20.09.2024 - 26.09.2024

Baldige Verabschiedung der EU-Verpackungsverordnung erwartet

Laut Euwid steht der Termin für die Annahme der endgültigen sprachlich und juristisch überprüften Fassungen in allen Amtssprachen fest. Auch Aktivitäten zur Umsetzung und Konkretisierung der Verordnung wie etwa eine Anhörung der EU-Kommission über das geplante EU-Kennzeichnungssystem für Verpackungen und Abfallbehälter schreiten laut eines weiteren Berichts des Fachdienstes voran.

 

In der Plenarsitzung vom 13. und 14. November solle der Kompromisstext zur künftigen Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (Packaging and Packaging Waste Regulation, PPWR) bekannt gegeben werden. Werde ein Tag nach Bekanntgabe keine weitere Abstimmung gefordert, gelte die Fassung als angenommen und könne im nächsten Schritt dem Rat als Vertretung der Mitgliedstaaten zur offiziellen Annahme vorgelegt werden, schreibt Euwid. Stimme dieser zu, was zu erwarten sei, wäre die PPWR endgültig verabschiedet und könnte am zwanzigsten Tag nach ihrer Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft treten. Die noch vorläufige Fassung der PPWR sehe unter anderem ein harmonisiertes Kennzeichnungssystem für Verpackungen und Abfallbehälter vor, berichtet Euwid an anderer Stelle. Ziel des Systems sei es, Verbraucherinnen und Verbrauchern die getrennte Sammlung von Verpackungsabfällen zu erleichtern und gleichzeitig zu verhindern, dass die Anbieter verpackter Produkte durch unterschiedliche nationale Kennzeichnungsvorschriften belastet und der EU-Binnenmarkt fragmentiert werde. Vorgesehen sei, dass Verpackungen anhand ihrer Materialzusammensetzung gekennzeichnet werden und sich das gleiche Symbol oder der gleiche Hinweis auch auf den jeweiligen Sammelbehältern befinde. Zu einem Vorschlag für das geplante Kennzeichnungssystem nach dem Vorbild des nordeuropäischen einheitlichen Piktogrammsystems laufe noch bis zum 30. September eine Anhörung der EU-Kommission für beteiligte Kreise. Hierfür seien auch Produkt-, Verpackungsdesigner und -hersteller sowie Vertreter von Entsorgungs- und Recyclingunternehmen und Umweltorganisationen angesprochen. Die Ergebnisse der Anhörung sollen in einen technischen Vorschlag für EU-weit harmonisierte Kennzeichnungsspezifikationen einfließen, schreibt Euwid.
 
Quellen:

  • zwei Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 39/2024 (24.9.2024)
Neue EU-Kommission: Jessika Roswall für Umwelt und Kreislaufwirtschaft vorgesehen

Euwid berichtet, welche Aufgaben die designierte Kommissarin für das Ressort „Umwelt, Wasserresilienz und eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft“, die Schwedin Jessika Roswall, in der nach den Wahlen neu zusammengesetzten EU-Kommission übernehmen soll. Hinsichtlich der REACH-Verordnung, die dann auch in ihren Verantwortungsbereich falle, könnte sie laut eines Berichts des europäischen Nachrichtendienstes Euractiv vor einer schwieriger Anhörung durch den Umweltausschuss des Parlaments (ENVI) stehen.

 

