24.03.2023 - 30.03.2023
Wie in Kunststoffe nachzulesen ist, wollen Audi und VW den Rezyklateinsatz in der Automobilproduktion in den kommenden Jahren steigern. Dabei soll der Materialkreislauf innerhalb der Branche eine zentrale Rolle spielen. Ebenso soll die Verbesserung der Recyclingfähigkeit bei neuen Fahrzeugreihen mehr in den Fokus gerückt werden. Für mehr Kreislaufwirtschaft will laut einem weiteren Bericht in Kunststoffe auch Covestro sorgen. In einem Kooperationsprojekt unter der Führung von Hella gehen Covestro, BMW, Geba Kunststoffcompounds und das Fraunhofer Institut für Entwurfstechnik Mechatronik (IEM) der Frage nach Recyclingmöglichkeiten von Scheinwerfern nach.
Bislang liege der Anteil recycelter Materialien in der europäischen Automobilproduktion bei 23 Prozent, berichtet Kunststoffe. Bei Audi wolle man insbesondere den derzeit noch geringen Anteil der aus Altfahrzeugen gewonnenen Materialien für die Neuproduktion erhöhen. Im Rahmen des Projektes „MaterialLoop“ sollen gemeinsam mit 15 Partnerunternehmen aus Forschung, Recyclingbranche und Zulieferindustrie die Möglichkeiten des Wiedereinsatzes von „Post-Consumer-Materialien“ aus Kundenfahrzeugen geprüft werden. Im Rahmen des Projekts seien bereits bei 100 Fahrzeugen einzelne Komponenten wie größere Kunststoffteile für ein Recycling gezielt demontiert worden. Nach der Demontage seien die verbliebenen Karossen geschreddert und in einzelne Materialgruppen wie Stahl, Aluminium und Kunststoff separiert worden. So liege auch laut Johanna Klewitz, Leiterin Nachhaltigkeit in der Lieferkette bei Audi, der Fokus des Projekts auf Kreisläufen innerhalb der eigenen Industrie, um sich von Lieferungen von Sekundärmaterialien aus anderen Branchen unabhängiger zu machen. Neben der Rückführungspotenziale gehe es im Projekt auch um die Verbesserung der Recyclingfähigkeit neuer Fahrzeuggenerationen, berichtet Kunststoffe weiter. In Zusammenarbeit mit VW habe Audi im Sinne eines Design for Circularity einen Leitfaden für die Lieferanten entwickelt. Dieser beschreibe die Prämissen, nach denen Kunststoffbauteile für eine bessere Weiternutzung gestaltet sein sollten. Beispiele für mehr Rezyklateinsatz findet Kunststoffe auch bei Volkswagen vor allem bei der rein elektrischen ID. Serie: etwa Seaqual-Garn zu zehn Prozent aus gesammelten Meeresabfällen und 90 Prozent aus recyceltem Polyethersulfon-Garn zur Herstellung von Sitzbezügen. Im ID. Buzz bereits an mehreren Stellen eingesetzte alternative Materialien sollen künftig auch in anderen Modellen zum Einsatz kommen. Neben Sitzbezügen sollen künftig auch Oberflächen des Dachhimmels und des Bodenteppichs im neuen „Bulli“ zu hundert Prozent aus recyceltem Polyester bestehen. Bis 2030 wolle VW mit solchen und noch weiteren Maßnahmen die CO2-Emissionen pro Fahrzeug um 40 Prozent reduzieren, ab 2050 wolle das Unternehmen bilanziell klimaneutral sein. Dazu lasse VW den kompletten Lebenszyklus der Fahrzeuge analysieren, um ihn zu optimieren.
Im Sinne einer Nachhaltigkeitsoptimierung beteiligt sich Covestro an einem Projekt, das der Frage nachgehe, wie komplexe Produkte wie Autoscheinwerfer recycelt werden könnten, berichten Kunststoffe an anderer Stelle sowie das Kunststoff-Magazin. An dem Projekt unter der Führung von Hella wirkten außerdem noch BMW, Geba Kunststoffcompounds, das Fraunhofer Institut für Entwurfstechnik Mechatronik IEM, das Heinz Nixdorf Institut sowie die Hochschule Hamm-Lippstadt mit. Zum Forschungsprojekt namens Nalyses, das im Oktober letzten Jahres gestartet und insgesamt auf drei Jahre angelegt sei, habe Covestro bereits ein Scheinwerferkonzept entwickelt, das sich recyclingfreundlich auf einen Kunststoff – Polycarbonat – fokussiere. Darüber hinaus würden Montageschritte, Platzbedarf, Kosten und vor allem ein deutlich gesenktes Gewicht die CO2-Emissionen reduzieren.
Quellen:
- zwei Beiträge in Kunststoffe (24.3.2023)
- kunststoff-magazin.de (22.3.2023)
Die Ziele der 2017 novellierten Gewerbeabfallverordnung seien klar verfehlt worden. Vorgaben zur Getrennterfassung und Vorbehandlung gewerblicher Abfälle würden weitgehend missachtet, Recyclingquoten selten erreicht. Das habe laut eines Berichts in Euwid eine Studie ergeben, die das Heidelberger Ifeu-Institut sowie die Berliner Umweltberatung UEC im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführt hätten. Euwid gibt die Ergebnisse dieser Evaluierung im Detail ausführlich wieder, die hier nur auszugsweise berichtet werden können.
Der mit der Verordnung beabsichtigte Schub für mehr Recycling entfalte sich in der Praxis nicht, so ist laut Euwid das Fazit der Studie, die kürzlich Nadine Buschow von UEC auf einer gemeinsamen Veranstaltung der Entsorgerverbände BDE und bvse in Berlin vorgestellt habe. Allerdings gebe es für die Beschreibung der Praxis keine bundesweit vollständige Erhebung der Gewerbeabfallmengen, so dass man auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes auf der Grundlage von Abfragen bei rund 20.000 Betrieben im Jahr 2018 zurückgreifen musste. Demnach seien nur etwa 60 Prozent der jährlich rund fünf Millionen Tonnen Gewerbeabfälle getrennt erfasst worden. Die Vorgaben der Verordnung hinsichtlich der Getrennterfassung würden weitgehend missachtet. Die Analyse in Anlagen zur Vorbehandlung habe ergeben, dass nur 18 Prozent der angenommenen Abfälle in einzelne Wertstoffe separiert und 34 Prozent der gewerblichen Abfallgemische zu Ersatzbrennstoff verarbeitet würden. Ein weiteres Viertel lande als Sortierrest in der Verbrennung. An Wertstoffen würden insbesondere Holz und Eisenmetalle aussortiert, von denen die Metalle recycelt, das Holz ebenso wie die separierten Kunststoffe dagegen energetisch verwertet würden. Allein Papier, Pappe und Karton würden überwiegend recycelt. Insgesamt würden somit 80 Prozent der separierten Mengen über verschiedene Wege in der Verbrennung landen. Infolge der ungenutzten Potenziale bei Vorbehandlung und Sortierung würden die Recyclingquoten entsprechend niedrig ausfallen. Dies zeige aus Sicht von Ifeu und UEC, dass von ihnen keine ausreichende Lenkungswirkung in Richtung Vorbehandlung und Sortierung für mehr recycelte Kunststoffe ausgehe. Gründe sehen die Autorinnen und Autoren aber weniger in den Quoten selbst als vielmehr in den fehlenden Konsequenzen, wenn sie verfehlt würden. Zudem würden unklare Definitionen in der Verordnung sowie mangelnde Informationen etwa über den Bestand der Vorbehandlungsanlagen den Vollzug erschweren. Für eine verbesserte Umsetzung der Gewerbeabfallverordnung schlagen die Sachverständigen von Ifeu und UEC im Rahmen ihrer Handlungsempfehlungen konkrete Änderungen vor, die insbesondere Verpflichtungen auf der Stufe der Vorbehandlung betreffen.
Quelle:
- Euwid Recycling und Entsorgung (28.3.2023)
Die europäischen Ziele für das Verpackungsrecycling für 2025 und 2030 sind hoch, die aktuell erreichten Quoten gehen dagegen aufgrund der Umstellung auf das neue Berechnungsverfahren nach unten. Vor diesem Hintergrund hat Eunomia im Rahmen einer Studie untersucht, ob durch eine verbesserte Sortierung gemischter Abfälle höhere Recyclingquoten erreichbar seien. Das Ergebnis fällt eher ernüchternd aus, wie das Recyclingmagazin berichtet.
Die Studie mit dem Titel „Mixed Waste Sorting to meet the EU’s Circular Economy Objectives“ habe Eunomia im Auftrag von Reloop und Zero Waste Europe erstellt. Sie fokussiere auf Kunststoffverpackungen, die in den Mitgliedsstaaten im Jahr 2019 im Durchschnitt zu 41 Prozent recycelt wurden. Allerdings hätten die wenigsten Länder bereits die neue Berechnungsmethode angewandt, durch die die Quote auf 38 Prozent sinke. Eunomia gehe aufgrund von Meldeungenauigkeiten sogar von noch niedrigerer Recyclingquote aus, schreibt das Recyclingmagazin. In jedem Fall sei man von der Zielvorgabe von 55 Prozent für das Jahr 2030 noch weit entfernt, wobei die Quoten in den einzelnen Mitgliedsstaaten sehr unterschiedlich ausfielen. Eunomia habe im Rahmen der Analyse die drei Länder mit den höchsten Quoten – Deutschland, Belgien und Schweden – genauer betrachtet, um zu ermitteln, ob die hohen Zielvorgaben der EU überhaupt erreichbar seien. In Deutschland liege man nach neuer Berechnungsweise für das Jahr 2019 bei 43,3 Prozent. Insgesamt sei allerdings festzustellen, dass selbst in diesen Ländern mit einer effizienten Getrenntsammlung die Vorgaben kaum erreichbar seien. Laut der Studie könnten schätzungsweise 20 bis 30 Prozent der in Verkehr gebrachten Verpackungen nicht recycelt werden. Der Anteil der recyclingfähigen Verpackungen könnte aufgrund von Aktivitäten der gesamten Lieferkette zur Verbesserung der Recyclingfähigkeit bis 2030 auf 90 Prozent ansteigen, aber auch nur, wenn bis dahin das chemische Recycling in ausreichendem Maße umgesetzt werden könne, berichtet das Recyclingmagazin aus der Studie. Doch selbst bei einer Recyclingfähigkeit von 90 Prozent und einer gestiegenen Sammelquote von 75 Prozent, die aus Sicht von Eunomia bis 2030 in Europa maximal erreicht werden könne, sei nur eine Verwertungsquote von 50 Prozent zu erwarten. Insofern zeige die Analyse, dass die hohen Quoten einzig durch zusätzlich mehr erfasste Menge zu erreichen seien, etwa durch Aussortieren von Kunststoffen und anderen Materialien aus Stoffströmen, die für eine thermische Verwertung oder Deponien bestimmt seien, zitiert das Recyclingmagazin aus der Studie.
