Recycling von Verpackungsabfällen bis zum Jahr 2030 fortzuschreiben und darüber hinaus eine separate Quote für das chemische Recycling für diesen Zeitraum auszuweisen. Danach könne die separate Quote wegfallen und die Recyclingquote für Kunststoffverpackungsabfälle durch Anrechnung der von beiden Recyclingarten erbrachten Mengen auf die gleiche Quote erfüllt werden.

Weitere Information: zum Positionspapier von kunststoffland NRW

Quellen:

  • plastverarbeiter.de, recyclingmagazin.de (26.6.2023)
  • k-zeitung.de (27.6.2023)
Studie zu Verpackungen: Verbrauch sinkt, großes Potenzial für CO2-Einsparungen

Tages- und Fachmedien berichten über eine Studie der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung und des Ifeu-Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH, laut der Verbrauch und die Treibhausgasemissionen durch Verpackungen in Deutschland stark zurückgehen könnten. Weltweit wachse dagegen der Verbrauch von Verpackungen und insbesondere von Kunststoffverpackungen, ist in einem Bericht von Euwid über eine Studie der ING-Bank Amsterdam zu lesen.

Der Verpackungsverbrauch habe in Deutschland seinen Höhepunkt 2021 erreicht und werde in Zukunft kontinuierlich sinken, ist das Ergebnis der Studie mit dem Titel „Der Beitrag kreislauffähiger Verpackungen zum Klimaneutralitätsziel 2045“, über die etwa das Recyclingportal berichtet. Steigen würden dagegen die Recyclingquoten wie auch der Einsatz von Rezyklat. Die Studie, die im Auftrag von acht Branchenverbänden – darunter die Arbeitsgemeinschaft Verpackung + Umwelt e.V. (AGVU), das Deutsche Verpackungsinstituts e. V. (dvi) und die IK-Industrievereinigung Kunststoffverpackungen – erstellt worden sei, habe untersucht, welchen Beitrag kreislauffähige Verpackungen mit Blick auf das deutsche Klimaneutralitätsziel 2045 über alle Materialien hinweg leisten können. Darüber hinaus prognostiziere sie die Entwicklung relevanter Faktoren wie Recyclingquoten, Rezyklateinsatz, Verpackungsoptimierung und Verpackungsaufkommen. Lebenswegabschnitte wie Rohstoffproduktion, Packmittelproduktion, Distribution sowie Entsorgung und Verwertung seien darin für die durchschnittlichen deutschen Verhältnisse bilanziert worden. Die Studie berücksichtige bereits beschlossene staatliche oder europäische Lenkungseingriffe, jedoch nicht geplante oder erwartete Regulierungen wie beispielsweise die neue Europäische Verpackungsverordnung (PPWR - Packaging and Packaging Waste Regulation). Im Ergebnis zeige die Untersuchung, dass die mit dem deutschen Verpackungsaufkommen verbundenen Treibhausgasemissionen bis 2045 um 94 Prozent gesenkt werden könnten. Bis 2030 könnten die Emissionen im Vergleich zum Referenzjahr 2021 der Studie zufolge bereits um 46 Prozent schrumpfen, ist auch in einem Bericht des Merkur zu lesen. Erreichen ließen sich die Einsparungen zu über 50 Prozent durch eine Klima- und Energiewende, beispielsweise durch eine energiesparende Produktion. Ein großer Teil könne auch durch die Art der Verpackungen und die Kreislaufwirtschaft eingespart werden. Beispiele dafür seien leichtere Verpackungen oder ein vermehrter Einsatz von recyceltem Kunststoff.

Weltweit werde der Verpackungsverbrauch laut einer Studie der ING-Bank allerdings zu- und nicht abnehmen, berichtet Euwid in der Ausgabe vom 20. Juni 2023. Die stärksten Zuwächse werde es der Analyse zufolge in Afrika, Asien und Lateinamerika geben, der Verpackungsverbrauch pro Kopf steige aber auch in Europa, den USA und Australien. Das Aufkommen an Verpackungsabfall werde europaweit bis zum Jahr 2030 – verglichen mit dem Basisjahr 2018 – aufgrund von verändertem Konsumverhalten (mehr Convenience-Produkte, To-Go-Konsum, Lieferdienste) und des demografischen Wandels hin zu kleineren Haushalten um 20 Prozent steigen. In der EU nehme der Verpackungsabfall vor allem wegen papier- und kunststoffbasierter Verpackungen zu. Laut diesen Berechnungen könnten Papier-/Kartonverpackungen pro Kopf bis 2040 von 71,3 kg auf 98,9 kg ansteigen. Bei Kunststoffverpackungen werde sich das Pro-Kopf-Abfallaufkommen laut Studie im gleichen Zeitraum mit einem Anstieg auf 62 kg nahezu verdoppeln (2018: 33,2 kg).

Quellen:

  • recyclingportal.de (16.6.2023)
  • merkur.de (26.6.2023)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 26/2023 (27.6.2023)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 25/2023 (20.6.2023)

26.06.2023 - 25.06.2023

Brüsseler Frühwarnbericht zu Abfallzielen: Deutschland auf bestem Weg

ages-, Wochen- und Fachmedien berichten über einen Frühwarnbericht der EU-Kommission, wonach Deutschland zusammen mit Österreich, Belgien, Dänemark, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Slowenien und Tschechien auf gutem Wege sei, die Zielvorgaben für 2025 sowohl für Siedlungs- als auch Verpackungsabfälle zu erreichen. Nur das materialspezifische Recyclingziel für Kunststoffverpackungen (50 Prozent bis 2025) habe Deutschland im Jahr 2020 mit 46,2 Prozent noch nicht ganz erreicht, ist zum Beispiel in der Wirtschaftswoche zu lesen. Lob aus Brüssel gebe es vor allem für das deutsche Pfandsystem, berichtet auch Euwid.

Die EU-weiten Recyclingziele für die Jahre 2025, 2030 und 2035 zur Reduzierung von Abfällen und dessen Wiederverwertung stellten für Brüssel wesentliche Grundpfeiler der europäischen Bemühungen zum Aufbau einer Kreislaufwirtschaft dar, ist in den Medienberichten zu lesen. Zu den Vorgaben zähle unter anderem, dass ab dem Jahr 2025 mindestens 55 Prozent der Siedlungsabfälle recycelt und für die Wiederverwendung vorbereitet werden. Von der gesamten Menge an Verpackungsmüll müssen dann 65 Prozent recycelt und ab dem Jahr 2035 maximal noch zehn Prozent deponiert werden. Im Unterschied zu zahlreichen anderen EU-Staaten sei Deutschland laut des Frühwarnberichts der EU auf dem besten Weg, die Ziele zu erreichen. Im Jahr 2020 habe Deutschland 67 Prozent der Siedlungsabfälle sowie 68,1 Prozent der Verpackungsabfälle recycelt und damit die Ziele schon übertroffen. Die Deponierungsquote von Siedlungsabfällen habe hierzulande laut Bericht 2020 bei unter einem Prozent gelegen. Gleichwohl habe die EU-Kommission auch einige Verbesserungsvorschläge gemacht. So könnten Steuern auf die Abfallverbrennung laut Kommission als zusätzlicher Anreiz dienen, dem Recycling mehr Abfall zuzuführen. Ins Spiel bringe die Kommission darüber hinaus ein verursacherbezogenes deutschlandweites Abfallgebührensystem für Restmüll. Für Verpackungsabfälle habe Brüssel Deutschland die Erhebung von „Verpackungsgebühren“ vorgeschlagen, ist in einem Bericht von Euwid über die Stellungnahme des BDE-Bundesverbands der deutschen Entsorgungsbranche zur Analyse der Kommission zu lesen. Der Verband unterstütze unter anderem die Kommission bei ihrer Forderung, die getrennte Sammlung von Abfällen zu verbessern. Diese sei Grundvoraussetzung für das Recycling, wird der BDE zitiert. Kritisch sehe der Verband allerdings die Deponierungsquoten mancher Länder, die laut Bericht der Kommission im Jahr 2020 noch bis zu 70 Prozent und mehr betragen hätten. Im Schnitt landeten in der EU noch 23 Prozent der Siedlungsabfälle auf Deponien, berichtet Euwid an anderer Stelle. Insgesamt zeige der Bericht laut Kommission auf, dass es in der EU bei der Qualität der Abfallbewirtschaftung erhebliche Unterschiede gebe und einige Länder noch viel tun müssten, um die EU-rechtlichen Zielvorgaben zu erreichen. Die Kommission habe länderspezifische Empfehlungen präsentiert für die 18 Mitgliedstaaten, die Gefahr liefen, die Recyclingziele für 2025 nicht zu erreichen. Diese Empfehlungen umfassten ein breites Spektrum an Maßnahmen wie unter anderem die Verringerung der Menge nicht recyclingfähiger Abfälle, die Steigerung der Wiederverwendung und die Förderung der getrennten Sammlung. Die Kommission habe darüber hinaus zugesagt, die Mitgliedstaaten weiterhin bei der Umsetzung des EU-Abfallrechts zu unterstützen, indem sie EU-Mittel und technische Hilfe bereitstelle.