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat laut Euwid vergangene Woche in Straßburg das Team aus 26 Kommissionsmitgliedern für ihre zweite Amtszeit und den Zuschnitt ihrer jeweiligen Ressorts vorgestellt. Als künftige EU-Kommissarin für „Umwelt, Wasserresilienz und eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft“ soll die schwedische Politikerin Roswall, die der bürgerlich-konservativen Moderaten Sammlungspartei angehöre und zuvor Abgeordnete im schwedischen Parlament gewesen sei, weiter Kurs auf die Ziele des europäischen Green Deals halten. Der Fokus soll auf der Umsetzung des rechtlichen Rahmens liegen. Dabei solle sie sich auf „Anreize, Investitionen und eine einfache, effektive Umsetzung“ konzentrieren, zitiert der Fachdienst aus dem Mandatsschreiben. Kurs halten auf die Ziele des Green Deals sollen auch die als Exekutiv-Vizepräsidentin der Kommission für den Bereich Wettbewerbspolitik designierte bisherige spanische Umweltministerin, Teresa Ribera, und der für das Portfolio „Wohlstand und industrielle Strategie“ vorgesehene, noch amtierende Außenminister Frankreichs, Stéphane Séjourné. Zu den Aufgaben der designierten Umweltkommissarin zählten die Leitung der Ausarbeitung des geplanten Kreislaufwirtschaftsgesetzes gemeinsam mit Ribera, die Ausarbeitung einer europäischen Strategie für Wasserresilienz und Beiträge zu einer EU-Strategie für die Anpassung an den Klimawandel. Darüber hinaus solle sie sich auf internationaler Ebene unter anderem für ein ambitioniertes Kunststoffabkommen auf UN-Ebene einsetzen. Gemeinsam mit Séjourné habe Roswall auch die Aufgabe, ein neues Paket zur Chemikalienpolitik auszuarbeiten. Um die „nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit“ der chemischen Industrie sicherzustellen, sehe von der Leyens Mandatsschreiben vor, „REACH zu vereinfachen und Klarheit über PFAS zu schaffen“, ist in einem Bericht von Euractiv zu lesen. Nach Einschätzung des Nachrichtendienstes werde dies die Anhörung Roswalls durch den Umweltausschuss des Parlaments (ENVI) erheblich erschweren. Von den Abgeordneten des Umweltausschusses sei vor allem hinsichtlich PFAS, der per- und polyfluorierten Alkylverbindungen, mit der Forderung nach der Bestätigung einer weitgehenden Beschränkung zu rechnen. Die Chemikalienstrategie ziele ausdrücklich darauf ab, nicht essenzielle PFAS in der EU auslaufen zu lassen, wird Sara Matthieu, Koordinatorin der Grünen im Umweltausschuss, im Bericht von Euractiv zitiert. Frau Roswall müsse klarstellen, dass die ‚Vereinfachung‘ von REACH nicht bedeute, den Schutz von Gesundheit und Umwelt zu schwächen, habe ihre deutsche Kollegin Jutta Paulus hinzugefügt. Dass eine Überarbeitung von REACH notwendig sei, darin seien sich sowohl die Industrie als auch NGOs einig, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. So habe etwa der Industrieverband Cefic in einem 10-Punkte-Plan eine „gezielte und effektive Überarbeitung“ gefordert und sich für eine Eindämmung von „generischen Verboten“ ausgesprochen. Eine effizientere Gestaltung der REACH-Verordnung fordere das European Environmental Bureau (EEB). Allerdings gehe es der NGO darum, damit schneller Verbote einzelner Chemikalien und die „kollektive Regulierung von Chemikaliengruppen“ zu ermöglichen.
 
Quellen:

  • Euractiv (23.9.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 39/2024 (24.9.2024)
Kunststoff – Kreislauf – Kaskade

Das Handelsblatt berichtet vor dem Hintergrund der Grundsteinlegung für die erste chemische Recyclinganlage von LyondellBasell in Wesseling im Beisein von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) über Hürden und Chancen für die Technologie. Im Recyclingmagazin ist ein Bericht über ein Konzept niederländischer Wissenschaftler zu lesen, wonach die „Kaskade statt Closed-Loop“ mehr Sinn ergebe und chemische Verfahren in einer Technologie-Kaskade einen großen Beitrag zum Kunststoffrecycling leisten könnten.

 

In seiner Rede anlässlich der Grundsteinlegung zur chemischen Recyclinganlage des amerikanisch-niederländischen Konzerns Lyondell-Basell habe Scholz die Stärke des Chemiestandorts Deutschland und die Bedeutung der neuen Anlage für die Zukunftsfähigkeit der Branche betont, schreibt das Handelsblatt. LyondellBasell habe laut Handelsblatt an seinen Werken im Rheinland einen europäischen Hub für Kreislaufwirtschaft angesiedelt, und nun solle mit dem Bau der neuen Anlage am Standort Wessling ein Meilenstein zur Wiederverwertung von Plastikmüll entstehen. Das Verfahren, bei dem aus vermischten Kunststoffabfällen, die schwer mechanisch zu recyceln seien, Rohstoffe wie Pyrolyseöl und -gas gewonnen werden, klinge überzeugend, so das Handelsblatt. Es sei aber umstritten, weil dabei Giftstoffe entstünden und es sehr energieintensiv sei. Doch seien dies nicht die einzigen Hürden für das chemische Recycling. Wie auch bei mechanisch aufbereiteten Kunststoffen seien die Produkte deutlich teurer als die auf Rohöl basierenden. Das schrecke viele Käufer etwa aus der Konsumgüterindustrie ab. Lyondell-Bassel fordere daher wie nahezu die gesamte Branche, dass in Europa feste Quoten für den Einsatz von recycelten Kunststoffen eingeführt werden.
 