Quelle:
- Recyclingmagazin 3/2023
17.03.2023 - 23.03.2023
Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger, die laut eines Berichts bei Euwid das wirtschaftliche Potenzial des Kunststoffrecyclings untersucht habe, komme zu dem Ergebnis, Kunststoffrezyklate könnten das „neue Gold“ mit starkem Mengenwachstum und sehr attraktiven Margen werden. Noch sei die wirtschaftliche Situation der Kunststoffrecycler alles andere als rosig, berichtet das Recyclingmagazin aus der Marktanalyse des BIR, auch wenn sich für das Jahr 2023 vorsichtiger Optimismus breit mache.
Die sehr guten Aussichten für das Kunststoffrecycling, die die Unternehmensberatung Roland Berger laut ihrer Studie festgestellt habe, sähen die Analysten in gesetzlichen Vorgaben zum Recycling in der EU begründet sowie in neuen Recyclingtechnologien wie zum Beispiel dem chemischen Recycling. Dadurch würden Volumen und Qualität der Kunststoffrezyklate erheblich zunehmen. Das eröffne der Branche zahlreiche Möglichkeiten, sowohl im Hinblick auf Wachstum sowie zur Steigerung der Profitabilität, zitiert Euwid aus der Analyse. Auch hätten neue digitale Sortiertechnologien laut der Studie das Potenzial zum „Game Changer“ und könnten die Recyclingquoten um zehn bis 20 Prozent erhöhen. Techniken wie Objekterkennung oder digitale Wasserzeichen ermöglichten eine Sortierung nach Farbe oder Polymer sowie geschlossene Kreisläufe. Solche Systeme, die im Ergebnis geringere Verluste, bessere Qualitäten und damit höhere Rezyklatpreise ermöglichten, erforderten aber entsprechende Änderungen entlang der Wertschöpfungskette auf Ebene der Markeninhaber und der Sortierer wie die Integration digitaler Wasserzeichen in Kunststoffverpackungen, die mit erheblichen Investitionen verbunden seien, heiße es in der Studie. Mechanische und chemische Recyclingverfahren würden von einer verbesserten Sortierung profitieren und könnten sich ergänzen. Chemische Technologien, die noch im Entstehen seien, halte die Studie für vielversprechend, denn diese ermöglichten die Verarbeitung von Kunststoffen, die nicht für das mechanische Recycling geeignet seien. Es sei davon auszugehen, dass 2030 rund drei Millionen Tonnen Kunststoffabfall pro Jahr chemisch recycelt würden. Doch müssten nach Schätzung von Roland Berger die Recyclingkapazitäten insgesamt deutlich steigen, um die erwartungsgemäß zunehmende Rohstoffmenge künftig verarbeiten zu können. Unter Berücksichtigung der Prozessverluste müsste es laut der Studie mindestens 150 Prozent mehr Recyclingkapazitäten geben. Das Wachstum des Rohstoffvolumens, das laut Studie bis 2030 auf 33,5 Millionen Tonnen steigen werde, und die Zunahme der Qualität werde dann die Rezyklatpreise in die Höhe treiben.
Laut Marktbericht der Kunststoffsparte des Bureau of International Recycling (BIR) sei die weltweite Nachfrage nach Sekundärrohstoffen im vergangenen Jahr stark eingebrochen, was sich negativ auf die Preisentwicklung ausgewirkt habe, berichtet das Recyclingmagazin. Auch seien die Preise für Primärrohstoffe nach wie vor so niedrig, dass sich Hersteller aus wirtschaftlichen Gründen oft gegen Rezyklate entscheiden würden. Besonders betroffen seien rPP, rHDPE und rLDPE. Da die Preise so niedrig seien, könnten selbst Recycler in den Industrieländern ihren Betrieb aus finanzieller Sicht nicht aufrechterhalten, auch seien Überkapazitäten nicht mehr nur in Asien ein Problem, sondern auch in den Industrieländern, wird Vorstandsmitglied des BIR-Kunststoffausschusses Dr. Steve Wong im Recyclingmagazin zitiert. Im Januar sei nun laut Marktbericht eine leichte Verbesserung der Nachfrage feststellbar, doch sei die weitere Marktentwicklung derzeit noch schwer abschätzbar. Eine mögliche Rezession, der Krieg in der Ukraine und die Spannungen zwischen den USA und China würden für Unsicherheit sorgen. Impulse für besser recycelbare Kunststoffe und einen kurzfristigen Ausbau der Recyclingkapazitäten seien laut Marktbericht für die europäischen Marktteilnehmer durch das geplante EU-Exportverbot für Kunststoffabfälle zu erwarten. Ein weltweites Mandat für einen Mindestanteil an Rezyklaten halte das BIR für wichtiger denn je, um die Recyclingindustrie zu unterstützen.
Quellen:
- Euwid Recycling und Entsorgung 12/2023 (21.3.2023)
- Recyclingmagazin 3/2023 (22.3.2023)
Wie der Umgang mit Kunststoffen und Kunststoffabfällen grundlegend geändert werden kann, um eine Kreislaufwirtschaft zu erreichen, will das European Topic Centre on Circular Economy and Resource Use (ETC CE) in einem Paper aufzeigen, über das das Recyclingmagazin berichtet. Noch fehle aus Sicht des ETC CE eine umfassende systemische Antwort auf die Notwendigkeit eines verantwortungsvollen und verbesserten Umgangs mit Kunststoffen.
Laut des Papers bedürfe es einer Kombination von Lösungsansätzen, die an den jeweiligen Kontext angepasst werden müsse, schreibt das Recyclingmagazin. Für Europa sehe der Bericht drei Hauptwege, die zur Kreislauffähigkeit von Kunststoffen beitragen könnten: eine intelligentere Nutzung von Kunststoffen, die Verbesserung der Recyclingfähigkeit und die Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Die intelligentere Nutzung solle sich auf die Verringerung des unnötigen Einsatzes von Kunststoffen konzentrieren, etwa durch dementsprechend effizientes Design, die Verlängerung der Lebensdauer oder die Art des verwendeten Materials. Sie biete das größte Potenzial zur Verringerung der Umwelt- und Klimaauswirkungen von Kunststoffen, sei aber auch am schwierigsten umzusetzen. Auch bedürfe es zur Unterstützung einer intelligenten Nutzung noch eines erheblichen Umdenkens sowohl bei Herstellern als auch bei Verbrauchern sowie eines langfristigen politischen Rahmens. Bei der Verbesserung der Recyclingfähigkeit gehe es um Lösungen, die den Wert und Nutzen von Kunststoffen in geschlossenen Kreisläufen erhalten sollen. Nachwachsende Rohstoffe könnten laut Bericht eine Option sein, um die Abhängigkeit der Gesellschaft von fossilen Rohstoffen für Kunststoffe zu verringern. Jeder der drei Wege ziele auf unterschiedliche Stufen der Kunststoff-Wertschöpfungskette und auf unterschiedliche Umwelt- und Klimaauswirkungen ab. Die Pfade seien keine Alternativen, sie ergänzten sich. Der Bericht beschreibe Entwicklungen und Herausforderungen für die drei Pfade.
Quelle:
- Recyclingmagazin 3/2023 (22.3.2023)
Laut eines Berichts der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) muss sich noch zeigen, ob chemisches Recycling, wie es zum Beispiel der österreichische Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV in einer Pilotanlage in Schwechat einsetze, eine sinnvolle Lösung für wachsende Kunststoffmüllberge sein könne. Erst mit der Errichtung größerer Anlagen werde sich zeigen, ob sich Kunststoffabfälle als Erdölersatz eigneten oder ob das chemische Recycling an steigenden Energiepreisen und technischen Hürden scheitern werde.
Immer mehr Chemieunternehmen wie unter anderem auch die BASF in Deutschland setzten auf chemisches Recycling von Kunststoffabfällen, ist in dem Bericht der NZZ zu lesen. Normalerweise kämen dazu mechanische Verfahren zum Einsatz, doch die hätten Grenzen. In der Schweiz, wo die Recyclingquote für Kunststoffe unter zehn Prozent liege, werde derzeit kein chemisches Recycling betrieben. Ein Walliser Start-up habe zwar den Bau einer Anlage geplant, die 2024 fertiggestellt sein und jährlich 10.000 Tonnen PET aus Plastikmüll chemisch rezyklieren sollte. Das Vorhaben sei dann allerdings auf eine deutlich kleinere Anlage heruntergeschraubt worden. Angetrieben werde das chemische Recycling auch von Müllentsorgern, wird Kerstin Kuchta, Professorin für Abfallressourcenwirtschaft an der Technischen Universität Hamburg in der NZZ zitiert. Ihr Ziel sei, die fossilen Kunststoffe vor der Verbrennung zu entfernen, um die Kohlendioxid-Emissionen zu senken. Doch nach Ansicht von Kuchta sei das chemische Recycling derzeit keine Lösung, da es noch viele technische Probleme gebe wie den hohen Energieaufwand, mangelnde Effizienz oder auch Nebenprodukte von Verfahren wie der Pyrolyse wie etwa Gase, Koks und anorganische Rückstände, die verwertet oder entsorgt werden müssten. Vertreter der Chemieindustrie betonten daher, dass chemisches Recycling nur auf Kunststoffabfälle abziele, die sonst in der Müllverbrennung landen würden.
Quelle:
- Neue Zürcher Zeitung (17.3.2023)
10.03.2023 - 17.03.2023
Das Wissenschaftszentrum der EU-Kommission hat in einer Studie Ökologie und Wirtschaftlichkeit verschiedener Kunststoffrecyclingverfahren sowie der energetischen Verwertung von Kunststoffabfällen miteinander verglichen, berichtet der Fachdienst Euwid. Ein chemisches Kunststoffrecyclingverfahren des britischen Anbieters Mura Technology, das auch in der Studie der EU-Kommission untersucht worden sei, habe laut eines weiteren Berichts bei Euwid auch die Universität Warwick einer ökobilanziellen Untersuchung unterzogen und schneide im Vergleich zur Abfallverbrennung mit 80 Prozent geringeren Klimaauswirkungen ab.
Die Studie des Joint Research Center (JRC) der EU-Kommission komme bei dem Vergleich der Vorteile und Grenzen mechanischer, chemischer und lösemittelbasierter Recyclingverfahren sowie der Abfallverbrennung unter anderem zu dem Ergebnis, dass Recyclingverfahren der Abfallverbrennung mit Blick auf die Klimaauswirkungen vorzuziehen seien. Bei anderen Umweltwirkungskategorien sei die Rangfolge nicht so eindeutig. Laut Studie sollten drei Hauptkriterien bei der Wahl der Verfahren berücksichtigt werden: erstens die Steigerung der Materialrückgewinnung bei gleichzeitiger Reduzierung der Auswirkungen auf die Verarbeitung vor allem hinsichtlich des Energieverbrauchs, zweitens die Besonderheiten des Kunststoffabfallstroms und die erforderliche Behandlung und drittens die Wirtschaftlichkeit. Bei den Umweltauswirkungen habe die Studie vor allem die spezifischen Auswirkungen auf Klimawandel, Feinstaub, Versauerung und Ressourcenverbrauch betrachtet. Laut der Analyse seien die mechanische, physikalische und chemische Verwertung von Kunststoffabfällen mit Blick auf die Auswirkungen des Klimawandels meist der energetischen Verwertung vorzuziehen. Denn die Umweltentlastung aus der Energierückgewinnung aus Abfall reiche nicht aus, um die Umweltbelastungen zu kompensieren, die mit der Verbrennung des Kunststoffabfalls und den daraus entstehenden CO2-Emissionen verbunden seien. Die Analyse der Wirtschaftlichkeit von Recyclingverfahren wie Löseverfahren, Glykolyse, Methanolyse, Pyrolyse und Vergasung mit Blick auf die Hauptparameter Rohstoffpreise, Kapital- und Betriebsausgaben sowie Erzeugerpreise habe ergeben, dass Methanolyse, Pyrolyse und Vergasung unter den aktuellen Bedingungen noch nicht wirtschaftlich seien. Die Methanolyse könne im Jahr 2025, die Pyrolyse im Jahr 2033 und die Vergasung nicht vor dem Jahr 2040 wirtschaftlich werden, schätzten die Autorinnen und Autoren der Studie.