Quellen:

  • spiegel.de, wiwo.de, handelsblatt.de, süddeutsche.de, merkur.de, ntv.de (8.6.2023)
  • euractiv.de, recycling-magazin.de (9.6.2023)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 24/2023 (13.6.2023)
„Keine Verpackung ist auch keine Lösung“

Im Nachrichtenmagazin Focus schreibt Gastautor Thomas Müller-Kirschbaum, stellvertretender Vorsitzender des „Sustainability Councils“ beim Konsumgüterhersteller Henkel, über die Krise des Werkstoffs Kunststoff, das Kunststoff-Bashing und warum eine nachhaltige Wirtschaft aus seiner Sicht Verpackungen braucht.

Ohne Verpackung gehe es nicht, und zu den Vorteilen von Kunststoff zähle, dass sie das verpackte Produkt vor äußeren Einflüssen schützten, für eine effiziente Logistik sorgten, Platz für Verbraucherinformationen böten und die Dosierung und Lagerung des Produkts unterstützten. Die Forderung nach wiederbefüllbaren Verpackungen und Nachfüll- beziehungsweise Pfandsystemen im Handel halte er zwar für nachvollziehbar, weil so theoretisch weniger Verpackungen hergestellt würden. Doch sei dies weder ökologisch noch hygienisch noch ökonomisch sinnvoll. So führe etwa ein Pfandsystem zum Beispiel für Flaschen mit Flüssigwaschmitteln durch seinen logistischen Aufwand derzeit zu einem größeren Umweltfußabdruck als das in Deutschland gut funktionierende Kunststoffrecycling. Denn Flaschen müssten gesammelt, gelagert, zurück an den Hersteller geliefert und gereinigt werden. Zwar müsse Ziel sein, die Menge an Verpackungsmaterial im gesamten Produktlebenszyklus zu reduzieren, aber ohne die Qualität, Leistung oder Sicherheit des Produkts zu beeinträchtigen. Auch bei Henkel müssten noch mehr Verpackungen entwickelt und eingesetzt werden, die recyceltes Material beinhalten und einfacher wiederzuverwerten seien. Derzeit sei es für das Unternehmen jedoch noch nicht machbar, sämtliche Verpackungen aus 100 Prozent Rezyklat herzustellen, auch weil es an deren Menge und Qualität mangele. Ansatzpunkte sehe der Forschungsleiter für Wasch- und Reinigungsmittel in der Verwendung von Monomaterial-Kunststoffen, die gut zu recyceln seien. Auch der Austausch mit Verpackungsherstellern und anderen Partnern entlang der Wertschöpfungskette sei wichtig, erklärt Müller-Kirschbaum. Durch eine Kreislaufwirtschaft ließe sich mehr erreichen als durch den Verzicht auf Verpackungen. Dafür müssten aber noch mehr Hersteller ihre Verpackungen recyclingfähiger machen. Und auch mit Rezyklatanbietern müsse man enger zusammenarbeiten, betont Müller-Kirschbaum. Nur gemeinsam sei es zu schaffen, Ressourcen zu schonen und Verpackungsmüll auf Dauer zu minimieren.

Quelle:

  • focus.de (7.6.2023)
KI-gestützte Erfassung von Plastikabfällen im Meer

Laut Medienberichten solle das Forschungsprojekt „PlasticObs+“ unter Einsatz künstlicher Intelligenz ein genaueres Bild vom „Ist-Zustands der Müllsituation“ und eine wissenschaftliche Grundlage über Art, Menge und Größe des Abfalls in den Ozeanen liefern. Das Deutsche Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI) entwickle für das Projekt verschiedene KI-Systeme, die angebracht an Überwachungsflugzeugen unter anderem Plastikmüll während eines Gewässer-Überflugs erkennen sollen.

Langfristiges Ziel sei, Überwachungsflugzeuge, die bereits weltweit im Einsatz seien, mit der KI-gestützten Sensorik auszustatten, ist etwa in einem Bericht von Geo zu lesen. Damit könne erstmals eine kontinuierliche und umfassende Bestandsaufnahme der maritimen Verunreinigungen mit Kunststoffabfällen erfolgen, wird DFKI-Projektleiter Christoph Tholen zitiert. Erste Testflüge seien den Angaben zufolge zufriedenstellend verlaufen. Auf der ostfriesischen Insel Spiekeroog seien dazu zwei Versuchsfelder mit Kunststoffabfällen angelegt. Ein Forschungsflugzeug der Jade Hochschule in Wilhelmshaven sei für die Testflüge mit zwei der KI-Sensoren ausgestattet worden: einer zur Aufnahme von Übersichtsbildern unter der Nase des Fliegers und ein zweiter am Rumpf des Fliegers, der für die Erkennung von Kunststoffabfällen im Übersichtsbild zum Einsatz komme und dann Detailaufnahmen mache. Die Genauigkeit der KI sei gemessen worden und habe 93,3 Prozent betragen. Laut Projektleiter Tholen könnten die KI-Systeme abgesehen von der Dokumentation künftig auch bei Gegenmaßnahmen helfen. So könnten etwa Säuberungsaktionen genau geplant werden, da das System eine Identifizierung von besonders belasteten Gebieten ermögliche, wird Tholen auch in einem Bericht der Welt zitiert. Zu den Projektpartnern zähle auch das Aachener Unternehmen Everwave, das mit schwimmenden Plattformen in Flüssen Müll einsammle.

Quellen:

  • süddeutsche.de, faz.net, geo.de, zdf.de, welt.de, berliner morgenpost (7.6.2023)
  • fr.de, Euwid Recycling und Entsorgung 24/2023 (13.6.2023)

12.05.2023 - 25.05.2023

UNEP hält 80 Prozent weniger Plastikabfälle bis 2040 für möglich

Der Report des UN-Umweltprogramms (UNEP) liefere die Grundlage für die anstehenden Verhandlungen über ein weltweites rechtsverbindliches Abkommen in Paris vom 29. Mai bis 2. Juni, berichten Tages- und Fachmedien. Er zeige auf, wie die Umweltverschmutzung durch unsachgemäß entsorgte Kunststoffabfälle bis zum Jahr 2040 durch „tiefgreifende politische und marktwirtschaftliche Veränderungen hin zu einer Kreislaufwirtschaft“ um 80 Prozent reduziert werden könne.

 

Laut Medienberichten treffen sich Vertreterinnen und Vertreter der UN-Mitgliedstaaten nächste Woche in Paris, um dort über ein globales Abkommen zu beraten, mit dem die weltweite Verschmutzung durch Plastik bekämpft werden soll. Als Grundlage dafür habe die UNEP eine Studie vorgelegt, wonach bereits heute alle Ressourcen für die Reduzierung von Plastikmüll bereitstünden, ist etwa in der Süddeutschen Zeitung (SZ) zu lesen. Plastik könne der Menschheit weiterhin enorme Vorteile bringen, aber nur, wenn die Systeme, mit denen es in der Wirtschaft im Umlauf gehalten werde, überdacht würden, wird UNEP-Exekutivdirektorin Inger Andersen, die den Bericht vorgestellt habe, in der SZ zitiert. So könne allein durch die verstärkte Wiederverwendung von Kunststoff wie etwa durch Pfandsysteme bis 2040 rund 30 Prozent Plastikmüll vermieden werden. Weitere 20 Prozent ließen sich durch mehr sowie profitableres Recycling einsparen. Ein entscheidender Schritt dazu seien nach Ansicht von UNEP verbindliche Richtlinien, die besonders schwer recycelbare Plastikverpackungen verhinderten. Um weitere 17 Prozent könne die Plastikverschmutzung nach den UNEP-Berechnungen reduziert werden, indem Kunststoff in Verpackungen durch Papier und kompostierbare Materialien ersetzt werde. Für 13 Prozent der Kunststoffabfälle, die nicht wiederverwendet oder ersetzt werden könnten, komme nach Ansicht der UNEP eine sichere Deponierung in Betracht, wodurch eine weitere Verschmutzung der Umwelt verhindert werden könne. Der Umstieg auf eine Kreislaufwirtschaft würde sich laut UNEP auch wirtschaftlich lohnen. Dem Bericht zufolge könnten so bis 2040 weltweit 1,17 Billionen Euro bei der Kunststoffproduktion eingespart und durch das Recycling zusätzliche Einnahmen erreicht werden. Auch würden 2,99 Billionen Euro an durch Umweltverschmutzung verursachten Kosten vermieden. Kritik komme von der Umweltorganisation Greenpeace, berichtet die Zeit. Kurz vor dem Start der Verhandlungen in Paris warne die Organisation in einem Bericht davor, weiterhin auf das Recycling von Kunststoff zu setzen, und fordere erneut eine drastische Reduzierung der Kunststoffproduktion. Dagegen werde die Fortführung der Verhandlungen für ein weltweites Abkommen und das übergeordnete Ziel, die Kreislaufwirtschaft zu stärken, vom Verband der Kunststoffhersteller Plastics Europe Deutschland (PED) und dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) begrüßt, berichtet die Zeitschrift Kunststoffe. Beide Verbände befürworteten die Einführung verbindlicher Recyclingquoten für Kunststoffe. Um Kunststoffe so lange wie möglich im Kreislauf führen zu können, brauche es aus Sicht von PED aber auch abgesehen von zirkulärem Produktdesign, alternative Kohlenstoffquellen und alle zur Verfügung stehenden Recyclingtechnologien.