Niederländische Wissenschaftler haben laut Recyclingmagazin in einem Beitrag in der Zeitschrift „ChemSusChem“ ein Konzept für das Kunststoffrecycling unter Anwendung eines Kaskadensystems mit Technologien für mechanisches Recycling (konventionell und lösungsmittelbasiert) und chemisches Recycling (lösungsmittelbasierte Depolymerisation, Pyrolyse und Vergasung) vorgestellt. Diese würden sich gegenseitig ergänzen und könnten je nach ihren Anforderungen an die Qualität des Inputmaterials und den Energieeinsatz priorisiert werden. Ein Closed-Loop-Recycling könne die angestrebte hohe Zirkularität von Kunststoffen nach Ansicht der Autoren nicht erreichen. Pyrolyse und Gasifizierung könnten nach Ansicht der Autoren einen großen Beitrag zum Kunststoffrecycling leisten, selbst bei einer relativ niedrigen Ausbeute von etwa 50 Prozent. Derzeit sähen die Autoren die Pyrolyse im Vorteil, da sie die vorhandenen Steamcracker nutzen könne und nur geringe ergänzende Investitionen erforderlich seien. Zu einem späteren Zeitpunkt könne die Gasifizierung dann eine wichtigere Rolle spielen. Am sinnvollsten sei aus ihrer Sicht die Kombination von mechanischem und chemischem Recycling, wozu allerdings eine deutliche Verbesserung bei der Sammlung und Sortierung erforderlich sei.
 
Quellen:

  • Handelsblatt (21.9.2024)
  • Recyclingmagazin (24.9.2024)

13.09.2024 - 19.09.2024

EU-Rechnungshof kritisiert Kunststoffabgabe

Der EU-Rechnungshof sieht laut Berichten von Tages- und Fachmedien einige Probleme bei der im Jahr 2021 eingeführten EU-Abgabe auf nicht recycelte Kunststoffverpackungen. Diese werde aus Sicht des EU-Rechnungshofs, der in einem Bericht vor erheblichen Risiken warne, nicht ausreichend kontrolliert. Das könne laut Rechnungshof im Zweifel auch Umweltkriminalität begünstigen, ist etwa in der Süddeutschen Zeitung (SZ) zu lesen.

 

Statt den Kunststoff zu recyceln, würden Betrüger den Müll in großem Stil zu Deponien oder Verbrennungsanlagen bringen, wird Rechnungshofprüfer Jose Parente in einem Bericht des RND (Redaktionsnetzwerk Deutschland) zitiert. Plastikmüll zu verbrennen oder anderweitig zu entsorgen, statt ihn fachgerecht zu recyceln, gelte nach Ermittlungen von Europol als eines der lukrativsten kriminellen Geschäfte, so Parente. Darüber hinaus kritisiere er, dass es zwar eine rechtliche Verpflichtung gebe, aber keinen finanziellen Anreiz für die Mitgliedsstaaten, das Recycling von Kunststoffabfällen zu kontrollieren. Pro Kilogramm nicht recycelten Kunstoffverpackungsabfalls müssten die EU-Mitgliedsstaaten 80 Cent zahlen, ist im Bericht des RND zu lesen. 2023 habe Brüssel durch die Plastiksteuer insgesamt 7,2 Milliarden Euro von den Mitgliedsstaaten erhalten, einen erheblichen Teil davon von Deutschland, das diese EU-Abgabe derzeit noch aus dem Bundeshaushalt zahle. Nach mehreren Verschiebungen plane die Bundesregierung nun für 2026 die Einführung einer nationalen Plastiksteuer. Die EU wolle mit der Kunststoffabgabe im Prinzip zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, schreibt die österreichische Tageszeitung Der Standard. Einerseits Einnahmen generieren, mit denen Schulden für Zuschüsse und Darlehen des EU-Aufbau- und Resilienzfonds zurückgezahlt werden sollen, andererseits den Druck auf die EU-Länder erhöhen, ein effizientes System für das Sammeln und Wiederverwerten von Kunststoffverpackungsabfall zu betreiben. In seinem Bericht beklage der Rechnungshof auch, dass es unterschiedliche Methoden in den einzelnen EU-Ländern gebe, die Abfallmengen zu berechnen, ist in der Aachener Zeitung zu lesen. Die für 2021 erwartete Gesamtmenge an nicht recycelten Verpackungsabfällen habe um 1,4 Milliarden Kilogramm unter der später tatsächlich gemeldeten gelegen, so der Rechnungshof. Die Daten zu den tatsächlich recycelten Verpackungsabfällen aus Kunststoff lägen jeweils erst zwei Jahren im Nachhinein vor, schreibt der Fachdienst Euwid. Daher basierten die Beiträge der Mitgliedsstaaten auf Prognosen, die später angepasst würden. In der Folge seien die Kunststoff-Eigenmittel für 2021 um 1,1 Milliarden Euro zu niedrig angesetzt worden. Die im Bericht des Rechnungshofs genannten Probleme aufzuarbeiten, dürfte nach Einschätzung der Prüfer Jahre dauern, schreibt Euwid. Der Rechnungshof fordere die EU-Kommission daher zum Handeln auf. Konkret werde in dem Bericht vorgeschlagen, dass die Kommission bis 2026 gemeinsam mit den Mitgliedstaaten darauf hinarbeiten solle, die Schätzungen des Abfallaufkommens zu verbessern und den Eintritt ganz am Anfang des Recyclingverfahrens als Berechnungspunkt anzuwenden, um recycelte Mengen zu bestimmen.
 