Die Ergebnisse der Ökobilanz der Universität Warwick, die das chemische Recyclingverfahren von Mura Technology untersucht habe, basierten auf den Daten der ersten großtechnischen HydroPRS-Anlage des Unternehmens im nordenglischen Wilton. Das Verfahren von Mura umfasse mehrere Prozessschritte. Anders als bei anderen chemischen Recyclingverfahren werde darin überkritisches Wasser zur Umwandlung von mehrschichtigen und starren Kunststoffabfällen aus Siedlungs- und Gewerbeabfällen eingesetzt, um daraus petrochemische Rohstoffe zu erzeugen. Mit dem Verfahren würden laut Mura Produkte erzeugt, die auf Basis der Lebenszyklusanalyse ein gleichwertiges bis niedrigeres Treibhausgaspotenzial aufwiesen als Naphtha.
Quellen:
- zwei Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 11/2023 (14.3.2023)
Tages- und Wissenschaftsmedien berichten über Forschungsergebnisse der Universitäten Greifswald und Leipzig, wonach es Fortschritte gebe bei der Suche nach kunststoffabbauenden Enzymen. Drei Enzyme, die in der Lage seien, Polyurethan zu „verdauen“ und ein Enzym, das PET in Rekordgeschwindigkeit zersetzen könne, seien gefunden worden. Den Forschenden zufolge sei allerdings nicht von „enzymatischen Recyclingoptionen“ für alle gängigen Kunststoffe auszugehen.
Zu Enzymen, die Kunststoff zersetzen und damit das Recycling vereinfachen könnten, werde momentan viel geforscht, wird Yannick Branson, Doktorand am Institut für Biochemie der Universität Greifswald, unter anderem in der Wissenschaftszeitschrift Geo zitiert. Er gehöre zu einem Team um den Leiter der Arbeitsgruppe Biotechnologie und Enzymkatalyse, Uwe Bornscheuer, das drei Enzyme gefunden habe, die Polyurethan in seine Bestandteile zerlegen können, ist auch in einem Bericht der Welt zu lesen. Zwar gebe es bereits chemische Verfahren, um den Kunststoff Polyurethan zu zersetzen, zitiert die Welt Bornscheuer. Diese benötigten aber hohe Temperaturen, hohen Druck und daher viel Energie. Die nun entdeckten Enzyme schafften den Abbau unter Normaldruck und bei Temperaturen bis etwa 40 Grad. Nach Bornscheuers Einschätzung werde es jedoch noch einige Jahre dauern, bis die Ergebnisse industriell genutzt werden können. Auch hätte sein Team etwa zwei Millionen Kandidaten durchgetestet, bevor es fündig wurde. Es sei die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. So sei etwa das Enzym PHL7, das PET im Labor besonders schnell zersetzen könne, von einem Team der Universität Leipzig in Proben von Laubkompost auf einem Friedhof entdeckt worden. Teamleiter Christian Sonnendecker vom Institut für Analytische Chemie habe angekündigt, man wolle die eigenen Forschungsergebnisse bald im Rahmen eines Start-ups nutzen.
Quellen:
- faz.net, sueddeutsche.de (12.3.2023)
- geo.de, merkur.de, handelsblatt.de, forschung-und-lehre.de (13.3.2023)
- welt.de (14.3.2023)
Die Süddeutsche Zeitung (SZ) betrachtet in einem Bericht politische Maßnahmen, die von der Bundesregierung und auf europäischer Ebene eingeführt wurden oder in Planung sind, um die Müllberge abzubauen.
Um die Klimaziele zu erreichen und künftig mehr Rohstoffe zu sichern, müssten sich die Gesetzgeber in der Europäische Union und die Bundesregierung dringend mit Abfall- und Kreislaufwirtschaft beschäftigen, schreibt die SZ. Es gebe aktuell kleinere und größere Vorhaben für neue Gesetze und Verordnungen, doch in der Politik wohl auch wenig Komplizierteres, als Abfallströme zu regulieren. Eine der Maßnahmen betreffe zum Beispiel das Einwegkunststofffondsgesetz, mit dem sich ab 2024 die Hersteller bestimmter Einwegprodukte in Deutschland an den Kosten der Entsorgung mit jährlich geschätzten 430 Millionen Euro beteiligen sollen. Ob das den Müll in Parks und an Straßenrändern reduzieren werde, sei aber fraglich. Die Verpflichtung für Restaurants, Caterer und Lieferdienste, seit Januar 2023 Mehrwegverpackungen anzubieten, wirke laut SZ gar wie ein verzweifelter Versuch, den Abfall zu reduzieren. Den Verpackungsmüll in Europa wolle auch die EU-Kommission reduzieren und habe in einem Vorschlag für eine Verordnung erstmals Ziele für Müllvermeidung und Wiederverwendung bei Verpackungen formuliert. Bis 2030 solle demnach alles recyclebar sein. Das sei ein großes Vorhaben, denn in den Jahren 2009 bis 2020 sei die Abfallmenge in der EU um 20 Prozent gestiegen und werde laut EU-Prognosen bis 2030 noch einmal um fast ein Fünftel steigen. In insgesamt 65 Paragrafen regle die Verordnung die Gestaltung von Verpackungen neu und sei ein kompliziertes Werk, von dem praktisch alle wirtschaftlichen Sektoren betroffen seien, wird Mattia Pellegrini, Generaldirektor für Umweltpolitik in der EU-Kommission, in der SZ zitiert. Die Reaktionen darauf gingen daher weit auseinander, so dass mit schwierigen Verhandlungen gerechnet werde.
Quelle:
- Süddeutsche Zeitung (14.3.2023)
03.03.2023 - 09.03.2023
Laut einer Studie der ETH Zürich, über die unter anderem der Informationsdienst Wissenschaft berichtet, brauche es für eine komplett nachhaltige Kunststoffwirtschaft eine Kombination aus deutlich mehr Recycling, der Nutzung von CO2 aus der Luft und von Biomasse sowie eine Wertsteigerung von Kunststoff. Welche finanziellen Mittel die Europäische Union aufbringen müsse, um das Ziel zu erreichen, bis 2025 jährlich zehn Millionen Tonnen Kunststoffrezyklate in Endprodukten auf den EU-Markt zu bringen, hat laut eines Berichts von Euwid eine Studie der europäischen Investitionsbank (EIB) untersucht. Demnach seien Investitionen zwischen 6,7 bis 8,6 Milliarden Euro für den Aufbau von Sortier- und Recyclingkapazitäten nötig.
Die Nachhaltigkeitsstudie der EHT Zürich unter der Leitung von André Bardow, Professor für Energie- und Prozesssystemtechnik an der ETH, habe ergeben, dass es zwar sehr ambitioniert, aber doch möglich sei, bis zum Jahr 2030 eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren, in der möglichst viel Kunststoff wiederverwertet und dann nicht mehr Erdöl sondern Rezyklat Hauptausgangsstoff für Kunststoffprodukte wären, berichtet der IDW. Um die absolute Nachhaltigkeit von Kunststoffen zu erreichen, sei allerdings ein grundlegender Wandel der Methoden sowohl bei der Herstellung als auch bei der Verwendung von Kunststoffen erforderlich. Für ihre Analyse hätten die Wissenschaftler die vollständigen Wertschöpfungsketten der 14 häufigsten Kunststoffarten – darunter Polyethylen, Polypropylen und Polyvinylchlorid – untersucht. Ihr Ergebnis: Um Kunststoffkreisläufe innerhalb der planetaren Grenzen zu ermöglichen, müssten weltweit mindestens 74 Prozent des Kunststoffs wiederverwertet werden. Nötig sei dazu auch, die Recyclingprozesse zu verbessern. Das Recycling zu forcieren, sei jedoch laut Studie auf jeden Fall der richtige Weg. Für die restlichen 26 Prozent der Kunststoffe könne der für die Herstellung benötigte Kohlenstoff laut Studie aus der CO2-Abscheidung von Verbrennungsprozessen oder auch aus der Atmosphäre (Carbon Capture and Utilisation) sowie aus Biomasse gewonnen werden. Allein mit Recycling gehe es nicht, man brauche alle drei Pfeiler, wird Bardow im Bericht des IDW zitiert.
Die Studie der EIB mit dem Titel „Reduzierung der Kunststoffverschmutzung – Finanzielle Maßnahmen für eine stärker zirkuläre Wertschöpfungskette“ habe Ineffizienzen der Kunststoff-Wertschöpfungskette und Lösungen dafür untersucht, berichtet Euwid. Um die EU-Ziele zu erreichen, seien laut Studie erhebliche Investitionen und ein zuverlässiger Absatzmarkt für Rezyklate notwendig. Die größten Lücken beim Sortieren und Recycling habe die Studie in EU-Regionen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa identifiziert. Beim Kunststoffrecycling sehe die Studie drei Hauptprobleme: eine zu große Vielfalt an Kunststoffen, die in der Folge zum zweiten Problem führe. Es ergäben sich zweitens zu große Mengen unterschiedlichster Kunststoffabfälle, die schwer zu recyceln seien. Das dritte Problem betreffe den Zugang zu Finanzmitteln. So benötigten etwa innovative Unternehmen Risikokapital, um ihre Technologien für den Kunststoffkreislauf zur Marktreife zu bringen. Lösungen sehe die Studie in politischen Maßnahmen in Kombination mit gezielten Finanzinstrumenten. Zu den Empfehlungen für politische Maßnahmen gehörten gesetzliche Regelungen zur Bekämpfung schwer zu recycelnder Kunststoffverpackungen, Beschränkungen für Verbundverpackungen, wie z. B. Verpackungen aus Papier und Kunststoff, und die Einführung von Recyclingquoten bei gleichzeitiger Förderung öffentlicher Sensibilisierungskampagnen.
Quellen:
- idw-online.de (6.3.2023)
- Euwid Recycling und Entsorgung 10/2023 (7.3.2023)
- kunststoff-zeitschrift.at (8.3.2023)
Der Bundestagsbeschluss stoße erwartungsgemäß auf ein geteiltes Echo, berichten Tages- und Fachmedien. Während Städtetag und Entsorger die Entscheidung begrüßten, hagele es Kritik von Seiten der Wirtschaft. Mit dem verabschiedeten Gesetz, dem der Bundesrat noch zustimmen muss, sollen die Hersteller bestimmter Getränkebecher, von Essensverpackungen oder Zigaretten künftig in einen staatlichen Fonds einzahlen und sich so an den Kosten für die Beseitigung weggeworfener Einwegartikel beteiligen.