Weitere Information: zum Download des Berichts der UNEP

Quellen:

  • faz.net (15.5.2023)
  • SZ, spiegel.de, zdf.de, (16.5.2023)
  • br.de, geo.de, kunststoffe.de, (17.5.2023)
  • fr.de (19.5.2023)
  • zeit.de (24.5.2023)
  • kunststoffe.de (25.5.2023)
Bundesrat für Änderungen an EU-Verpackungsverordnung

Mehrere Berichte von Euwid und weiterer Fachpressedienste befassen sich mit der Diskussion um die geplante EU-Verpackungsverordnung. So fordere etwa die Länderkammer zahlreiche Änderungen am Entwurf der EU-Kommission, welche von der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen weitgehend begrüßt würden. Massive Kritik an Überlegungen des EU-Umweltausschusses, bestimmten Industriezweigen Erstzugriffsrechte auf Rezyklate zu gewähren, komme vom BDE. Der Deutsche Fruchthandelsverband (DFHV) habe wiederum das von der EU geplante Verbot von Verpackungen für Obst und Gemüse scharf kritisiert.

 

Das geplante Verpackungsverbot für Obst und Gemüse bis zu einem Gewicht von 1,5 Kilogramm sei kontraproduktiv, da so weder Lebensmittelabfälle verringert noch die Haltbarkeit der Produkte erhöht würden, wird DFHV-Geschäftsführer Andreas Brügger bei Euwid zitiert. Die gleiche EU-Kommission, die auf der einen Seite Anreize für eine nachhaltige und gesunde Ernährung setze, schaffe auf der anderen Seite de facto die Voraussetzungen für eine nachhaltige Ernährungswirtschaft ab, kritisiere Brügger. Der Entsorgerverband BDE wende sich indessen gegen Erstzugriffsrechte für Kunststoffrezyklate im Zuge der geplanten EU-Verpackungsverordnung. Solchen Überlegungen, die derzeit in Ausschüssen des EU-Parlaments diskutiert würden, werde der Verband massiv entgegentreten. Rezyklate müssten auf dem freien Markt zum Verkauf angeboten werden dürfen, und zwar ohne Begünstigung einzelner Marktteilnehmer, wird BDE-Präsident Peter Kurth in Euwid an anderer Stelle zitiert. Er warne vor einer „drohenden Monopolbildung“ und weise darauf hin, dass auch die anderen europäischen Verbände der Entsorgungsbranche die Position des BDE teilten. Laut Kurth würde eine Beschränkung des freien Handels von Rezyklaten zu niedrigeren Preisen führen und in der Folge zu weniger statt mehr Recycling.

 

Eine Stellungnahme des Bundesrates zur geplanten EU-Verpackungsverordnung, in der laut eines weiteren Berichts von Euwid rund 40 Änderungen am Entwurf der EU-Kommission gefordert würden, werde in weiten Teilen von den deutschen Herstellern von Kunststoffverpackungen begrüßt, berichtet auch das Magazin Kunststoffe. Insbesondere die Klarstellung des Bundesrats, dass es keine Ausnahmen für faserbasierte Verpackungen von den Rezyklateinsatzquoten oder den geplanten Mehrwegpflichten geben solle, begrüße die IK, wird die Geschäftsführerin für Kreislaufwirtschaft bei der IK, Isabell Schmidt, in Kunststoffe zitiert. Der Verband setze sich für materialneutrale Regelungen ein und unterstütze auch die Empfehlung des Bundesrates, die Recyclingfähigkeitskriterien in der EU-Verpackungsverordnung von mindestens 70 Prozent auf 80 Prozent ab 2030 zu erhöhen. Für richtig halte die IK auch den Vorschlag der Länderkammer, die Rezyklateinsatzquoten für Kunststoffverpackungen nicht pro Verpackung, sondern auf den Durchschnitt der von einem Unternehmen in Verkehr gebrachten Verpackungen anzuwenden. So könne auf Preis- und Lieferschwankungen flexibler reagiert werden. Auf Kritik stoße dagegen die Empfehlung des Bundesrates, die EU-Verordnung auch auf die Rechtsgrundlage der Umweltkompetenz zu stellen (s. dazu auch die Presseschau vom 21.4. bis 27.4.2023). Diese Forderung halte die IK für „ein Spiel mit dem Feuer“, wird IK-Hauptgeschäftsführer Martin Engelmann auch bei KI zitiert, denn den Mitgliedstaaten sei es dann möglich, von den EU-Regeln abweichende Vorschriften zu erlassen, was den Binnenmarkt in der Union gefährden würde.

Quellen:

  • recyclingmagazin.de (15.5.2023)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 20/2023 (16.5.2023)
  • kunststoffe.de (19.5.2023)
  • packreport.de (22.5.2023)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 21/2023 (23.5.2023)
  • kiweb.de (24.5.2023)

 

Grundlagen für die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie

Zum begonnenen Beteiligungsprozess für die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) habe das Bundesumweltministerium (BMUV) in einer Veröffentlichung die Grundlagen für die geplante Strategie zusammengefasst, berichtet das Recyclingmagazin in seiner aktuellen Ausgabe.

 

Die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie und die UN-Agenda 2030 dienten dem Papier zufolge als Grundlage für das Leitbild einer Circular Economy. Zirkuläres Wirtschaften, das alle Phasen von Material- und Produktlebenszyklen berücksichtige, halte das BMUV für unverzichtbar, um die Ziele der Agenda zu erreichen. Dabei solle „zirkuläres Wirtschaften der Schonung natürlicher Ressourcen, dem Schutz der Umwelt und der menschlichen Gesundheit sowie der Rohstoffsicherung dienen“, zitiert das Recyclingmagazin aus dem Bericht. Auch könne zirkuläres Wirtschaften zum Klimaschutz beitragen, da darin ein erhebliches Potenzial zur Minderung von Treibhausgasemissionen bestehe. Das Grundlagenpapier des BMUV definiere Ziele der NKWS und gehe auf Ansätze zur Erweiterung rechtlicher Vorgaben ein, die auf Basis des Aktionsplans der Europäischen Kommission weiterentwickelt werden sollten. Dies betreffe unter anderem die Weiterentwicklung der Produktverantwortung, anspruchsvolle Grundpflichten zur Umsetzung der Abfallhierarchie und die duale Entsorgungsverantwortung von Wirtschaft und Kommunen sowie neue Vorgaben zum Ökodesign. Grundlegendes Ziel der NKWS sei die Senkung des primären Rohstoffverbrauchs. Dazu solle ein Fahrplan mit verbindlichen Maßnahmen entwickelt werden, mit dem vor allem die Marktbedingungen für Sekundärrohstoffe verbessert werden sollen. Im Rahmen der Strategie würden zentrale Stoffströme und Produktgruppen wie mineralische Baustoffe, Metalle, Kunststoffe und biogene Rohstoffe in den Blick genommen, analysiert und zielorientierte Maßnahmen geschaffen werden, heiße es in dem Bericht. Und damit sich die öffentliche Beschaffung zu einem wesentlichen Treiber der zirkulären Wirtschaft entwickle, wolle das BMUV das Vergaberecht darauf ausrichten und damit entsprechende Impulse sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene setzen.