Quellen:

  • Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, RND, Aachener Zeitung, Der Standard (16.9.2024)
  • euwid-recycling.de (17.9.2024)
PFAS: Scholz lehnt Totalverbot ab

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) habe beim Chemie- und Pharmagipfel des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) am 12. September 2024 in Berlin einen Fünf-Punkte-Plan vorgestellt, mit dem gebeutelten Unternehmen angesichts sinkender Aufträge, rückläufiger Umsätze und immer mehr Produktionsdrosselungen in Deutschland geholfen werden solle, berichtet etwa die Welt. Die Ablehnung des auf EU-Ebene drohenden Verbots von per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) stehe auf Scholz‘ Agenda ganz oben.

 

Zwar sollten PFAS-Verbindungen, für die es Alternativen gebe, verboten werden, wird Scholz in der Welt zitiert, doch wo es noch keine Alternativen gebe und ihr Nutzen überwiege, müsse ihr Einsatz möglich bleiben. Die Bundesregierung setze sich für eine „praktikable“ Regulierung bei den PFAS-Chemikalien und der Novelle der EU-Chemikalienverordnung (REACH) ein, habe Scholz zugesichert. Zudem habe er den Branchenvertretern versprochen, bürokratische Hürden abzubauen. Sein Fünf-Punkte-Plan sehe darüber hinaus eine Konzentration auf Kreislaufwirtschaft und die Förderung von MINT-Berufen in Schulen sowie Hilfen für die Unternehmen bei den Energiekosten vor. Der kurz zuvor von den Verbandsmitgliedern des VCI ins Amt wiedergewählte VCI-Präsident Markus Steilemann habe das Statement von Scholz begrüßt und zugleich betont, dass die guten Ankündigungen des Bundeskanzlers jetzt schnell realisiert werden müssten, berichtet Kunststoff Information. Auf den „PFAS-Brandbrief“, den der GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie im Namen von mehr als 500 Unternehmen und Verbänden an den Bundeskanzler gerichtet hatte, sei Scholz in seiner Rede nicht eingegangen. Auch wie die Bundesregierung ihrer Position zu den PFAS in der EU nun zum Durchbruch verhelfen will, habe Scholz laut KI in seiner Rede nicht gesagt.
 
Quellen:

  • Die Welt, Kunststoff Information (13.9.2024)
  • Kunststoffweb (16.9.2024)
CMC2: Marktstudie zur ökologischen Wende der chemischen Industrie

Die Strategieberatung CMC2 hat sich laut Bericht des Fachmagazins Chemanager in einer Marktstudie eingehend mit den Chancen durch innovative und neuartige Produkte, Produktionsverfahren und Technologien für die Transformation der Chemieindustrie beschäftigt. Ausgehend von Handlungsfeldern und damit verbundenen Erfolgspotenzialen identifiziere die Studie acht konkrete Geschäftsfelder, darunter auch Recycling und Abfallmanagement sowie Kohlendioxidnutzung und -speicherung (CCU/CCS).

 

Unter den acht in der Studie benannten Geschäftsfeldern stehe „Recycling und Abfallmanagement“ an zweiter Stelle nach „nachhaltigen Chemikalien und Materialien“, gefolgt von „biobasierte Materialien“ inklusive Biokunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen, schreibt das Magazin. Dem zweitwichtigsten Geschäftsfeld für die Transformation der Industrie „Recycling und Abfallmanagement“ ordne die Studie chemisches, hier auch als advanced bezeichnetes, Recycling zu sowie die Entwicklung neuer Technologien zur Rückgewinnung und Wiederverwertung von chemischen Stoffen aus Abfällen. Durch die Schaffung geschlossener Kreisläufe für Kunststoffmaterialien, also eine Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe, ließe sich zudem die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen reduzieren. Zahlreiche bereits industrialisierte Beispiele dafür kämen laut Studie unter anderem aus der Verpackungsindustrie mit dem Recycling von PET, PP, PE und PS. Die Defossilisierung der chemischen Industrie, also der Übergang von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Alternativen und anderen nachhaltigen Herstellungsverfahren und Technologien, setze laut Studie eine enge Verknüpfung der Chemie mit der Energiewirtschaft voraus. Die Untersuchung zeige circa 250 entsprechende Projektbeispiele und analysiere deren Technologiefokus, Innovationsgrad sowie mögliche Einsatzbereiche für nachhaltige Produkte, Prozesse und Services, die von jungen Start-ups, mittelständischen Unternehmen und großen Konzernen aktuell entwickelt würden. Die wesentlichen Erkenntnisse aus der Studie hinsichtlich kunststoffbezogener Projekte: Projekte im Bereich Recycling und Abfallmanagement kämen auf einen Anteil von 16 Prozent, biobasierte Materialien stünden bei 12 Prozent der Projekte im Zentrum, und die Kohlendioxidnutzung und -speicherung (CCU und CCS) habe einen Anteil von 11 Prozent. Die Ergebnisse insgesamt ließen laut Studie eine ausgewogene Vorgehensweise in der Transformation der Chemieindustrie erkennen. Doch sei insbesondere in Deutschland auch die Politik gefragt, wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Transformation zu setzen.
 