Städte und Gemeinden freuten sich laut den Presseberichten auf eine finanzielle Entlastung bei der Reinigung von Straßen und Parks, Verbandsvertreter betroffener Hersteller beklagten dagegen eine Doppelbelastung für Bürgerinnen und Bürger. Das Gesetz selbst, wird etwa Dr. Martin Engelmann, Hauptgeschäftsführer der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, unter anderem in einem Bericht der Tagesschau zitiert, sei ein „absehbares Desaster“. Die Wirtschaft habe sich im Vorfeld für ein privatrechtliches Modell ausgesprochen, welches deutlich effizienter sei. Bei dem Bundesumweltministerium, das sich vor allem mit dem Aufbau eines Registers für die Anbieter der To-Go-Produkte viel vorgenommen habe, sehe Engelmann das Projekt nicht in guten Händen. Er kritisiere vor allem, dass die betroffenen Produkte nur 5,6 Prozent der gesamten Abfälle im öffentlichen Raum ausmachten, deren Hersteller aber mit 17 Prozent der gesamten Sammlungs- und Reinigungskosten der Kommunen in Höhe von mehr als 400 Millionen Euro zur Kasse gebeten würden. Auch nach Ansicht des Deutschen Verpackungsinstituts (dvi) sei das Gesetz dysfunktional und führe zu einer Doppelabgabe, weil die Inverkehrbringer der betroffenen Verpackungen ohnehin Lizenzentgelte für die Sammlung und Entsorgung ihrer Verpackung bezahlten, schreibt etwa das Fachmagazin Kunststoffe. Auch das Littering-Problem lasse sich nach Ansicht des dvi über die neue Abgabe nicht lösen. Das kritisiere ebenso der Markenverband, wie auch, dass Kommunen bereits im Vorfeld erklärt hätten, die Abfallgebühren nicht zu senken.
Quellen:
- tagesschau.de, zdf.de, euwid-recycling.de (3.3.2023)
- kunststoffe.de, fr.de (7.3.2023)
Forschende haben laut Presseberichten auf einer dreitägigen Konferenz in Paris die Verschmutzung von Süßwasser durch Mikroplastik diskutiert und einige Forderungen zur Bekämpfung des Problems formuliert. Dazu gehöre die Verwendung nachhaltiger und umweltgerechter Kunststoffe sowie eine Verpflichtung der Hersteller, die Inhaltsstoffe offen zu legen, die Kunststoffprodukten während des Produktionsprozesses hinzugefügt werden.
Denn mitunter sei gar nicht klar, was in den Kunststoffprodukten enthalten sei, wird Umweltforscher und Koordinator der von der Unesco mitorganisierten Konferenz, Christian Laforsch von der Universität Bayreuth, etwa in einem Bericht des ZDF zitiert. Schon bei der Konzipierung von Produkten aus Kunststoff müsse laut den Expertinnen und Experten berücksichtigt werden, was aus ihnen am Ende des Benutzungszyklus werde. Dabei gehe es nicht nur um Entsorgung und Recycling. Um einen besseren Schutz von Gewässern vor der Verschmutzung durch Mikroplastik zu erreichen, seien technische Innovationen sowie die Umstellung industrieller Prozesse erforderlich. Bei den Bemühungen zum Schutz des Wassers müssten zudem aus Sicht der an der Konferenz Beteiligten nicht nur die Gewässer, sondern auch das Ökosystem an Land berücksichtigt werden. Regularien in Bezug auf Kunststoff und den Schutz von Gewässern wie die Wasserrahmenrichtlinie der EU sollten nach Ansicht der Expertinnen und Experten entsprechend angepasst werden. Die Empfehlungen aus der Konferenz an die Politik würden laut den Presseberichten in die UN-Wasserkonferenz einfließen, die Ende März in New York stattfinde.
Quellen:
- zdf.de, br.de, fr.de, rnd.de (8.3.2023)
24.02.2023 - 02.03.2023
Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) könnten laut einer Studie der Forschungsgruppe Back to Blue, über die Tages- und Wochenmedien berichten, im Jahr 2050 doppelt soviel Kunststoff verbrauchen wie heute, sollten keine rechtlich bindenden Gegenmaßnahmen getroffen werden. Die Forscherinnen und Forscher der Denkfabrik Economist Impact sowie der Nippon Foundation hielten daher ein umfassendes und rechtlich bindendes weltweites Abkommen zur Eindämmung des Kunststoffverbrauchs, wie es derzeit von den Vereinten Nationen verhandelt werde, für nötig, um die Entwicklung aufzuhalten.
Sollten die Verhandlungen der Vereinten Nationen, an denen bis zu 175 Länder beteiligt seien, scheitern, könne die jährliche Kunststoffproduktion in den G-20-Ländern laut Studie bei den derzeitigen Wachstumsraten bis 2050 auf 451 Millionen Tonnen ansteigen, berichtet zum Beispiel die FAZ. Das entspräche einem Anstieg um fast drei Viertel im Vergleich zu 2019. Ein Scheitern der UN-Vertragsverhandlungen oder ein zu schwaches Abkommen halte die Forschungsgruppe für sehr wahrscheinlich. Insbesondere Einwegplastik, zitiert der Deutschlandfunk aus der Studie, führe zu einer Verschmutzung der Weltmeere – mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit von Tieren und Menschen. Back to Blue fordere deshalb ein stärkeres Verbot von Einwegplastik und höhere Produktionssteuern. In der EU seien bereits viele Einwegplastikprodukte wie Trinkhalme und Einweg-Geschirr seit Juli 2021 verboten. Zu den G20-Ländern, die noch kein nationales Verbot von Einwegplastikprodukten eingeführt haben, gehörten der Studie zufolge Brasilien, die Vereinigten Staaten, Indonesien und die Türkei. Außerdem sollten nach Ansicht der Autorinnen und Autoren Unternehmen für die gesamte Lebensdauer ihrer Produkte, einschließlich Recycling und Entsorgung, verantwortlich gemacht werden. Diese Maßnahmen könnten laut Studie den jährlichen Verbrauch bis 2050 auf 325 Millionen Tonnen begrenzen. Das wäre dann noch ein Anstieg um ein Viertel gegenüber 2019.
Quellen:
- tagesschau.de, faz.net, sueddeutsche.de, orf.at (27.2.2023)
- deutschlandfunk.de (28.2.2023)
Trotz Umsatzsteigerung im vergangenen Jahr um mehr als 12 Prozent auf 78,9 Milliarden Euro erwarte der GKV-Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie ein schwieriges Jahr 2023, berichtet die Fachpresse. Denn das Wachstum in 2022 sei, wie GKV-Präsidentin Dr. Helen Fürst bei der Jahrespressekonferenz des Verbands in Frankfurt betont habe, zu einem „erheblichen Teil“ auf Kostensteigerungen zurückzuführen, vor allem bei der Energie.
Vier von zehn Unternehmen hätten laut Erhebung des GKV aus den wachsenden Umsätzen kein wachsendes Ergebnis generieren können. Eine aktuelle Befragung des GKV habe ergeben, dass im Jahr 2022 die durchschnittliche Steigerung der Stromkosten bei den Mitgliedsunternehmen 90 Prozent betragen habe, ist in einem Bericht der K-Zeitung zu lesen. Wenn sich die Kostensituation 2023 nicht verbessere, seien Konsequenzen wie Arbeitsplatzabbau, Kurzarbeit oder eine Verlagerung der Produktion ins Ausland laut Fürst unausweichlich. Der GKV fordere von der Bundesregierung schnelle Entlastungen bei den Energiekosten, da die derzeitigen Energiepreisbremsen für viele Unternehmen nicht hilfreich seien. Trotz Umsatzsteigerung sei die Menge der verarbeiteten Kunststoffe in 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozent auf 13,6 Millionen Tonnen zurückgegangen. Gründe dafür seien die schlechte Konjunktur in der Chemie- und Fahrzeugindustrie sowie die schwächelnde Nachfrage von Seiten vieler Markenartikler und die Flaute auf dem Bausektor, wird Fürst in den Presseberichten zitiert. Ein anderes Bild ergebe sich bei Rezyklaten, deren Verarbeitung in 2022 weiter zugenommen habe, berichtet Kunststoffe. Mit 2,4 Millionen Tonnen seien etwa ein Sechstel der Verarbeitungsmenge Rezyklate gewesen, was einem Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspreche. Für 2023 plane die Mehrheit (47 Prozent) der GKV-Mitgliedsunternehmen eine Steigerung des Rezyklateinsatzes. Die Zahlen stimmten den Verband zuversichtlich, dass der Industriezweig auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit gut vorankomme, wird GKV-Präsidentin Fürst bei Kunststoffe zitiert. Die Gründe für den gestiegenen Rezyklateinsatz lägen wohl nicht nur am Umweltinteresse der Betriebe, sondern auch an hohen Neuwarepreisen, die den Rezyklateinsatz finanziell attraktiv gemacht hätten.
Quellen:
- Kunststoff Information (23.2.2023)
- K-Zeitung, Kunststoff Magazin (24.2.2023)
- Kunststoffe, K-Zeitung (27.2.2023)
Der Chemiekonzern, der unter den hohen Erdgaspreisen in Europa leide und im Jahr 2022 einen Verlust von 627 Millionen Euro gemacht habe, will laut Berichten von Tages- und Fachmedien Tausende Stellen streichen und in Ludwigshafen eine der beiden Anlagen für Ammoniak sowie seine TDI-Anlage schließen. Das habe BASF-Chef Dr. Martin Brudermüller bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens mitgeteilt. Mit den geplanten Maßnahmen wolle BASF ab 2024 jährlich 500 Millionen Euro „außerhalb der Produktion“ einsparen, die Hälfte davon im Stammwerk Ludwigshafen.
Schwerpunkte der Kosteneinsparungen seien Service-, Unternehmens- und Forschungsbereiche sowie die Konzernzentrale, berichtet etwa die Berliner Zeitung. 2022 habe BASF weltweit 3,2 Milliarden Euro höhere Energiekosten gehabt, ist in der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Davon entfielen 2,7 Milliarden Euro auf Europa und dort vor allem auf den Verbundstandort in Ludwigshafen. Für die Herstellung von Ammoniak, einem Ausgangsstoff für viele Produkte wie für Dünger und zahlreiche Kunststoffe, würden in Ludwigshafen die größten Mengen an Erdgas als Rohstoff verbraucht, wird Brudermüller in der SZ zitiert. Er erwarte, dass die Erdgaspreise in Europa dauerhaft deutlich höher bleiben werden als in früheren Jahren. Mit den geplanten Sparmaßnahmen solle das Stammwerk in Ludwigshafen langfristig besser für den immer schärfer werdenden Wettbewerb gerüstet werden. Die dortigen Anlagenschließungen würden ab Ende 2026 voraussichtlich zu jährlich über 200 Millionen Euro niedrigeren Fixkosten führen, berichtet Kunststoff Information. Zusätzlich zur Schließung der Ammoniak-Anlage und der TDI-Anlage, die Isocyanate und Polyole insbesondere für die Herstellung von PUR-Weichschäumen produziert, sei geplant, weitere Anlagen für bestimmte Vorprodukte in Ludwigshafen zu schließen sowie die Produktion von Adipinsäure, einem Vorprodukt zur Herstellung von Polyurethan und Polyamid, zu reduzieren.