 

Weitere Information: zum Download des Grundlagenpapiers

Quelle:

  • Recyclingmagazin 5/2023 (17.5.2023)

05.05.2023 - 11.05.2023

EU-Verpackungspläne werden kritisiert

Der Umweltausschuss des Europaparlaments debattierte laut Medienberichten in Brüssel über die Änderungsanträge zur geplanten Verordnung für Verpackungen und Verpackungsabfall (PPWR). Sie spalteten das Parlament, ist in einem Bericht von Euractiv zu lesen. Uneins seien sich die Abgeordneten vor allem hinsichtlich der Regelungen zur Wiederverwendung. Kritik am geplanten Gesetz komme auch von Wirtschaft und Handel, berichtet unter anderem die Welt.

 

Im Europaparlament verträten Sozialisten und Demokraten (S&D) sowie die Grünen im Vergleich zur Europäischen Volkspartei (EVP) und den Europäischen Konservativen und Reformern (EKR) bei mehreren Themen unterschiedliche Positionen, berichtet das europäische Mediennetzwerk Euractiv. Der Dissens betreffe vor allem die Frage, ob es ein Ziel für die Wiederverwendung von Verpackungen für Speisen und Getränke zum Mitnehmen geben und welche Rolle Papier bei der Substitution von Kunststoff zukommen solle. Zu den wichtigsten Änderungen, die die federführende Berichterstatterin des Ausschusses, Frédérique Ries, in ihre Änderungsanträge zur Verordnung eingebracht habe, gehörten die Streichung der Zielvorgaben für wiederverwendbare Verpackungen bei Takeaway und die Hinzufügung einer Verpflichtung für Restaurants und Cafés, von den Kunden mitgebrachte Behälter zu akzeptieren. Die Effektivität der im Entwurf der EU-Kommission vorgesehenen Zielvorgaben für wiederverwendbare Verpackungen könne nicht abgeschätzt werden und es gebe noch viele offene Fragen, habe Ries zur Streichung der Regelung erklärt, man solle sich diesen Bereich noch einmal genauer anschauen. Unterstützt werde Ries‘ Vorstoß von Abgeordneten der EVP, die die Gefahr sähen, dass die in der PPWR vorgesehenen Wiederverwendungsziele zu einem „umgekehrten Effekt“ führen könnten und den Plastikverbrauch erhöhen würden, anstatt Abfälle zu reduzieren. Die Abgeordneten des linken Flügels (Grüne und S&D) befürworteten dagegen die Beibehaltung der von der EU-Kommission vorgeschlagenen Wiederverwendungsziele für Verpackungen. Sollten sie wie im Entwurf der Kommission geplant eingeführt werden, dürfte das in ganz Europa die Art verändern, wie Fastfood-Restaurants ihre Speisen (Ziel: 40 Prozent Mehrweg bis 2040) und Getränke (Ziel: 80 Prozent Mehrweg bis 2040) servieren, Onlinehändler (Ziel: 50 Prozent Mehrweg bis 2040) ihre Produkte verpacken und Discounter ihre Getränkeflaschen (Ziel: 25 Prozent Mehrweg bis 2040) befüllen, schreibt die Welt. Der Vorschlag der Kommission löse bei Verbänden der europäischen Verpackungs- und Lebensmittelindustrie viel Kritik aus. Sie forderten, Mehrwegsysteme nur dann einzusetzen, wenn eine Lebenszyklus-Analyse diese vorteilhaft erscheinen lasse. Bei längeren Transportwegen und aufwendiger Reinigung könnten Einwegverpackungen ökologisch vorteilhafter sein, so die Argumentation. Auch der europäische Dachverband der Entsorgungswirtschaft FEAD und der BDI Bundesverband der Deutschen Industrie sähen die Mehrwegquoten für Verpackungen kritisch, geht aus mehreren Berichten des Fachdienstes Euwid hervor. Des Weiteren fordere der FEAD ebenso wie der BDI laut Euwid die Rechtsgrundlage für den Binnenmarkt auf den Umweltartikel 192 AEUV zu erweitern (s. auch Presseschau vom 21.4. bis 27.4.2023) und in der Verordnung Kriterien für das „Design for Recycling“ festzulegen. Diese Kriterien und die Ökomodularisierung von Lizenzentgelten sollten möglichst fünf Jahre vor Inkrafttreten der Regelungen feststehen, zitiert Euwid aus einer Stellungnahme des BDI. Denn die Unternehmen benötigten Klarheit, um entsprechende Verpackungen zu entwickeln und Investitionsentscheidungen treffen zu können. Im Fokus einer Stellungnahme von Aldi Nord, die Thema eines weiteren Berichts von Euwid ist, stünden ebenfalls die Mehrwegvorgaben sowie Anforderungen an Pfand- und Rücknahmesysteme und die Mindestrezyklatquoten für Kunststoffverpackungen. So halte der Discounter hinsichtlich der Mehrwegziele weitere Folgenabschätzungen für erforderlich und spreche sich dafür aus, bereits gut funktionierende Pfand- und Rücknahmesysteme zu erhalten. Mit Blick auf gesetzliche Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit von Post-Consumer-Rezyklaten für Lebensmittelverpackungen fordere Aldi Nord ein Vorkaufsrecht für die Akteure der Wertschöpfungskette, wie z.B. den Einzelhandel.

 

Quellen:

  • welt.de (5.5.2023)
  • mehrere Berichte in Euwid 19/2023 (9.5.2023)
Nachhaltige Verpackungen

Bei der Verpackungs-Weltleitmesse interpack, die vom 4. bis 10. Mai in Düsseldorf mit einem Schwerpunkt Kreislaufwirtschaft stattfand, sei laut Berichten der Fachpresse Nachhaltigkeit das absolute Top-Thema gewesen. Der Frage, welche Verpackung aus welchem Material – Glas, Weißblech oder Tetrapak – wohl die nachhaltigste sei, widmet sich ein Bericht des Bayerischen Rundfunks (BR), und die Badische Zeitung befasst sich mit der Debatte „Einweg oder Mehrweg“ für Getränkeverpackungen, die durch eine aktuelle Lidl-Kampagne neue Fahrt aufgenommen habe.

 

Laut Berichten der Fachpresse präsentierten insgesamt 2.087 Aussteller auf der interpack innovative Technologien und ganzheitliche Konzepte, die Effizienz und Nachhaltigkeit entlang der gesamten Produktionslinie berücksichtigten. Mit rund 143.000 Besucherinnen und Besuchern aus 155 Ländern habe die Messe die Erwartungen übertroffen. Die strategische Ausrichtung der Messe auf die vier „Hot-Topics“ Kreislaufwirtschaft, Ressourcenschonung, Digitalisierung und Produktsicherheit habe ihren konkreten Ausdruck in zahlreichen Innovationen gefunden. So hätten etwa Unternehmen des Verpackungsmaschinenbaus Lösungen für die Umsetzung nachhaltiger Verpackungskonzepte präsentiert, die durch entsprechende technische Anpassungen und neu entwickelte Maschinenlösungen ermöglicht wurden.

 

Über die Ergebnisse einer Studie, die der NABU beim Ifeu Institut beauftragt habe und in der verschiedene Verpackungen auf ihre Nachhaltigkeit geprüft worden seien, berichtet der BR. In der Untersuchung seien Tetrapak, die klassische Konserve und Einweggläser miteinander verglichen worden. Am besten schneide Tetrapak, die Verbundverpackung aus Karton, Aluminium und Kunststoff ab, die durch das geringe Gewicht und den hohen Kartonanteil gegenüber den anderen untersuchten Verpackungen Ressourcen einspare. So verbrauche die Produktion einer Tonne passierter Tomaten im Karton laut Studie siebeneinhalb Mal weniger CO2-Äquivalente als die einer Tonne Tomaten im Glas. Allerdings ließen sich Verbundkartons schwieriger recyceln, weil sie aus mehreren Materialien bestünden, die in speziellen Anlagen aufwendig getrennt werden müssten. Dennoch seien Verbundkartons, die aufgrund ihres geringen Gewichts und des geringeren Energieverbrauchs bei der Produktion am nachhaltigsten, gefolgt von Konservendosen aus Weißblech. Glas, das zwar am häufigsten wiederverwertet werde, habe im Vergleich am schlechtesten abgeschnitten, da es zur Herstellung und beim Recycling hohe Temperaturen brauche und auch schwerer sei als Weißblech und Tetrapak. Nachhaltiger werde Glas beim Einsatz in einem Mehrwegsystem, wie zum Beispiel bei Flaschen.