Quelle:

  • Chemanager 9/2024

06.09.2024 - 12.09.2024

ZSVR soll Fondsgelder für Ökodesign verwalten

Die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) soll laut Bundesumweltministerium (BMU) den Fonds zur Förderung des Recyclings nach § 21 VerpackG übernehmen, berichtet Euwid. Wie der Fachdienst vom BMU erfahren habe, solle die Reform des Paragrafen 21 im Verpackungsgesetz in den nächsten Wochen auf den Weg gebracht und noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden. Die Allianz Verpackung und Umwelt (AVU) begrüße nach Berichten in Fachmedien finanzielle Anreize für das Inverkehrbringen gut recycelbarer Verpackungen sowie eine schnelle Reform des deutschen Verpackungsgesetzes, warne aber vor der Schaffung neuer staatlicher und bürokratischer Strukturen rund um den geplanten Fonds.

 

Das Umweltbundesamt (UBA) habe in einem Euwid bekannt gewordenen vertraulichen Papier nun skizziert, wie die Mittelvereinnahmung und -verwendung sowie die Verwaltung des Fonds für die ökologische Gestaltung von systembeteiligungspflichtigen Kunststoffverpackungen durch die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) ausgestaltet werden könnten: Geplant seien demnach abgestufte Einzahlungen der Hersteller und Erstinverkehrbringer je nach Recyclingfähigkeit der Verpackungen. Diese würden von 0 € bis 1.500 € pro Tonne reichen. Hersteller der beiden besten Recyclingfähigkeitsklassen sollen zudem gedeckelte Boni erhalten, allerdings nur für die Materialart, für die eingezahlt wurde, heißt es bei Euwid. Damit solle eine Quersubventionierung von Materialarten verhindert werden. Nach Ansicht des UBA sei durch die ZSVR die wettbewerbliche Neutralität gesichert. Zudem seien die Vereinnahmung, Verwaltung und Ausschüttung der Fondsmittel durch die ZSVR keine hoheitlichen, sondern privatrechtliche Aufgaben. Darüber hinaus könnten später auch nicht-systembeteiligungspflichtige Verpackungen in den Fonds einbezogen werden, so das UBA. Aus betroffenen Wirtschaftskreisen gebe es bereits Widerstand gegen den geplanten Fonds, berichtet Euwid weiter. Dieser würde vor allem für Hersteller, die ja bereits Lizenzentgelte an die dualen Systeme und eine Sonderabgabe in den Einwegkunststofffonds des UBA zahlen müssten, eine zusätzliche Belastung bedeuten. Auch der BDE-Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft verweise auf „wesentliche rechtliche Fragen“, die durch eine Vereinnahmung der Fondsbeiträge durch die ZSVR entstehen würden. Für die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, die im Auftrag der aktuell am Markt tätigen dualen Systeme eine rechtliche Ersteinschätzung des Novellierungsvorschlags vorgenommen habe, sei vor allem die staatsnahe Rolle der ZSVR ein Knackpunkt. Auch die Vereinbarkeit des Modellvorschlags mit dem Finanzverfassungsrecht und dem EU-Beihilferecht werde von den Juristen als problematisch angesehen, da die Fondseinnahmen als staatliche Mittel eingestuft werden könnten. Die Allianz Verpackung und Umwelt (AVU) begrüße die geplante Reform des deutschen Verpackungsgesetzes, ist in Berichten der Fachpresse zu lesen. Durch die Novellierung des Paragrafen 21 VerpackG könne Deutschland nach Ansicht der AVU eine Vorreiterrolle einnehmen und die Recyclingfähigkeit von Verpackungen erheblich steigern. Die Allianz warne jedoch ebenfalls vor der Schaffung neuer bürokratischer Strukturen und schlage vor, die bestehenden dualen Systeme zu nutzen, die die zusätzlichen Gebühren mit minimalem Mehraufwand bei den Unternehmen einziehen und dann an einen privatrechtlich organisierten Fonds bei der ZSVR weiterleiten könnten. Die Mittel des Fonds sollten laut AVU hochgradig recyclingfähige Verpackungen als auch den Einsatz von Recyclingmaterialien bonifizieren. Unternehmen, die die Recyclingfähigkeit ihrer Verpackungen nachweisen oder einen zertifizierten Nachweis für das eingesetzte Rezyklat aus haushaltsnahen Sammlungen erbringen, sollten nach einem transparenten Mechanismus durch den Fonds finanziell unterstützt werden, so die AVU.
 
Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 37/2024 (10.9.2024)
  • euwid-recycling.de, recyclingmagazin.de, recyclingportal.eu (11.9.2024)
PFAS: Industrie fordert Beschränkungsvorschlag zu überdenken

Im Juli 2024 haben laut Kunststoff Information (KI) rund 500 Unternehmen aus verschiedenen Industriezweigen sowie eine Reihe von Verbänden – darunter der GKV-Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie und der Verband der Chemischen Industrie (VCI) – einen „Brandbrief“ an Bundeskanzler Olaf Scholz in Sachen PFAS (per- und polyflorierte Chemikalien) gerichtet. Darin werde gefordert, die Pläne für eine umfassende Beschränkung in der EU zu überdenken. KI befragte die Präsidentin des GKV, Dr. Helen Fürst, dazu und zum aktuellen Stand der PFAS-Diskussion. Kunststoffe berichtet über die Tagung PFAScon des Kunststoffinstituts Lüdenscheid, bei der auch über den Stand der PFAS-Beschränkungspläne informiert wurde.

 

Die hohe Relevanz von PFAS für das Industrieland Deutschland werde in der verhältnismäßig großen Zahl der betroffenen Branchen und Unternehmen deutlich, sagt Dr. Fürst im Interview mit KI. Auf die Frage nach der Reaktion von Bundeskanzler Scholz auf den Brandbrief, erklärt Dr. Fürst, er habe zwar nicht direkt geantwortet. Doch habe Scholz bereits wiederholt signalisiert, dass er ein Totalverbot von PFAS, wie es das Beschränkungsdossier vorsehe, ablehne und eine Rückkehr zum sogenannten risikobasierten Ansatz unterstütze. Auch die Koalitionsfraktionen im Deutschen Bundestag und die Union nähmen die Argumente der Industrie ernst, erklärt Dr. Fürst. In dem Schreiben an Scholz werde ein PFAS-Gipfel im Kanzleramt und angesichts der zunehmenden Tragweite der Chemikalienregulierung für die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas ein regelmäßiger Austausch vorgeschlagen. Angeregt werde auch die Orientierung an Regelungen in Ländern wie etwa den USA, Kanada, China, Japan und Großbritannien, wo zwischen „polymeren PFAS“ (polymere Verbindungen wie etwa Fluorkunststoffe) und „nicht-polymeren PFAS“ unterschieden werde. Für einen risikobasierten Regulierungsansatz müssten aus Sicht der Industrie einzelne Abschnitte des jetzt vorliegenden Beschränkungsdossiers der europäischen Chemikalienagentur (ECHA) gemäß den Risiken der Stoffgruppen und Anwendungen grundlegend überarbeitet und sukzessiv neu eingereicht werden, so Dr. Fürst. Der von Behörden mehrerer EU-Ländern, unter anderem Deutschland und den Niederlanden, bei der europäischen Chemikalienagentur vorgebrachte Beschränkungsvorschlag gelte als sehr weitgehend, schreibt Kunststoffe. Demnach solle der Einsatz von über 10.000 Substanzen verboten werden, darunter auch alle Fluorkunststoffe. Zum aktuellen Stand der PFAS-Beschränkung habe im März die Hybridtagung PFAScon des Kunststoff-Instituts Lüdenscheid informiert. Demnach prüften gegenwärtig die Ausschüsse der europäischen Agentur für Risikobewertung und sozioökonomische Auswirkungen die über 5.600 Einwände, Ergänzungen und Kommentare zu dem vorgelegten Beschränkungsvorschlag, die bei der Chemikalienagentur eingereicht worden seien, wird in Kunststoffe aus einem Vortrag von Martin Säckl, Public Affairs Manager bei Daikin chemical Europe, zitiert. Änderungen an der PFAS-Beschränkung könnten sich Säckl zufolge auch noch durch die neugewählte EU-Kommission ergeben. Er rufe dazu auf, politische Entscheidungsträger und die Medien dafür zu sensibilisieren, welche Gefahren für die Industrie mit einem umfassenden PFAS-Verbot verbunden seien.
 
Quellen:

  • Kunststoff Information (9.9.2024)
  • Kunststoffe 9/2024

30.08.2024 - 05.09.2024

Grundlagenforschung zum chemischen Recycling

Die Fachpresse berichtet über Forschungsergebnisse zum chemischen Recycling der ETH Zürich. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschule hätten wertvolle Grundlagen für die Weiterentwicklung eines katalytischen Prozesses erarbeitet. Ihnen sei es gelungen, diesen Prozess mit all seinen Parametern in einer mathematischen Formel zu beschreiben. Damit sei das chemische Recycling nun „startklar“, schreibt etwa das Fachmagazin Chemie. Auch sei gezeigt worden, dass es im Prozess bei der Kunststoffschmelze und Zugabe von Katalysatoren auf das richtige Rühren ankomme.