Quellen:
- Berliner Zeitung, süddeutsche.de, swr.de (24.2.2023)
- Kunststoff Information (27.2.2023)
10.02.2023 - 23.02.2023
Wie die chemische Industrie klimafreundlich werden kann, hat laut eines Hintergrundberichts von Tagesspiegel Background ein Team um den Wissenschaftler Fanran Meng von der britischen Universität Cambridge erforscht: Um ihre Emissionen zu senken, müsse die Branche mithilfe der Politik eine ganze Reihe von Maßnahmen ergreifen. Industriepolitische Weichen für den Wandel der gesamten Industrie in Europa werden derzeit in Brüssel gestellt: Über die kürzlich vorgestellten Pläne der EU-Kommission im Rahmen des europäischen Green Deal und der EU-Industriestrategie berichtet das Recyclingmagazin.
Die Chemieindustrie liefere die Grundlage für das moderne Leben, schreibt der Tagesspiegel in einem Bericht über die Ergebnisse einer britischen Studie. Gleichzeitig verschlinge sie fossile Rohstoffe wie Erdöl, Erdgas und Kohle und habe im Jahr 2020 weltweit Treibhausgase in der Größenordnung von 2,3 Gigatonnen CO2 verursacht. Die Studie, die in der Fachzeitschrift „PNAS“ erschienen sei, untersuche sieben Szenarien mit jeweils unterschiedlichem Fokus und berücksichtige acht Grundchemikalien, 50 verschiedene Erzeugungstechnologien und zehn Weltregionen. Die sieben Szenarien unterschieden sich vor allem hinsichtlich der Rolle von Recycling und Kreislauffähigkeit von Materialien, ab wann keine neuen fossilen Kraftwerke mehr gebaut würden und wie sehr die Chemieindustrie auf CO2-Abscheidung und -Speicherung setzen werde. Im Ergebnis werde die chemische Industrie in zwei besonders optimistischen Szenarien zum Klimaschützer und erreiche dann unterm Strich sogar negative Emissionen. Je ambitionierter die Chemieindustrie vorgehe, desto mehr könne sie dazu beitragen, dass die 1,5-Grad-Grenze nicht überschritten werde. Doch der Umbau wäre laut Studie in jedem Fall teuer. Die notwendigen Investitionen bis zum Jahr 2050 reichten je nach Entwicklung von 1,2 Billionen US-Dollar bis 3,7 Billionen US-Dollar. In so gut wie allen Fällen müsse die Chemieindustrie fossile Rohstoffe ersetzen und ihre Energieversorgung dekarbonisieren, und zwar mit grünem Wasserstoff und nachhaltiger Biomasse. Darüber hinaus müsste sie CO2 aus der Luft und während des Betriebs abscheiden und dann speichern oder nutzen, zudem Kunststoff und entsorgte Chemikalien in großem Stil recyceln sowie Produktionsprozesse weitgehend elektrifizieren.
Um den globalen Temperaturanstieg zu begrenzen und die notwendigen Schritte Richtung Netto-Null-Emissionen zu unternehmen, wolle die EU-Kommission den industriellen Wandel in der EU beschleunigen, schreibt das Recyclingmagazin in einem ausführlichen Bericht über den kürzlich in Brüssel vorgestellten „Industrieplan für den Green Deal“. Ein einfaches, vorhersehbares und klares Regelungsumfeld sei für die Kommission die erste Säule ihre Plans und der Schlüssel zur Förderung von Investitionen. Im Frühjahr plane sie dazu drei Vorschläge zur Wettbewerbsfähigkeit der Industrie vorzulegen: einen „Net-Zero-Industry-Act“, der die industrielle Produktion von Schlüsseltechnologien in der EU unterstützen solle, eine Rechtsvorschrift über kritische Rohstoffe, um die Versorgungssicherheit der EU zu gewährleisten, und zur Absicherung der Energieversorgung beabsichtige die Kommission die Einrichtung einer EU-Energieplattform vorzuschlagen inklusive einer Reform des Strommarktdesigns. Eine zweite Säule des Industrieplans betreffe den besseren und schnelleren Zugang zu Finanzmitteln und eine Dritte Säule die Aus- und Weiterbildung von dringend benötigten Fachkräften sowie die Digitalisierung. Die vierte Säule des Green Deal Industrieplans sei die globale Zusammenarbeit und die Förderung des Handels für eine saubere Transformation, berichtet das Recyclingmagazin. Offener Handel bleibe laut Kommission ein wesentliches Element der Strategie, doch sollen auch handelspolitische Schutzinstrumente gegen unfaire Handelspraktiken weiter ausgebaut werden.
Quellen:
- Tagesspiegel Background (17.2.2023)
- Recyclingmagazin 2/2023 (23.2.2023)
Die Fachzeitschrift Kunststoffe hat Dr. Alexander Kronimus, den Leiter des Geschäftsbereichs Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft beim Verband der Kunststofferzeuger PlasticsEurope Deutschland, zur Position der Industrie zur geplanten nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie der Bundesregierung befragt. Im Interview erklärt Kronimus, warum Experten sich für eine „Kreislaufwirtschaft Plus“ aussprechen und was diese beinhalten sollte.
Eine reine Kreislaufwirtschaft umfasse lediglich eine Kreislaufführung der Kunststoffe, erklärt Kronimus zur Frage nach dem „Plus“ im Titel des Diskussionsvorschlags mit Handlungsempfehlungen zur Kreislaufwirtschaft, der eine Zusammenfassung zahlreicher Expertenmeinungen enthalte. Aus Sicht der an dem Vorschlag Beteiligten brauche es zusätzliche Elemente wie etwa alternative Rohstoffbasen, da für die Herstellung von Rezyklaten nicht genügend Abfälle verfügbar seien. Diese Lücke könne mit alternativen Rohstoffen wie CO2 oder Biomasse ausgeglichen werden, führt Kronimus aus. Notwendig sei auch eine Reduzierung der Kunststoffnutzung sowie eine Wiederverwendung, wenn sie ökologisch sinnvoll sei. Produkte müssten außerdem kreislaufgeeignet gestaltet werden. Zu den Maßnahmen, die aus Sicht der Experten unbedingt in die Kreislaufwirtschaftsstrategie der Bundesregierung aufgenommen werden müssten, gehöre auch, wie Kronimus im Interview erläutert, Technologieoffenheit. Diese sollte chemische Recyclingverfahren für bestimmte Abfallströme in Ergänzung zu mechanischem Recycling umfassen inklusive einer entsprechenden Forschungspolitik und der Vereinfachung von Genehmigungsverfahren. Weiterhin hielten die am Diskussionspapier beteiligten Experten produktbezogene Rezyklat-Einsatzquoten, die zeitlich begrenzt sind, für sinnvoll, um zunächst Anreize für den Rezyklateinsatz zu schaffen. Sobald eine Kreislaufwirtschaft mit ausreichender alternativer Rohstoffbasis erreicht sei, solle jedoch die Ökobilanz das entscheidende Kriterium werden.
Quelle:
- Kunststoffe 2/2023 (14.2.2023)
Das Beratungsunternehmen McKinsey hat laut eines Berichts von Packreport eine Studie veröffentlicht, wonach Kunststoffe die „grünste Lösung“ darstellen. Die K-Zeitung berichtet über das österreichische Projekt „Ökoverpackt“, das ergeben habe, dass Kunststoffverpackungen oft umweltfreundlicher seien als Verpackungen aus alternativen Materialien.
In der Studie von McKinsey sei der gesamte Treibhausgasbeitrag von Kunststoffen im Vergleich zu seinen Alternativen untersucht worden. Sie umfasse den gesamten Produktlebenszyklus sowie die Auswirkungen der Verwendung mit dem Ziel, zum Dialog über die Materialwahl beizutragen und die verfügbare Faktenbasis für die Diskussion über Kunststoffe zu erweitern. Der Bericht zeige laut Packreport, dass Kunststoffe die Treibhausgasemissionen um das Drei- bis Vierfache reduzieren, verglichen mit Materialien wie Papier, Aluminium oder Glas, die als Ersatzstoffe eingesetzt werden. Die Analyse basiere auf Daten aus den USA für das Jahr 2020 und berücksichtige fünf Sektoren mit dem höchsten Kunststoffverbrauch: Verpackung, Bauwesen, Konsumgüter, Automobil und Textilien. Für den Vergleich seien repräsentative Anwendungen ausgewählt worden, für die es Alternativen zu Kunststoffen gebe. Für die untersuchten Kunststoffe habe sich in 13 von 14 Fällen ein geringerer Gesamtbeitrag zu den Treibhausgasemissionen im Vergleich zu Alternativen ergeben. Die ermittelten Treibhausgaseinsparungen lägen zwischen 10 und 90 Prozent.
Im Kooperationsprojekt „Ökoverpackt“ des österreichischen Lebensmittel-Clusters sei ein Tool entwickelt worden, das mittels Lebenszyklusanalysen und Recyclingfähigkeitsbewertungen eine umfassende ökologische Bewertung von Verpackungen ermögliche, berichtet die K-Zeitung. Die Analysen verschiedener Verpackungsalternativen mit dem Tool habe ergeben, dass Kunststoffverpackungen einen geringeren CO2-Fußabdruck haben als vermeintlich umweltfreundlichere Verpackungen. Ziel des Projektes sei gewesen, derzeitige Verpackungen durch ökodesigngerechte Verpackungslösungen zu ersetzen. Mit dem im Projekt entwickelten Ökodesign-Tool sei die durchgehende Dokumentation von geeigneten Verpackungsvarianten und möglichen Schwierigkeiten bei der Umsetzung sowie von Zielkonflikten möglich, wird Michael Krainz vom Forschungspartner Österreichisches Forschungsinstitut für Chemie und Technik (OFI) zitiert. So habe in einem konkreten Vergleich unter anderem ein Bio-Safthersteller herausgefunden, dass ein recyclingfähiger Standbeutel aus Polypropylen (PP) mit PP-Verschluss und hoher Sauerstoffbarriere die geeignetste Lösung für seine Produkte sei. Das Verpackungsgewicht würde um 95 Prozent reduziert – bei ähnlich hoher Recyclingfähigkeit wie beim derzeit verwendeten Glas. Die CO2-Reduktion mache in diesem Fall 69 bis 74 Prozent aus.
Quellen:
- packreport.de (15.2.2023)
- k-zeitung.de (20.2.2023)
03.02.2023 - 09.02.2023
In der vergangenen Woche hatte die EU-Kommission ihren „Green Deal Industrial Plan“ (GDIP) zur Stärkung des Industriestandorts Europa vorgestellt. Er gilt laut Presseberichten als eine Antwort auf den amerikanischen Inflation Reduction Act (IRA) und soll die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Cleantech-Industrie stärken. Darin werden aus Sicht des europäischen Recyclingverbandes Euric die Vorteile des Recyclings noch nicht ausreichend anerkannt, berichtet die Fachpresse.