 

Die Badische Zeitung fragt indessen, ob es noch stimme, dass Einweg „böse“ und mitverantwortlich für wachsende Müllberge sei. Seit Lidl mit Günther Jauch für seine PET-Einwegflasche werbe, habe die altbekannte Debatte „Einweg oder Mehrweg“ wieder an Fahrt gewonnen. Lidl werbe mit Unterstützung des Fernsehmoderators für die „Kreislaufflasche“, die 50 mal leichter sei als eine Glasflasche und damit eine der ökologischsten Getränkeverpackungen, die es gebe. Die Mehrweg-Allianz, bestehend aus der Deutschen Umwelthilfe, der Stiftung Initiative Mehrweg sowie Verbänden des Getränkegroß- und -einzelhandels und der Privatbrauereien habe nun eine Gegenkampagne gestartet. Sie halte Lidl entgegen, Mehrwegflaschen aus Glas könnten bis zu 50 Mal wieder befüllt werden. Im Gegensatz dazu würden die 16,4 Milliarden Einwegplastikflaschen, die in Deutschland jährlich verbraucht würden, nach nur einmaliger Benutzung zu Abfall. Auch das Umweltbundesamt (UBA) kritisiere die Werbeaussagen des Discounters. So schneide die Flasche in der von Lidl beauftragten Ökobilanz zwar gut ab, doch die Methodik der von Lidl beauftragten Ökobilanz entspreche nicht den Anforderungen des UBA. Hinzu käme, dass nicht jede PET-Flasche so wie in der Lidl-Werbung wieder zu einer PET-Flasche werde. Auch gebe es im Recyclingprozess Materialverluste, und es brauche immer mehr als eine alte Flasche, um daraus eine neue zu machen, wird Gerhard Kotschik vom UBA in der Badischen Zeitung zitiert. Er halte Mehrweg für nachhaltiger, auch wenn es dort noch großen Optimierungsbedarf gebe.

 

Quellen:

  • br24.de, badische-zeitung.de (5.5.2023)
  • packreport.de (10.5.2023)
  • kunststoffe.de (11.5.2023)

 

28.04.2023 - 04.05.2023

Zahlreiche Änderungsanträge zur geplanten EU-Verpackungsverordnung

Rund 200 Änderungsanträge habe die Berichterstatterin des Europäischen Parlaments Fréderique Ries der EU-Kommission vorgelegt, berichtet der Fachdienst Euwid. Ein Schwerpunkt ihres Berichtsentwurfs, der am 4. Mai dem Umweltausschuss präsentiert werden solle: Bestimmungen für Kunststoffverpackungen.

 

Die belgische Abgeordnete Ries (Renew Europe) schlage gegenüber dem Entwurf der EU-Kommission unter anderem ambitioniertere Maßnahmen zur Abfallvermeidung vor, schreibt Euwid. Die EU-Staaten sollten verpflichtet werden, nicht die Gesamtmenge, sondern die pro Kopf anfallende Menge an Verpackungsabfällen aus Kunststoff im Vergleich zum Basisjahr 2018 stufenweise zu verringern, und zwar um zehn Prozent bis 2023, um 15 Prozent bis 2035 und um 20 Prozent bis 2040. Außerdem solle der Verbrauch von dünnwandigen Tüten aus Kunststoff ab Ende 2025 auf 40 Stück reduziert oder auf das äquivalente Gewicht gedeckelt werden. Darüber hinaus sehe der Berichtsentwurf von Ries auch Änderungen für die Zielvorgaben für den Rezyklatgehalt von Kunststoffverpackungen vor. Er verzichte auf den von der Kommission ab 2030 geforderten Mindestrezyklatanteil von zehn Prozent für kontaktsensible Verpackungen aus anderen Kunststoffmaterialien als PET, da derzeit keine entsprechenden Recyclingverfahren zur Verfügung stünden. Ebenso enthalte er nicht mehr die vorgesehenen Befugnisse für die EU-Kommission, durch delegierte Rechtsakte Ausnahmeregelungen zu erlassen, damit, so die Begründung, sich ein langfristig stabiler und robuster Markt für Rezyklate entwickeln könne. Ries schlage weiterhin vor, den Anteil an Recyclingmaterial nicht pro Verpackungseinheit festzulegen wie von der Kommission vorgesehen, sondern „pro Verpackungsformat pro Anlage pro Jahr“. Das Maß „pro Einheit“ entspreche nicht den „industriellen Realitäten der Branche“. Der geänderte Ansatz ermögliche eine „repräsentativere Bilanzierung der Integration von recycelten Materialien“, wird Ries bei Euwid zitiert. Auch solle die Kommission den Energieverbrauch neuer Technologien berücksichtigen und chemische Recyclingverfahren auf einen „wirklich zirkulären Ansatz“ beschränken, fordere Ries. Weitere Änderungsvorschläge beträfen, wie Euwid an anderer Stelle berichtet, unter anderem eine verpflichtende Mindestquote für die Getrenntsammlung aller Verpackungen von 90 Prozent ab 2029, ein Verbot der Chemikalie PFAS in Lebensmittelverpackungen aus Papier, Pappe und Karton (PPK) sowie Vorgaben für die Wiederverwendung und Nachfüllung wie beispielsweise eine Nachfüllpflicht der Anbieter anstelle von Zielvorgaben für Mehrwegverpackungen für Getränke und Speisen zum Mitnehmen.

 

Quellen:

  • zwei Berichte bei Euwid Recycling und Entsorgung 18/2023 (3.5.2023)

 

„Löcher im Recyclingkreislauf“

Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft handle die EU zu zögerlich und setze auf umstrittene Technologien wie das chemische Recycling von Kunststoffabfällen, ist in einem kritischen Bericht über die „Löcher im Recyclingkreislauf“ im Handelsblatt zu lesen.

 

Das Handelsblatt berichtet unter Berufung auf Recherchen eines Journalistenteams von Investigate Europe über das „massive Plastikproblem“ Europas, unzulässige Exporte sowie hohe Verbrennungsquoten von Kunststoffabfällen und geringe Recyclingquoten. Trotz Initiativen der EU-Kommission wie der 2018 gestarteten „Circular Plastics Alliance“ bewege sich Kunststoff in Europa statt im Kreis noch immer auf einer Linie, die am Ende in eine Verbrennungsanlage führe, heißt es im Handelsblatt. Die Müllverbrennung gefährde das Recycling. Doch statt mehr zu recyceln würden in Ländern wie Polen und Tschechien die MVA-Kapazitäten – mitfinanziert von der EU – weiter ausgebaut. Auch weil die Möglichkeiten der Abfallsortierung begrenzt seien und die Menge nicht-recycelbarer Multilayer-Verpackungen stetig zunehme, sei eine „riesige Lücke“ im Kunststoff-Recyclingkreislauf entstanden, die nun mit umstrittenen Verfahren wie dem chemischen Recycling von Kunststoffen geschlossen werden solle. Die Industrie, die für chemisches Recycling in Brüssel werbe, sehe in der Nutzung der noch wenig erprobten Technologie eine Möglichkeit, da zu helfen, „wo das klassische Recycling nicht weiterkommt“, wird Markus Klatte, Mitinhaber von Arcus Greencycling im Handelsblatt zitiert. Das Unternehmen betreibe seit wenigen Monaten in Frankfurt im Industriepark Höchst eine der ersten Pyrolyse-Anlagen in Deutschland im Industriemaßstab. Durch die Investition in solche Anlagen in Europa hoffe die Industrie, bis 2030 ein Drittel des recycelten Plastiks zu verarbeiten, und verweise auf den Nutzen: weniger Verbrennung, weniger Ölimporte, weniger CO2-Emissionen. Doch das Verfahren sei umstritten und werde von Umweltverbänden kritisch gesehen, auch weil es dazu bislang aufgrund fehlender Daten keine Klima- und Umweltbilanzen gebe, zitiert das Handelsblatt.

 

Quellen:

  • investigate-europe.eu (27.4.2023)
  • handelsblatt.de (30.4.2023)
Ifeu-Studien zu PET-Einwegflaschen: Umweltvorteile durch geschlossenen Kreislauf

Zwei Ifeu-Studien sind Thema von Berichten in Fach- und Tagesmedien: Eine Kampagne der Schwarz-Tochter Lidl, in der Moderator Günther Jauch für die Einwegflasche des Discounters werbe, stütze sich auf eine Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung (Ifeu), werde aber von Umweltverbänden wie der Deutschen Umwelthilfe (DUH) als Greenwashing kritisiert. Und Coca-Cola dränge mit Hinweis auf die Ergebnisse einer Studie von Ifeu in Kooperation mit der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung darauf, PET-Rezyklat aus Einweggetränkeflaschen vorzugsweise Getränkeherstellern zur Verfügung zu stellen.