 

Für die Entwicklung des Prozesses, in dem die langen Polymerketten in kürzerkettige Moleküle aufgespalten werden sollen, habe das Forscherteam um den Professor für Katalyse-Engineering, Javier Pérez-Ramírez, die Spaltung von Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) mit Wasserstoff untersucht, ist im Bericht von Chemie zu lesen. Dabei sei der Kunststoff in einem Stahltank geschmolzen, dann gasförmiger Wasserstoff in die Kunststoffschmelze geleitet sowie pulverförmige Katalysatoren beigefügt worden. Diese erhöhten die Effizienz der chemischen Reaktion und sorgten dafür, dass vor allem Moleküle einer bestimmten gewünschten Kettenlänge sowie möglichst wenig Nebenprodukte wie Methan oder Propan entstehen. Darüber hinaus habe das Team festgestellt, dass die Vermischung von Kunststoff, Wasserstoff und Katalysator im Tank sowie die Rührgeschwindigkeit entscheidend seien. In ihren Experimenten und Computersimulationen habe sich gezeigt, dass die Kunststoffmasse am besten mit einem Flügelrad gerührt werde, dessen Flügel parallel zur Achse liegen, und die ideale Drehzahl bei 1.000 Umdrehungen pro Minute liege. Aus dem Prozess erhalte man kürzerkettige Moleküle, die dann etwa als Flüssigtreibstoff oder Schmiermittel verwendet werden könnten. Durch die Beschreibung des gesamten Prozesses mit all seinen Parametern in einer mathematischen Formel könnten nun alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Forschungsfeld den Einfluss der Rührer-Geometrie und der Drehzahl präzise berechnen, wird auch in einem Bericht der K-Zeitung Forschungsleiter Pérez-Ramírez zitiert. In künftigen Experimenten könnten so verschiedene Katalysatoren gezielt verglichen werden, während der Einfluss des Mischens auf den Prozess unter Kontrolle sei. Außerdem seien die erarbeiteten Grundlagen wichtig, um die Technologie künftig vom Labormaßstab auf große Recyclinganlagen hochzuskalieren, so Pérez-Ramírez.
 
Quellen:

  • chemie.de, k-zeitung.de (30.8.2024)
Capri-Sun bald wieder mit Kunststoffstrohhalmen?

Der Schweizer Trinkbeutelhersteller Capri-Sun will laut Medienberichten von den bislang genutzten Papier- wieder zu Kunststoffstrohalmen zurückkehren. In der Schweiz, wo das Halmverbot der EU-Einwegplastikrichtlinie nicht gilt, sollen die „Plastikröhrli“ schon bald wieder an die Beutel, berichtet etwa die Frankfurter Rundschau (FR). Für Deutschland wolle der Hersteller eine Ausnahmegenehmigung erwirken und rufe laut Berichten der Fachpresse nun dazu auf, eine Petition gegen die Einwegplastikrichtlinie zu unterschreiben, damit „aus Recyclinggründen“ der Trinkhalm aus Kunststoff wieder genutzt werden könne.

 

Da es nach der europaweiten Einführung von Papiertrinkhalmen im Jahr 2012 immer wieder zu Kritik seitens der Kundinnen und Kunden gekommen sei und sich die Verkaufszahlen verringert hätten, habe man sich entschlossen, wieder zu den Halmen aus Kunststoff zurückzukehren. Das habe Capri-Sun-CEO Roland Weening laut FR und anderen gegenüber der Schweizer Sonntagszeitung erklärt. In Deutschland sei die Wiedereinführung allerdings deutlich schwieriger, da hierzulande das Verbot von Einwegplastik gelte, wird Weenings Statement auch im Merkur zitiert. Dafür wäre eine Ausnahmegenehmigung erforderlich. Der Verband der Kunststofferzeuger Plastics Europe Deutschland (PED) halte das Comeback des Plastikstrohhalms hierzulande für unwahrscheinlich. Die EU-Vorgaben seien in dieser Hinsicht eindeutig, wird PED-Hauptgeschäftsführer Dr. Alexander Kronimus im Merkur zitiert. Doch aktuell prüfe Capri-Sun die Möglichkeit, künftig Trinkbeutel und Strohhalm aus Polypropylen (PP) herzustellen, so dass beides zusammen entsorgt und recycelt werden könne, ist in Euwid zu lesen. Derzeit enthalte der Trinkbeutel in der klassischen 200-Milliliter-Variante noch Aluminium. In einem nächsten Schritt solle der Trinkbeutel nur noch aus PP bestehen, berichtet auch Neue Verpackung.
 