Der Investitionsplan der EU-Kommission, der auf dem EU-Gipfel am 9. und 10. Februar in Brüssel erörtert werde, solle sicherstellen, dass in der gesamten Union Mittel für klimafreundliche Technologien bereitstehen, schreibt zum Beispiel die Zeit. Laut Kommissionspräsidentin von der Leyen müsse dazu ein dreistelliger Milliardenbetrag investiert werden, ist in einem Bericht des Deutschlandfunks zu lesen. Zudem müsse der Zugang zu Fördermitteln für die klimaneutrale Industrie erweitert und beschleunigt werden. Dafür plane die Kommission, die Regeln für Staatshilfen zu lockern, Klimaschutz-Projekte schneller zu genehmigen und Handelsabkommen zur Sicherung knapper Rohstoffe zu forcieren. Die vage Definition der Kommission zu sauberen Technologien habe viele Beobachter und Industriegruppen aufhorchen lassen, schreibt das paneuropäische Mediennetzwerk Euraktiv in einem Bericht über die Reaktionen auf den GDIP. Unklar bleibe, welche Industriezweige es in die endgültige Auswahl schaffen werden. Der europäischen Recyclingverband Euric habe den GDIP zwar als dringend notwendigen Schritt in die richtige Richtung begrüßt, berichtet das Fachportal Umweltwirtschaft. Was jedoch noch fehle, sei eine stärkere Anerkennung der Vorteile des Recyclings bei der Erreichung von Klimaneutralität und Ressourceneffizienz, wird Euric-Generalsekretär Emmanuel Katrakis in dem Bericht zitiert. Es müssten nun mehr Anstrengungen unternommen werden, um sicherzustellen, dass recycelte Materialien zur Herstellung von Endprodukten verwendet werden und gut funktionierende Sekundärrohstoffmärkte erhalten bleiben.
Wie es um die Märkte für Rohstoffe aus dem Recycling bestellt ist, habe die Europäische Umweltagentur (EEA) für acht verschiedene große Sekundärrohstoffströme in der EU untersucht und Kriterien für die Beurteilung entwickelt, ob diese Märkte gut funktionieren, ist in einem Beitrag von Euwid zu lesen. Diese Kriterien würden laut Bericht der EEA nur von den Märkten für Aluminiumschrotte, Altpapier und Altglas erfüllt, nicht aber von den fünf anderen untersuchten Materialströmen – Altholz, Alttextilien, Bioabfall und Mineralkörnungen aus Bau- und Abbruchabfällen sowie Kunststoffabfall. Als Hauptgründe für „Herausforderungen“ bei diesen Materialströmen nenne der Bericht eine geringe Größe der Märkte und eine schwache Nachfrage. Bei den Abnehmern fehle es an Vertrauen in Versorgungssicherheit und Qualität bei Sekundärrohstoffen. So werde gezögert, in Technologien zu investieren, die Recyclingmaterial in die Rohstoffversorgung integrieren würden. Nachteilig wirke sich auch das Fehlen geeigneter technischer Spezifikationen aus. Zur Abhilfe empfehle der Bericht neben der Weiterentwicklung der Abfallende-Kriterien, harmonisierte technische Standards für Recyclingrohstoffe zu entwickeln und Steuern auf Primärrohstoffe zu erheben bzw. eine Mehrwertsteuersenkung für Sekundärrohstoffe vorzunehmen.
Quellen:
- zeit.de (1.2.2023)
- euraktiv.de (3.2.2023)
- umweltwirtschaft.com (6.2.2023)
- Euwid Recycling und Entsorgung 6/2023 (7.2.2023)
Diese Frage stellt die Wirtschaftswoche in einem Bericht über eine umstrittene Studie der Universität Québec, die zu dem Ergebnis komme, dass Kaffeekapseln hinsichtlich ihrer Umweltbilanz besser seien als ihr Ruf. Auch bei Plastiktüten oder PET-Flaschen, die ebenfalls per se als Umweltsünde betrachtet würden, trüge oft der Schein, wenn man genauer hinschaue.
Das zentrale Argument in der Studie von Autor Luciano Rodrigues Viana und seinen Kollegen betreffe die Energieeffizienz von Kaffeekapselmaschinen, berichtet die Wirtschaftswoche. Die Geräte würden im Vergleich zu Filterkaffeemaschinen effizienter arbeiten, weil eine geringere Menge Kaffee auf eine abgemessene Menge Wasser treffe. Umweltverbände wie Greenpeace kritisierten allerdings an der Studie, dass die Ressourcen für die Herstellung der Kapseln sowie die Entsorgung nicht betrachtet werden. Der Leiter des Referats Klimawandel beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, Thilo Schaefer, lobe dagegen, dass die Studie sich nicht nur darauf konzentriere, wie etwas verpackt sei, sondern auch wie energieintensiv und klimaschädlich das Produkt an sich sei. Genau dort entstehe das meiste Kohlendioxid. Faktoren wie der Transport oder die Häufigkeit der Nutzung würden in der Diskussion über Verpackungen oft vergessen, wird Schaefer in dem Bericht zitiert. Generell schneide Kunststoff in der Gesamtbetrachtung oft besser ab als die vermeintlich klimafreundlicheren Alternativen, so Schaefer. Hinzu komme, dass in Deutschland ein Großteil der Verpackungen verwertet werde und die Recyclingquote im europäischen Vergleich nach Zahlen des Umweltbundesamtes mit fast 72 Prozent im Jahr 2019 am höchsten sei. Eine Lösung für stark verunreinigte oder bisher technisch nicht stofflich verwertbare Verpackungen aus Kunststoff biete das chemische Recycling, schreibt die Wirtschaftswoche. Auch bei Plastiktüten, PET-Einwegflaschen sowie dem neuen Trend zu Mischverpackungen aus Papier und Kunststoffbeschichtung müsse man genau hinschauen und abwägen. So sei etwa der Jutebeutel der Plastiktüte laut Studien erst nach hunderten Malen Nutzung überlegen und Mischverpackungen aus Papier und Kunststoff für Verbraucher überraschenderweise oft die schlechteste Option, so die Wirtschaftswoche.
Quelle:
- wiwo.de (5.2.2023)
Die Verarbeiter von Fluorkunststoffen reagieren laut Berichten der Fachpresse mit großem Unverständnis und Sorge auf ein kürzlich von der Europäischen Chemikalienbehörde (ECHA) vorgelegtes Dossier zur Verwendungsbeschränkung von Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS). Demnach sollen Herstellung, Verwendung und Inverkehrbringen einschließlich der Einfuhr von mindestens 10.000 PFAS zum Schutz von Mensch und Umwelt verboten werden.
Der Verbotsvorschlag sei im Rahmen der EU-Chemikalienverordnung REACH von Behörden aus Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Norwegen und Schweden ausgearbeitet worden, berichtet unter anderem die FAZ. Ziel des Verbots sei es, die Freisetzung von PFAS in die Umwelt und die Anreicherung im menschlichen Körper drastisch zu verringern. Es handle sich um den umfangreichsten Antrag zur Neubewertung von Chemikalien seit Inkrafttreten von REACH vor 15 Jahren, schreibt die FAZ. PFAS seien in zahlreichen Alltagsprodukten anzutreffen – von Papier, Verpackungen, Reinigungsmitteln, Cremes, Kosmetika, Wandfarben bis hin zu Skiwachs, Funktionskleidung und Bratpfannen. Große Bedeutung habe diese rund zehntausend Verbindungen zählende Stoffgruppe auch in der Industrie. Mit scharfer Kritik reagierten die Verarbeiter von Fluorkunststoffen auf den aus ihrer Sicht undifferenzierten Verordnungsvorschlag, berichtet das Recyclingmagazin. Der Verband der Hersteller von Halbzeugen und Konsumprodukten aus Kunststoff, pro-K, fordere auf Basis verschiedener aktueller Studien, die Fluorpolymere, die durch die OECD als Polymers of low concern (PLC) und damit als sicherer Werkstoff klassifiziert worden seien, von der PFAS-Regulierung jetzt und auch zukünftig auszunehmen. Sollten die Vorgaben durch die Neuregulierung den geplanten Umfang erreichen, würden Produkte wie Handy, Auto, 5G, Intensivmedizin, Implantate wie Stents und viele andere mehr in Europa zukünftig nicht mehr herstellbar sein, so der Verband.
Quellen:
- spiegel.de (7.2.2023)
- FAZ, zeit.de, recyclingmagazin.de (8.2.2023)
27.01.2023 - 02.02.2023
Es hagele Kritik am Einwegkunststofffonds, schreibt die FAZ. Das geplante Gesetz, mit dem Hersteller von To-go-Produkten zur Zahlung einer Sonderabgabe für die Reinigung öffentlicher Plätze, Parks und Gelände verpflichtet werden sollen, habe zahlreiche Schwächen. Wirtschaftsverbände und Umweltorganisationen seien – aus unterschiedlichen Gründen – unzufrieden. Auch die Ankündigung des BMUV, vorerst keinen neuen Anlauf für eine Wertstofftonne zu unternehmen, treffe auf Kritik, vor allem aus den von Grünen regierten Ländern.
Mit dem Litteringfonds, der laut Gesetzentwurf des Bundesumweltministeriums (BMUV) beim Umweltbundesamt (UBA) eingerichtet werden solle, kämen geschätzte Kosten von mehr als 450 Millionen Euro auf die Hersteller bestimmter Einwegkunststoffprodukten zu, schreibt die FAZ. Von 2025 an solle das Geld an die Kommunen nach einem Punktesystem für Leistungen wie die Entsorgung gelitterter Abfälle und die Reinigung öffentlicher Räume ausgeschüttet werden. Die Bundesregierung wolle mit dem geplanten Gesetz, das aktuell von den Ausschüssen des Bundestages beraten werde, „eins zu eins“ Verpflichtungen zur Umsetzung der Einwegkunststoffrichtlinie erfüllen. Doch Lemkes Gesetzesvorschlag werde der EU-Richtlinie gerade nicht gerecht, heiße es seitens der Wirtschaft. Der Entwurf widerspreche eindeutig dem Wortlaut der Richtlinie, denn darin heiße es, die Kosten seien „zwischen den betroffenen Akteuren festzulegen“, also zwischen Wirtschaft und Kommunen. Das kritisiere zum Beispiel die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, die auch bezweifle, dass durch die Beteiligung der Wirtschaft an den Reinigungskosten die laut BMUV mit dem Fonds angestrebte Reduzierung des Litterings erreicht werde. Umweltverbände wie der NABU monierten dagegen, dass die Chance, Mehrweglösungen zu fördern und Einwegplastik deutlich teurer zu machen, damit verspielt werde.