 

In Fernsehspots und auf Plakaten werbe Lidl laut Medienberichten mit dem beliebten Moderator Günther Jauch für die PET-Einweggetränkeflasche des Discounters unter Berufung auf die Ergebnisse einer Studie des Ifeu-Instituts, wonach diese in der Ökobilanz besser abschneide als Mehrwegflaschen aus Glas oder Kunststoff (s. auch Presseschau vom 31.3. bis 20.4.2023). Umweltverbände wie die DUH und Greenpeace kritisierten die Kampagne als Greenwashing. Sie sei ebenso wie die für die Studie herangezogenen Daten irreführend. So stünden für das Lidl-Recyclingsystem aktuelle technische Daten zur Verfügung, während die Vergleichswerte der herangezogenen Mehrwegsysteme teils älter als zehn Jahre seien. Hinzu komme, dass Lidls 0,5-Liter-Wasserflasche schlechter abgeschnitten habe als die Mehrwegmodelle, sich die Werbung aber nur auf die 1,5-Liter-Flasche beziehe. Auch entstehe der Eindruck, dass Einwegflaschen per se besser seien als Mehrwegmodelle, so die Kritik. Die Studienergebnisse seien aber nicht auf Einweg-Plastikflaschen allgemein übertragbar. Politischer Hintergrund der Lidl-Kampagne sei, dass Bundesumweltministerin Steffi Lemke über die Einführung einer Mehrwegpflicht, die für den Handel in der Folge mit hohen Kosten verbunden sei, nachdenke. Auch die EU-Kommission plane Maßnahmen zur Stärkung von Mehrweg. Stattdessen fordere Lidl eine Förderung ökologischer Verpackungen entsprechend ihrer Klimabilanz.

 

Laut Medienberichten komme eine weitere Studie von Ifeu in Kooperation mit GVM im Auftrag von Coca-Cola zu dem Ergebnis, dass konsequentes Recycling von PET-Einwegpfandflaschen zu neuen Pfandflaschen ökologisch vorteilhafter sei als deren Verwendung in anderen Produkten. Würden die in Deutschland in Verkehr gebrachten PET-Einwegpfandflaschen alle für die Herstellung von solchen Flaschen eingesetzt, ließen sich jährlich etwa 60.000 Tonnen Kohlendioxid einsparen, heiße es in der Studie. Doch ein zu großer Teil des lebensmittelgeeigneten Rezyklats gehe in Verwendungen wie Folien, Fasern und andere kurzlebige Produkte. Eine konsequente Schließung des Kreislaufs führe laut Studie, die die gesamte Wertschöpfungskette inklusive aller Sekundärnutzen betrachte, zu deutlichen Vorteilen in der Treibhausgasbilanz. Im geschlossenen Flaschenkreislauf würde der Einsatz von Primär-PET um mehr als 90 Prozent auf 21.000 Tonnen zurückgehen, wird GVM-Projektleiter Nicolas Cayé in einem Bericht von Euwid zitiert. Die thermisch verwertete PET-Menge sinke durch die Schließung des Flaschenkreislaufs von 161.000 auf 23.000 Tonnen. Für die Schließung des Flaschenkreislaufs müssten dann aber die Getränkehersteller das recycelte Flaschenmaterial auch bevorzugt kaufen dürfen, fordere Tilman Rothhammer, Mitglied der Geschäftsführung des Coca-Cola-Abfüllers CCEP in Deutschland, ist in einem Bericht der Wirtschaftswoche zu lesen. Laut der Studie stehe in Deutschland genug Material zur Verfügung, um 90 Prozent der Einwegflaschen im Markt aus recyceltem PET herzustellen.

 

Quellen:

  • taz.de (28.4.2023)
  • rnd.de, zwei Berichte bei wiwo.de (1.5.2023)
  • zwei Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 18/2023 (3.5.2023)

21.04.2023 - 27.04.2023

Dialog zur nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie gestartet

Die Fach- und Tagespresse berichtet über die Vorbereitungen des Bundesumweltministeriums für die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbarte nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS), deren Beschluss für das Frühjahr 2024 angestrebt werde. Übergeordnete Ziele, Handlungsfelder, strategische Maßnahmen und Instrumente, um den Verbrauch primärer Rohstoffe zu reduzieren, sollen in einem Verbändedialog gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschafts- und Umweltverbänden, Gewerkschaften, Verbraucherschutz, Forschung und Zivilgesellschaft formuliert werden. Der Dialog startete nun mit der Auftaktveranstaltung in Berlin.

 

Mit einer nachhaltigen Wirtschaftsweise, die konsequent den gesamten Lebenszyklus von Produkten und Rohstoffen in den Blick nimmt, ließen sich CO2-Emissionen, Artensterben und Umweltverschmutzung wirkungsvoll verringern, zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Bündnis 90/Die Grünen) zum Start des Verbändedialogs. Die wichtige Initiative komme spät, habe Peter Kurth, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) moniert. Auf EU-Ebene liefen die Arbeiten an einer Transformation zur Kreislaufwirtschaft bereits auf Hochtouren, wird Kurth in der FAZ zitiert. Wenn Deutschland seine Strategie habe, gehe aber in Brüssel die Legislaturperiode zu Ende, wie es danach weitergehe, sei unsicher. Auch wieviel Primärrohstoffe sich überhaupt einsparen ließen, sei ungewiss, schreibt die FAZ. Pauschale Aussagen zu Prozentsätzen halte Kurth jedenfalls für schwierig, da die Rückgewinnungsquoten je nach Material sehr unterschiedlich seien. Hohen Handlungsdruck sehe er vor allem bei Seltenen Erden, Batterien, Kunststoffen und Bauabfällen. In der geplanten Strategie müssten die sehr unterschiedlichen Ausgangssituationen berücksichtigt werden, fordere Kurth laut FAZ. Weitgehende Einigkeit gebe es darin, dass das Produktdesign einer der Schlüssel für eine erfolgreiche Kreislaufstrategie sei. Entscheidend für den vermehrten Einsatz von Recyclingmaterial sei, dass die Politik die richtigen Rahmenbedingungen und Anreize setze, wird Kurth auch in einem Bericht von Euwid zitiert. Er habe außerdem die Bedeutung von Rechtssicherheit und Vollzug betont. Investitionen in besseres Recycling würden nur erfolgen, wenn das Regelwerk auch gelebt werde. In einem innerhalb der Bundesregierung abgestimmten Grundlagenpapier seien bereits acht konkrete Handlungsfelder für die Strategie definiert worden, berichtet der Fachdienst weiter. Diese umfassten zum einen die Stoffströme Kunststoffe, Metalle, Elektro- und Elektronikgeräte, Fahrzeuge und Batterien sowie Bekleidung und Textilien. Zum anderen wolle man sich auch mit der öffentlichen Beschaffung, zirkulären Produktionsprozessen sowie Gebäuden näher beschäftigen. Für die verschiedenen Handlungsfelder seien „Runde Tische“ geplant. Außerdem solle es neben den Spitzengesprächen im „Dialogforum“ zu Beginn und Ende des Dialogprozesses auch „Dialogwerkstätten“ sowie einen Online-Dialog geben.

 

Quellen:

  • FAZ, Euwid Recycling und Entsorgung 17/2023 (25.4.2023)
Neue Erkenntnisse zu Mikroplastik

Die Fachpresse berichtet über ein als „Acousweep“ bezeichnetes Verfahren, das Schallwellen nutze, um Mikroplastik aus dem Wasser zu filtern. Und eine Reihe von Berichten von Wissenschafts- und Tagesmedien hat eine Studie des Bremerhavener Alfred-Wegener Instituts (AWI) zum Thema, wonach eine arktische Algenart besonders stark mit Mikroplastik belastet sei.

 

Eine Technologie, bei der durch Schallwellen Kunststoffpartikel mechanisch aus dem Wasser gefiltert werden, könne erheblich dazu beitragen, die Belastung mit Mikroplastik in der Umwelt zu reduzieren, ist in einem Online-Bericht des Umweltmagazins zu lesen. Bei diesem akustischen Verfahren würden Ultraschallwellen erzeugt, die das Mikroplastik in die Mitte des Wassers beförderten, wo es sich dann anreichere und abgesammelt werden könne. Japanische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen hätten die Geräte für das Verfahren, das bereits von anderen Forschungsteams erfolgreich getestet worden sei, weiterentwickelt. Das japanische Team habe durch die neuen Geräte Gesamtsammelraten für Mikroplastikpartikel mit einem Durchmesser von 5, 10, 15, 25, 50 und 200 Mikrometer (μm) von über 90 Prozent erreicht. Noch kleinere Partikel, deren Durchmesser unter 5 μm lag, seien allerdings zu klein gewesen, um von den Schallwellen gesteuert zu werden. Bei dem Verfahren würden keine Lösungsmittel, chemischen oder biologischen Zusätze benötigt, ist in einem Bericht von Euwid in der aktuellen Ausgabe „Wasser und Abwasser“ zu lesen. Das im Labormaßstab vorhandene Aufbereitungssystem verarbeite 20 Liter Wasser pro Stunde, während die hochskalierte Version laut dem Forscherteam in der Lage sein werde, 5.000 bis 10.000 Liter Wasser pro Stunde zu behandeln.

Auf einer Expedition in der Arktis haben Forscherinnen und Forscher unter der Leitung des AWI laut Medienberichten untersucht, wie viel Mikroplastik in der unter dem Meereseis wachsenden Alge Melosira arctica und dem Umgebungswasser vorhanden ist. Laut der Studie, die in der Fachzeitschrift „Environmental Science and Technology“ veröffentlicht wurde, enthalte die Alge zehnmal so viele Mikroplastikpartikel wie das umgebende Meerwasser. Das Team vermute, dass die Algenart die hohe Menge an Partikeln aufgrund ihrer besonderen Oberflächenstruktur aus atmosphärischen Niederschlägen, dem Meerwasser selbst, dem umgebenden Eis und weiteren Quellen aufnehme. Dies stelle eine Gefahr für Lebewesen dar, die sich von den Algen ernähren, warne Studienleiterin Melanie Bergmann.

Weitere Information: Studie zur Mikroplastikfiltration mit Schallwellen, Studie des AWI zur Mikroplastikbelastung der arktischen Alge Melosira

 

Quellen:

  • spiegel.de, rnd.de, süddeutsche.de, geo.de, tagesspiegel.de (21.4.2023)
  • faz.net (22.4.2023)
  • wissenschaft.de, Spektrum der Wissenschaft (24.4.2023)
  • Umweltmagazin (24.4.2023)
  • Euwid Wasser und Abwasser 17/2023 (25.4.2023)
EU-Verpackungsverordnung: Verbände warnen vor Änderung der Rechtsgrundlage

In einem gemeinsamen Statement warnten mehr als 120 Verbände aus der Wertschöpfungskette für Verpackungen das Europäische Parlament und den Rat laut eines Berichts von Euwid vor den Auswirkungen auf den EU-Binnenmarkt, falls die bisher im Entwurf der Verpackungsverordnung (PPWR) geplante Rechtsgrundlage für die Arbeitsweise der Europäischen Union „Binnenmarktartikel“ (Art. 114) geändert werden sollte.

 

Der Artikel 114 schränke die Möglichkeiten der Mitgliedstaaten ein, einzelstaatliche Bestimmungen zu treffen, wenn bereits Harmonisierungsmaßnahmen der EU erlassen wurden. Die EU-Kommission habe zwar bisher nicht die Absicht geäußert, von Art. 114 abzuweichen, zitiert Euwid eine Sprecherin des europäischen Verbands für Verpackungen und Umwelt Europen. Im Rat hätten jedoch mit Ausnahme von Bulgarien die meisten Mitgliedstaaten gefordert, den Artikel ganz oder teilweise durch den „Umweltschutzartikel“ (Art. 192) des EU-Vertrags zu ersetzen. Begründet werde dies damit, dass man sich so mehr Flexibilität für die Umsetzung bewahren wolle. Angesichts dessen zeigten sich die Verbände der Verpackungsindustrie in ihrem Statement besorgt über eine mögliche Aushöhlung oder Aufspaltung der Rechtsgrundlage im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens. In den vergangenen Jahren habe man bereits eine Zunahme an einzelstaatlichen und vom EU-Recht abweichenden nationalen Anforderungen im Verpackungsrecht wie zum Beispiel Verbote, Wiederverwendungs- und Recyclingvorgaben sowie Kennzeichnungsvorschriften erlebt. Auch hätten in der letzten Zeit einige EU-Mitgliedstaaten eigene Gesetze zu Verpackungen und Verpackungsabfällen erlassen und damit der EU-weiten Gesetzgebung vorgegriffen, zitiert Euwid aus dem Schreiben der Verbände. In der Folge sei es zu Hemmnissen im Binnenmarkt, ökologischen Zielkonflikten, dem Verlust von Skaleneffekten sowie zur Verlagerung von Investitionen und F&E-Aktivitäten gekommen. Sollten die Bestimmungen der PPWR in Zukunft auf umweltrechtlichen Grundlagen beruhen, könne das Potenzial für eine Harmonisierung durch einen Flickenteppich nationaler Verpackungsgesetze geschwächt werden, was dann zu Lasten der Verbraucher, des Umweltschutzes und der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie gehen werde, befürchten die Verbände.

 

Quelle:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 17/2023 (25.4.2023)

31.03.2023 - 20.04.2023

G7-Staaten: Plastikeinträge in die Umwelt sollen früher beendet werden

Fach- und Tagesmedien berichten über einen Beschluss der Umweltminister der G7-Gruppe wirtschaftsstarker Demokratien, wonach die Umweltverschmutzung durch Kunststoffabfall bereits bis zum Jahr 2040 beendet werden solle – und damit zehn Jahre früher als die G-20-Staaten es im Jahr 2019 beschlossen hatten.

 

Die Umweltminister der G7-Gruppe wollen mit einem ambitionierten Zeitplan gegen die Verschmutzung der Umwelt durch Kunststoffabfälle vorgehen, berichtet etwa die Tagesschau. Laut Abschlusserklärung des zweitägigen Treffens im japanischen Sapporo wolle die G7-Gruppe ihre Maßnahmen „auf der Grundlage eines umfassenden Lebenszyklusansatzes fortsetzen und verstärken, um den nachhaltigen Verbrauch und die Produktion von Kunststoffen, ihre Kreislauffähigkeit in der Wirtschaft und eine umweltgerechte Abfallbewirtschaftung zu fördern“, zitiert Euwid aus dem G7-Beschluss. Mit verschiedenen Ansätzen solle gegen „Einwegkunststoffe, nicht recycelbare Kunststoffe sowie Kunststoffe mit schädlichen Zusätzen“ vorgegangen werden, ist dort weiter zu lesen. Dazu gehöre ein vollständiger Verzicht auf problematische Produkte, oder, wenn dies nicht möglich sei, die Verringerung ihrer Produktion und ihres Verbrauchs. Geplant sei außerdem Instrumente einzusetzen, um etwa die Quellen, Pfade und Auswirkungen von Mikroplastik anzugehen. Bis auf Japan und die USA gehörten alle anderen Länder der G7-Gruppe Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada und Großbritannien auch der High-Ambition-Coalition (HAC) an, die sich für ein ambitioniertes Ergebnis der im vergangenen Jahr angelaufenen Verhandlungen über ein rechtsverbindliches globales Abkommen der Vereinten Nationen über Kunststoffe einsetze. Für das deutsche Bundesumweltministerium sei der Beschluss der G7-Staaten ein „wegweisender Schritt nach vorne“. Er werde „den UN-Verhandlungen Rückenwind geben“, zitiert Euwid aus einer Mitteilung des Ministeriums.

 

Quellen:

  • tagesschau.de, nzz.de, bz.de (16.4.2023)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 16/2023 (17.4.2023)
Bundesregierung zur zukünftigen Rolle des chemischen Recyclings

Laut einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Unions-Bundestagsfraktion dürfe chemisches Recycling aus Sicht der Bundesregierung nicht zu Einschnitten bei werkstofflichen Verfahren führen und nur für Kunststoffabfälle zur Anwendung kommen, die nachweislich nicht werkstofflich recycelbar seien, ist in einem Bericht des Fachdienstes Euwid nachzulesen. Vorbehalte gegenüber chemischen Verfahren äußerte laut eines Berichts bei Kunststoffe der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion Dr. Jan-Niclas Gesenhues bei einer Veranstaltung, zu der der Verband der Kunststofferzeuger Plastics Europe Deutschland Ende März eingeladen hatte.