Auch der Bericht des BMUV, nach dem in dieser Legislaturperiode kein neuer Anlauf mehr für eine bundesweite Wertstofftonne zur Erfassung und Entsorgung von Verpackungen und stoffgleichen Nichtverpackungen unternommen werden solle, erntet laut Euwid Kritik. Die komme vor allem aus den Reihen der von den Grünen geführten Landesumweltministerien, die das bereits seit Jahren kontrovers diskutierte Thema wieder aufnehmen und voranbringen wollten. Das BMUV habe nun in seinem Bericht darauf hingewiesen, dass die Voraussetzungen für die freiwillige Einführung einer gemeinsamen Wertstofferfassung im Verpackungsgesetz bereits geschaffen worden seien und in rund elf Prozent aller deutschen Gebietskörperschaften diese Möglichkeit bereits genutzt werde. Auch setze das BMUV unter anderem aufgrund zu erwartender Widerstände aus dem Kreis der Beteiligten andere Prioritäten zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft. Die nächsten relevanten Schritte würden auf europäischer Ebene im Rahmen der Revision der Europäischen Verpackungsrichtlinie erfolgen, zitiert Euwid aus dem Bericht des BMUV.
Quellen:
- Euwid Recycling und Entsorgung, 5/2023 (31.1.2023)
- FAZ (1.2.2023)
Die Regierung Kanadas wolle Single-Use-Artikel aus Kunststoff schrittweise aus dem Land verbannen, berichtet die Tagesschau. Laut Berichten von Tages- und Wochenmedien habe der israelische Finanzminister dagegen angekündigt, die Steuer auf Einweggeschirr, die von der vorherigen Regierung des Landes aus Umweltschutzgründen eingeführt worden sei, wieder zu streichen.
Die Steuer auf Einweggeschirr, die in Israel seit gut einem Jahr erhoben werde, habe den Konsum von Plastikgeschirr in dem Land laut Umweltminister Idit Silman um 40 Prozent reduziert, ist unter anderem in einem Bericht des Spiegel zu lesen. Vor Einführung der Steuer hätten Israelis laut einer Studie der Knesset im Durchschnitt 7,5 Kilogramm Wegwerfgeschirr pro Jahr und damit im Vergleich zur EU fünfmal mehr davon verwendet. Die Abgabe habe etwa drei Euro pro Kilo Wegwerfgeschirr aus Plastik betragen, berichtet der Spiegel. Die neue Regierung unter Benjamin Netanyahu wolle nun die Abgabe abschaffen mit dem Argument, die Steuer würde die Lebenshaltungskostenkrise befeuern und sich zudem speziell auf ultraorthodoxe Gemeinschaften auswirken, die in ihren häufig großen Familien zum Beispiel bei Treffen viel Einweggeschirr nutzten. Israelische Umweltschützer hätten die Entscheidung der Regierung als „beschämend“ kritisiert.
Dagegen wolle die kanadische Regierung, wie die Tagesschau berichtet, per Gesetz Produkte wie Tüten, Plastikgeschirr und -besteck, Rührstäbchen oder To-go-Kaffeebecher aus dem Land verbannen. Ein schrittweises Verbot solle das Land zum weltweiten Anführer im Kampf gegen Kunststoff machen. Mit Hochdruck wolle man sich dem Ziel von null Plastikmüll bis zum Jahr 2030 nähern und im kommenden Jahrzehnt 1,3 Millionen Tonnen Plastikmüll sowie rund 22.000 Tonnen umweltverschmutzender Gegenstände wie Flaschen und Zigarettenkippen vermeiden. Zunächst dürften die gelisteten Plastikprodukte in Kanada nicht mehr produziert oder importiert, ab Dezember dieses Jahres auch nicht mehr verkauft oder ausgegeben werden.
Quellen:
- tagesschau.de (28.1.2023)
- spiegel.de, deutschlandfunk.de (30.1.2023)
Laut Berichten der Fachpresse werden die Europäischen Vorgaben zur Emissionsminderung von Deutschland vollständig eingehalten. Das zeigten die Daten zum Treibhausgasausstoß für 2021, die das Umweltbundesamt (UBA) an die Europäische Kommission übermittelt habe. Demnach habe Deutschland im Jahr 2021 insgesamt 759,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente emittiert.
Das seien rund 29,6 Millionen Tonnen bzw. vier Prozent mehr als 2020 und 39 Prozent weniger im Vergleich zum Jahr 1990. Gestiegen seien vor allem Energie- und Industrieemissionen, während der CO2-Ausstoß bei Haushalten und der Landwirtschaft gesunken sei. Der Anstieg der Emissionen in der Energiewirtschaft um 27 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente oder 12,5 Prozent sei laut Bericht des UBA vor allem auf die deutlich höheren Emissionen aus der Stein- und Braunkohlenverstromung aufgrund des erhöhten Kohleeinsatzes zurückzuführen. Gründe dafür seien die gestiegenen Gaspreise und eine deutlich verringerte Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. In der Industrie seien 4,3 Prozent oder 7,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente mehr als im Jahr 2020 emittiert worden, wofür vor allem die anziehende Konjunktur nach der Coronakrise und ein vermehrter Einsatz fossiler Brennstoffe verantwortlich seien. Die deutlichste prozentuale Steigerung verzeichne die Stahlindustrie, wo die Rohstahlerzeugung um rund 12 Prozent angestiegen sei. Die Emissionen des Verkehrs seien 2021 gegenüber 2020 um ein Prozent auf 147 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente gewachsen, was im Wesentlichen auf den Straßenverkehr zurückzuführen sei. Bei Gebäuden seien die Emissionen laut den Berechnungen des UBA um 5,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente oder 4,2 Prozent gesunken, in der Landwirtschaft um etwa 1,1 Millionen Tonnen auf 61,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.
Quellen:
- recyclingmagazin.de (26.1.2023)
- circular-technology.de (30.1.2023)
20.01.2023 - 26.01.2023
Oppositionsparteien, Industrie und Umweltverbände fordern, wie aus Berichten der Fachpresse hervorgeht, Änderungen an dem Gesetzesentwurf des Bundesumweltministeriums (BMUV) zur geplanten Sonderabgabe auf Einwegkunststoffprodukte wie Folien, Becher, Flaschen, Getränkekartons, Feuchttücher und Filterzigaretten. Inverkehrbringer sollen sich damit an den Kosten für die Beseitigung und Entsorgung dieser Abfälle im öffentlichen Raum beteiligen.
Vergangene Woche wurde das Einwegkunststofffondsgesetz (EWKFondsG) in einer ersten Lesung im Bundestag beraten und an die Ausschüsse überwiesen. Die CDU/CSU fordere, wie Euwid berichtet, unter anderem eine Zustimmungspflicht des Bundestages bei der Entscheidung über die Abgabenhöhe und habe sich gegen eine Abgabenpflicht für bepfandete Getränkeverpackungen ausgesprochen. Die Union sei für eine privatwirtschaftliche Lösung, die sie für bürokratieärmer und günstiger halte, und werbe dafür, die Infrastruktur der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR) zu nutzen. Vor allem die Tabakindustrie, die ebenfalls verfassungsrechtliche Bedenken geltend mache, sehe sich durch die geplante Sonderabgabe besonders belastet und setze auf Änderungen durch die Parlamentarier, ist in einem weiteren Bericht in Euwid zu lesen. Kritik am Entwurf komme auch von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die die Abgabenhöhe im Entwurf für viel zu niedrig halte, um Anreize zur Abfallvermeidung und Mehrwegförderung zu schaffen. Sie fordere erneut eine zusätzliche Abgabe auf Einweg-Kunststoffflaschen und Take-Away-Verpackungen. Ein mit dem Gesetz vorgelegter Diskussionsentwurf für eine Einwegkunststofffondsverordnung (EWKFondsV) enthalte die konkreten Abgabesätze sowie ein ausdifferenziertes Punktesystem für die Auszahlung der Mittel aus dem Einwegkunststofffonds, ist in einem Bericht des Online-Portals Umweltwirtschaft zu lesen. Zu erwarten sei, dass das Gesetz im ersten Quartal 2023 verabschiedet werde und dann stufenweise in Kraft trete. Die Abgabe für in Verkehr gebrachte Produkte aus Einwegkunststoff, die sich insgesamt auf etwa 434 Millionen Euro im Jahr summieren soll, müssten die Hersteller ab 2025 in den vom Umweltbundesamt verwalteten Einwegkunststofffonds einzahlen, und zwar auf Basis der im Kalenderjahr 2024 in Verkehr gebrachten Produktmenge.
Weitere Information: zum Gesetzentwurf, zum Diskussionsentwurf der EWKFondsV
Quellen:
- packreport.de, mehrere Berichte bei Euwid, 4/2023 (24.1.2023)
- recyclingportal.de, umweltwirtschaft.com (20.1.2023)
Einen Überblick über die geplanten Regelungen der EU-Verpackungsverordnung, mit der die EU Kreisläufe und einen funktionierenden Binnenmarkt schaffen wolle, sowie die Reaktionen betroffener Verbände darauf, gibt das Recyclingmagazin, das in einem weiteren Beitrag über die Empfehlungen des Umweltbundesamtes (UBA) zur Fortentwicklung der deutschen Kreislaufwirtschaft berichtet.
In Deutschland herrsche ein sehr eigenes Verständnis von Kreislaufwirtschaft, merkt das Recyclingmagazin im Bericht über die Empfehlungen des UBA an. Dieses sei im Unterschied zum europäischen Verständnis einer Circular Economy mehr verwirrend als hilfreich. Zusätzliche Verwirrung stifte nun ein Report des UBA, in dem laut Recyclingmagazin zwischen einer „klassischen Abfall- und Kreislaufwirtschaft“ und einer „zirkulären Ökonomie“ unterschieden werde. Bisherige Maßnahmen der Abfallwirtschaft hätten aus Sicht des UBA noch nicht zu einer „umfassenden zirkulären Ökonomie“ geführt. Ein Paradigmenwechsel sei notwendig ebenso wie eine stärkere Ausrichtung an ökologischen Notwendigkeiten als an wirtschaftlichen Erwägungen. Die Empfehlungen des UBA für die Fortentwicklung der deutschen Kreislaufwirtschaft umfassten unter anderem die Erweiterung der fünfstufigen Abfallhierarchie beim Produktdesign etwa durch die Stärkung finanzieller Anreize für zirkuläres Verpackungsdesign sowie eine Erweiterung der Informationsbasis zum Beispiel durch ein zentrales Berichtswesen zum Einsatz und Verbleib von Sekundärrohstoffen und die Einführung digitaler Produktpässe. Insbesondere für ökologisch besonders relevante Stoffströme wie Kunststoffe und Rohstoffe aus Elektroaltgeräten sowie Altfahrzeugen sollten für ein ökologisch hochwertiges Recycling nach Ansicht des UBA ambitionierte materialspezifische Recyclingquoten auf nationaler und europäischer Ebene eingeführt werden, berichtet das Recyclingmagazin. Zur Stärkung der Rezyklatnachfrage mit Fokus auf Post-Consumer-Rezyklate spreche sich das UBA auf nationaler Ebene für ökonomische Instrumente sowie die Stärkung der Nachfrage durch die öffentliche Hand als wirksame Maßnahmen aus. Zur Förderung des Rezyklateinsatzes in der Produktion schlage das UBA etwa eine Abgabe auf Produkte vor, die kein Rezyklat enthalten. Rezyklateinsatzquoten könnten laut Bericht des UBA nur auf EU-Ebene umgesetzt werden, auf die Einführung weiterer ökologisch sinnvoller Quoten in der EU solle hingewirkt werden.