 

Der Planungsstand der Bundesregierung, die in ihrem Koalitionsvertrag eine Anerkennung der chemischen Recyclingverfahren als Option in Aussicht gestellt hatte, beinhalte dafür keinen konkreten Umsetzungstermin, zitiert Euwid aus der Antwort. Man wolle die Projekte des Koalitionsvertrages im Laufe der Legislaturperiode umsetzen, heiße es. Des Weiteren unterstütze die Regierung Bemühungen zum Design for Recycling und zur Weiterentwicklung der werkstofflichen Recyclingtechnologien. Als Input für chemische Verfahren sollten, zitiert Euwid weiter aus der Antwort auf die Anfrage, nur solche Kunststoffabfälle dienen, aus denen mittels werkstofflicher Verfahren keine Rezyklatqualitäten erzeugt werden könnten, die sich für den Ersatz von Primärkunststoffen eigneten. Zur Frage der Union nach dem Massebilanzverfahren, mit dem Quoten für das chemische Recycling nachgewiesen werden könnten, müsse aus Sicht der Regierung für diese „ein vergleichbares Anforderungsniveau an Transparenz und Rückverfolgbarkeit der Rezyklate gelten wie für die Nachweisführung bei werkstofflichen Verfahren“. Darüber hinaus plane die Bundesregierung zur Frage nach Reallaboren für das chemische Recycling für die Vorbereitung eines entsprechenden Gesetzes eine breite Stakeholder-Konsultation ab Mitte des Jahres.

Laut eines Berichts bei Kunststoffe war unter anderem auch das chemische Recycling Thema bei einem parlamentarischen Frühstück mit anschließender Innovations-Pressekonferenz, zu dem Plastics Europe Deutschland nach Berlin eingeladen hatte. Dort diskutierten Judith Skudelny, umweltpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Thews, Obmann der SPD-Bundestagsfraktion für Kreislaufwirtschaft, Dr. Jan-Niclas Gesenhues, umweltpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen mit Dr. Alexander Kronimus, Leiter Geschäftsbereich Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft PED und Peter Kurth, Präsident Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser und Rohstoffwirtschaft (BDE) die Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe. Weitgehend einig sei man sich über die Definition von Kreislaufwirtschaft gewesen, nicht jedoch über die Hebel zum Erreichen einer zirkulären Kunststoffindustrie. Kurth habe betont, man müsse alle Abfälle sammeln und behandeln, was aber „ohne eine kluge Regulatorik“ nicht funktionieren werde, zitiert Kunststoffe den BDE-Präsidenten. Weitestgehend gegen das chemische Recycling habe sich Gesenhues ausgesprochen. Es sei aus seiner Sicht nicht mehr „als ein Strohhalm“ sowie eine Einladung, am Produktdesign nichts zu ändern. Es brauche Technologieoffenheit, um das Recycling zu maximieren, habe Kronimus dem entgegengehalten. In einem Interview, das Kunststoffe am Rande des parlamentarischen Frühstücks mit PED-Hauptgeschäftsführer Ingemar Bühler führte, und bei dem Bühler das Design for Recycling als wichtigsten Hebel der Kreislaufwirtschafts-Strategie hervorhob, antwortete Bühler auch auf die Kritik am chemischen Recycling von Gesenhues. Die Industrie suche echte Lösungen und keine Ausreden. Es gehe den Unternehmen um die komplette Klaviatur, was bedeute, Kunststoffe fossilfrei herzustellen, zirkuläre Produkte zu entwickeln und am Ende für jedes Produkt das passende Recyclingverfahren zu haben. Über all dies wolle die Industrie zirkuläres Produktdesign ermöglichen. Chemische Recyclingverfahren halte Bühler vor allem für Materialverbunde, wie sie im Textil- oder Automobilbereich vorkämen, für extrem wichtig.

 

Weitere Information: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der CDU/CSU

 

Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 16/2023 (17.4.2023)
  • Kunststoffe (8. und 12.4.2023)
Mehrweg: laut Studie ökobilanziell nicht grundsätzlich die bessere Lösung

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet über die Ergebnisse eine Ifeu-Studie, die die vom politischen Mainstream vertretene Auffassung, Mehrweg sei grundsätzlich die nachhaltigere Verpackungslösung, infrage stelle. EU-Kommission und die Bundesregierung planten bereits eine gesetzliche Erhöhung der Mehrwegquote, und in Deutschland werde über eine Mehrwegangebotspflicht für den Handel nachgedacht. Insbesondere der Lebensmitteldiscounter Lidl, der ein eigenes Rücknahme- und Verwertungssystem für seine Getränkeflaschen etabliert habe, wehre sich mit Hinweis auf die Studienergebnisse dagegen, ist auch in einem Bericht vom Handelsblatt zu lesen.

 

Im Zuge der Novelle der Verpackungsverordnung plane die EU-Kommission, den Anteil von Mehrwegverpackungen bei Getränken auf dem europäischen Binnenmarkt drastisch anzuheben, berichtet die SZ. Auch die Bundesregierung wolle den Mehrweganteil von derzeit 43 auf bis zu 70 Prozent erhöhen und Bundesumweltministerin Steffi Lemke in Kürze dazu konkrete Vorschläge präsentieren. Die „pauschale Stigmatisierung von PET-Einwegsystemen“ halte der Mutterkonzern von Lidl, die Schwarz-Gruppe, zu der auch Kaufland gehört, für nicht gerechtfertigt. Das Unternehmen habe für seine Töchter ein eigenes Einweg-System für PET-Getränkeflaschen aufgebaut, die in zwei Recyclinganlagen der Schwarz-Gruppe wiederverwertet und so im Kreislauf gehalten würden. Aktuell verweise die Gruppe auf die Ergebnisse einer von ihr beauftragten und bislang unveröffentlichten Untersuchung des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung (Ifeu), wonach das System der Schwarz-Gruppe nicht nur gleichwertig, sondern in der ökologischen Gesamtbilanz sogar teilweise besser als Mehrweg sei, zitiert die SZ den Vorstandsvorsitzenden der Firma Schwarz Produktion Jörg Aldekott. Demnach schneide deren 1,5-Liter-PET-Einwegflasche in der ökologischen Gesamtbilanz mit einem CO2-Äquivalent von 32 Kilogramm pro 1.000 Liter Füllgut besser ab und sei klimaschonender als vergleichbare handelsübliche Mehrwegflaschen, die laut Studie auf 41 Kilogramm CO2-Äquivalent pro 1.000 Liter Füllgut kämen. In dem Schwarz-Kreislaufsystem mit regionaler Belieferungsstruktur werde das eingesetzte Material zu hundert Prozent wieder zu neuen Flaschen verarbeitet, ist auch in einem Bericht des Handelsblatts zu lesen. Von Deckel und Etikett abgesehen bestünden die Flaschen mittlerweile zu 100 Prozent aus Rezyklat und seien auch komplett recycelbar, so Aldekott.

Verpackungen nach Gebrauch möglichst neu zu befüllen und mehrfach zu nutzen, halten laut einer Umfrage des deutschen Verpackungsinstituts dvi, über die Kunststoff Information berichtet, rund die Hälfte aller Deutschen für sinnvoll. In einer repräsentativen Umfrage antworteten 60,6 Prozent der Befragten auch, dass sie grundsätzlich bereit seien, mehr Verpackungen als bisher nach Gebrauch für eine erneute Verwendung zurückzugeben. Zur Frage, welche Aspekte beim Thema Mehrweg besonders wichtig seien, sähen 71,7 Prozent der Umfrage-Teilnehmer die Rückgabe an möglichst vielen Abgabestellen unabhängig vom Ort des Kaufs an erster Stelle. Für 64,2 Prozent zähle, dass die Produkte durch Mehrwegverpackungen nicht teurer werden dürften. Schließlich habe die Umfrage auch deutlich gemacht, dass sich mehr als die Hälfte der Befragten hinsichtlich der Umweltauswirkungen wie CO2-Emissionen sowie Verbrauch von Wasser, Energie und den für das Produkt eingesetzten Rohstoffen im Vergleich zur Verpackung irrten: 50,5 Prozent hielten fälschlicherweise die Verpackung für den Part, der mit höheren Umweltauswirkungen verbunden sei, zitiert Kunststoff Information aus der Studie. Nur 28,8 Prozent hätten richtigerweise das verpackte Produkt genannt.

Quellen:

  • Süddeutsche Zeitung (8.4.2023)
  • Kunststoff Information (13.4.2023)
  • handelsblatt.com (19.4.2023)