Der Vorschlag der EU-Kommission für eine Verpackungsverordnung umfasse neben neuen Designvorgaben, der Reduzierung des Verpackungsmülls und des Verbots bestimmter Verpackungen auch die Vorgabe, dass Verpackungen ab dem 1. Januar 2030 einen Mindestrezyklatanteil enthalten müssen, berichtet das Recyclingmagazin in einem weiteren Beitrag. Betroffen seien hier zum Beispiel berührungsempfindliche Verpackungen aus PET, die dann 30 Prozent und zehn Jahre später 50 Prozent Rezyklat enthalten müssten. Bestimmte Verpackungen wie solche für einzelne Portionsgrößen für Kaffeesahne, Zucker oder Mayonnaise dürften laut Vorschlag der EU-Kommission ab 2030 nicht mehr auf den Markt gebracht werden. Auch für die Wiederverwendbarkeit und Wiederbefüllbarkeit sehe die geplante Verordnung ab 2030 Quoten vor. So müssten etwa Verpackungen für kalte und heiße Getränke dann zu 20 Prozent mehrwegfähig sein, ab 2040 solle diese Quote dann auf 80 Prozent steigen. Die Reaktionen der Verbände auf den Vorschlag der EU-Kommission seien erwartungsgemäß gemischt ausgefallen, schreibt das Recyclingmagazin. So habe unter anderem der BDE-Bundesverband der deutschen Entsorgungswirtschaft den EU-Vorschlag insgesamt als gute Grundlage sowie insbesondere die Mindesteinsatzquoten gelobt. Auch die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen begrüße den Entwurf grundsätzlich, sehe die Rezyklateinsatzquoten für kontaktsensible Verpackungen allerdings kritisch und befürchte in diesem Bereich Versorgungsengpässe. Kritik übe die IK auch an dem Verbot bestimmter Verpackungen.
Quelle:
- Recyclingmagazin 1/2023
Was Abfälle und deren Wiederverwertung angehe, stehe die Schweiz nicht gut da, berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf eine Studie der Weltbank. Bei Kunststoffabfällen liege die Schweiz mit ihrer Abfallmenge pro Kopf weltweit auf Platz 19, ins Recycling gingen bei den Eidgenossen im Vergleich mit dem EU-Schnitt von 32 Prozent nur magere 15 Prozent der Kunststoffabfälle. Ein Großteil werde verbrannt.
Die Nichtregierungsorganisation Oceancare fordere angesichts der Zahlen mehr Verbote wie solche, die in der EU gelten, wo seit Mitte 2021 Einwegprodukte aus Kunststoff wie Besteck und Geschirr, Trinkhalme oder Wattestäbchen verboten sind. Die Schweizer Regierung setze aber eher auf Eigenverantwortung von Wirtschaft und Handel. Die Lösung des Problems könne jedoch ganz woanders liegen, schreibt die SZ. Das hohe Aufkommen an Kunststoffprodukten habe auch mit der hohen Kaufkraft und Mobilität der Schweizer Bürgerinnen und Bürger zu tun, die sich unterwegs öfter mal einen Kaffee oder Snack to go leisten könnten. Für die Reinigung des öffentlichen Raums, die viel Geld koste, sorgten die Behörden der Schweiz, in der viel Wert auf Sauberkeit gelegt werde. Da könnte man ja ein bisschen nachlässiger werden, schlägt die Autorin des Beitrags vor. Dann vergehe den Eidgenossen vielleicht die Lust auf den nächsten Wegwerfbecher.
Quelle:
- Süddeutsche Zeitung (23.1.2023)
13.01.2023 - 19.01.2023
Der nächste Schritt bei der Überarbeitung der EU-Abfallverbringungsverordnung ist laut Berichten der Tages- und Fachpresse getan. Das EU-Parlament habe einem Entwurf des Umweltausschusses zugestimmt, wonach Abfallexporte deutlich eingeschränkt werden sollen. Kritik an den geplanten Regelungen komme vom bvse.
Handelsblatt und Spiegel berichten, dass nach dem Willen des Europäischen Parlaments Abfälle künftig nur noch in diejenigen Länder außerhalb der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) exportiert werden sollen, in denen eine umweltfreundliche Abfallbehandlung und -verarbeitung nachgewiesen werden kann. Für Abfälle, die in der EU bleiben müssten, sowie für gefährliche Abfälle solle es ein explizites Exportverbot für bestimmte Regionen geben. Auch werde mit der neuen Verordnung, über die Rat und Parlament noch verhandeln und sich abstimmen müssen, darauf abgezielt, dass wichtige Ressourcen für den EU-Binnenmarkt erhalten bleiben. Über die mit der Novelle geplanten Änderungen bei Kunststoffabfällen berichtet der Fachdienst Euwid. Die Mehrheit der EU-Abgeordneten habe dafür gestimmt, dass es für Exporte von Kunststoffabfall innerhalb der EU keine Abweichungen von den Regeln des Basler Übereinkommens geben solle, so dass PVC- und PTFT-Abfälle – bekannt als Teflon – innerhalb der EU zukünftig unter das Verfahren der Vorabnotifizierung und -genehmigung fielen. Eine weitere vom Parlament angenommene Verschärfung betreffe Kunststoffe und andere Abfälle, die persistente organische Schadstoffe (POP) enthalten. Auch diese Abfälle sollten nach dem Willen des Parlaments dem Bewilligungsverfahren unterliegen, unabhängig davon, ob ihr POP-Gehalt bestimmte Schwellenwerte überschreite oder nicht. Der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. habe vor der Abstimmung über den Gesetzentwurf im EU-Parlament vor schwerwiegenden negativen Folgen für die Kunststoffrecyclingindustrie gewarnt, berichtet das Recyclingmagazin. Mit den geplanten Änderungen seien ein großer Verwaltungsaufwand, zusätzlichen Kosten für die Akteure der Kreislaufwirtschaft und ein bürokratischer Aufwand für die zuständigen Behörden zur Durchsetzung und Überwachung eines solchen Systems verbunden, was zu einem Rückschritt führen würde.
Quellen:
- recyclingmagazin.de (16.1.2023)
- handelsblatt.de, spiegel.de, euwid-recycling.de (17.1.2023)
Die Fachzeitschrift Kunststoffe wirft in der ersten Ausgabe des Jahres in einem Special Kreislaufwirtschaft einen Blick auf Lösungen unter anderem des Textil- und chemischen Recyclings, die geeignet seien, dem Green Deal der EU zum Erfolg zu verhelfen. Wie der Kunststoffkreislauf beim Folienhersteller Südpack, der sich Zero-Waste vorgenommen habe, umgesetzt werden soll, berichtet Kunststoffe in einem weiteren Beitrag.
Für die Recyclingindustrie sei der sogenannte European Green Deal, der darauf abziele, Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen, Chance und Herausforderung zugleich, ist bei Kunststoffe zu lesen. Nach dem Willen der EU sollten künftig nahezu alle Produkte während ihres gesamten Lebenszyklus haltbarer beziehungsweise repariert oder wiederverwendet werden können. Das sei in der Textilindustrie, wo in Verkehr gebrachte Textilprodukte spätestens ab 2030 haltbarer sein, aus recycelten Fasern bestehen und recycelbar sein sollen, noch ein weiter Weg. Bisher werde weniger als ein Prozent des für die Herstellung von Kleidung verwendeten Materials recycelt, schreibt das Magazin weiter mit Hinweis auf einen Bericht der Ellen MacArthur Foundation aus dem Jahr 2017. Das liege vor allem, ähnlich wie bei Verpackungen, an der Vielzahl der Kunststoffe und insbesondere an der Kombination unterschiedlicher Polymere, zitiert Kunststoffe den Leiter des Bereichs Engineering Recycling Technology bei BB Engineering (BBE), Matthias Schmitz. Das Unternehmen habe ein thermomechanisches Recyclingverfahren entwickelt, das das Recycling von Post-Consumer-Textilabfällen in einem geschlossenen Kreislauf ermögliche. Weil mechanisches Recycling allein nur begrenzte Möglichkeiten biete, rückten chemische Recyclingverfahren zunehmend in den Fokus, berichtet Kunststoffe weiter. Eines dieser Verfahren, das sich unter anderem durch seine Anwendbarkeit auf eine große Bandbreite von Einsatzstoffen auszeichne, stamme von Carboliq. In einem einstufigen Prozess zur Verflüssigung fester Kohlenwasserstoffe, bei dem die Prozessenergie auf Reibung basiere, werde das Material erwärmt, mit einem Katalysator verrührt und die dabei entstehenden Dämpfe schließlich als Öl kondensiert, beschreibt Christian Haupts, Geschäftsführer von Carboliq, im Beitrag das Verfahren. In die Technologie von Carboliq zur Verölung von Altkunststoffen investiere auch der Folienhersteller Südpack, dessen Kreislaufwirtschaftskonzept Thema eines weiteren Bericht ist. Der Folienhersteller, der für die in Produktionsprozessen anfallenden Abfälle und Wertstoffe verschiedene Prozesse zur werkstofflichen Verwertung an den deutschen Betriebsstätten implementiert habe, setze sich gemeinsam mit Partnern für chemisches Recycling als zusätzliche und komplementäre Technologie für Materialien ein, die aufgrund ihrer Struktur oder des Verschmutzungsgrades nicht mechanisch recycelt werden können. Südpack setze auf einen Mix aus verschiedenen Recyclingtechnologien, die alle zum Ziel hätten, diese sinnvoll aufzubereiten und somit im Kreislauf zu halten. Chemisches und mechanisches Recycling könnten sich nicht nur ergänzen, sondern lieferten in Kombination auch die größte CO2-Einsparung.
Quelle:
- Kunststoffe 1/2023 (zwei Berichte)
Das von VinylPlus Deutschland und PlasticsEurope Deutschland gemeinsam in Auftrag gegebene Stoffstrombild für PVC in Deutschland 2021 zeigt laut Berichten der Fachpresse, dass fast 18 Prozent des in Deutschland verarbeiteten PVC inzwischen aus dem Recycling gewonnen wird.
Mit den Ergebnissen der Studie sehe sich die PVC-Branche auf gutem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft. Demnach wurden 340.000 Tonnen PVC-Rezyklate und 1,57 Millionen Tonnen PVC-Neuware in Deutschland zu Halbzeugen und Endprodukten verarbeitet. Damit sei der Einsatz von recyceltem PVC gegenüber 2017 um insgesamt 91.000 Tonnen bzw. 37 Prozent gestiegen. Eingesetzt würden die durch das werkstoffliche Recycling hergestellten Rezyklate vor allem in langlebigen Anwendungen wie dem Baubereich, in Rohren oder Verkehrssicherheitsanwendungen, die bereits seit langem den dominierenden Anteil bei der Verarbeitung ausmachten. Auch 2021 sei der Baubereich mit über 75 Prozent des insgesamt verarbeiteten PVC von 1,91 Millionen Tonnen wieder der größte Anwendungsbereich. Die PVC-Verarbeitungsmenge habe laut der Erhebung um 3,8 Prozent über dem Niveau des Jahres 2017 gelegen.
Quellen:
- plasticker.de, kommunalwirtschaft.eu, recyclingmagazin.de (17.1.2023)