Quellen:

  • FR, Badische Zeitung, neue-verpackung.de (2.9.2024)
  • merkur.de (1.9./2.9.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 36/2024 (3.9.2024)
Recycling von Elektro- und Elektronik-Altgeräten

Die EU-Kommission in Brüssel hat wegen Nichteinhaltung der Sammelquote für Elektroaltgeräte auch gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet, berichtet k-online. Der Verband für die Sammlung elektrischer und elektronischer Abfälle, das WEEE-Forum, erkennt laut Recyclingportal zwar an, dass viel mehr Elektro- und Elektronik-Altgeräte zur Rückgewinnung von Materialien getrennt gesammelt werden müssten, halte jedoch dafür eine gründliche Überarbeitung der Abfallgesetzgebung für erforderlich. Der Fachdienst Euwid berichtet über den Gerätehersteller Miele, der sein Engagement für mehr Kreislaufwirtschaft und weniger Elektroschrott vorantreibe.

 

Das von den Mitgliedstaaten gemäß der EU-Richtlinie über Elektro- und Elektronik-Altgeräte jährliche EU-Sammelziel von 65 Prozent des durchschnittlichen Gewichts der Geräte, die in den drei vorangegangenen Jahren in dem jeweiligen Mitgliedstaat in Verkehr gebracht wurden, sei von den meisten Ländern nicht erreicht worden, ist im Bericht des Recyclingportals zu lesen. Die Mitgliedstaaten sollten ihre Umsetzungsbemühungen verstärken, fordere die EU-Kommission. Das WEEE-Forum kritisiere, dass die Methode der Mindestsammelquote eine widersinnige Wirkung entfalte, für Strategien der Kreislaufwirtschaft ungeeignet und aufgrund der teils sehr langen Lebensdauer von E-Geräten verzerrend sei. Daher halte das Forum eine grundlegende Überarbeitung des Abfallrahmens und der WEEE-Gesetzgebung für notwendig und schlage vor, verschiedene Punkte bei einer Folgenabschätzung zu berücksichtigen wie etwa angemessene Sammelziele, Maßnahmen zur Verhinderung des illegalen Handels mit Elektro- und Elektronik-Altgeräten sowie die Einführung einer neuen Kategorie für Fotovoltaikmodule.
 
Wie Euwid berichtet, verstärkt der Gerätehersteller Miele sein Engagement in Sachen Kreislaufwirtschaft. Das umfasse die Ausweitung von Recycling- und Wiederverwendungsprojekten für Elektronikkomponenten in Haushaltsgeräten sowie die Entwicklung zirkulärer Geräte, berichtet Euwid. So bestehe der Staubsauger „Vooper“, der im September auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin präsentiert werde, aus recycelbaren Materialien und sei vollständig modular aufgebaut. Darüber hinaus biete Miele in einem Pilotprojekt seinen Kundinnen und Kunden in fünf EU-Ländern, darunter in Deutschland, Italien und in den Niederlanden, an, bei der Reparatur ihrer Haushaltsgeräte zwischen neuen und kostengünstigeren generalüberholten Elektronikkomponenten zu wählen. Miele sehe die Zukunft in solchen zirkulären Wertschöpfungsketten und verzeichne bereits steigende Nachfrage nach den neuen Angeboten. In den ersten Wochen nach Einführung seien allein in Deutschland mehr als 130 generalüberholte Elektronikbauteile verkauft worden.
 
Quellen:

  • k-online (30.8.2024)
  • recyclingportal.eu (2.9.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 36/2024 (3.9.2024)

23.08.2024 - 29.08.2024

Zu Sinn und Zweck der „Tethered Caps“

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet von „Aufregung“ um die fest mit Flasche oder Karton verbundenen Deckel, die seit dem 3. Juli 2024 Pflicht sind, eine EU-Vorgabe umsetzen und den Meeresmüll reduzieren sollen. Verbraucherinnen und Verbraucher seien genervt, Kritiker bezweifelten den angestrebten Nutzen. Auch der Verband Plastics Europe gehe von einem eher geringen Umwelteffekt der Regelung aus, halte das neue Deckeldesign aber für einen „Schritt in die richtige Richtung“, zitiert auch die Mittelbayerische. Groß-Britannien verzichte derzeit auf eine gesetzliche Regelung zu den Tethered Caps, berichtet Euwid.

 

Die neuen Verschlusskonstruktionen sollen als Teil eines umfangreichen Regulierungspakets der EU zur Reduzierung des Verbrauchs von Einwegkunststoffprodukten dazu beitragen, die Vermüllung der Umwelt durch Plastik zu vermindern, schreibt die FAZ. Auf einer Liste der EU-Kommission mit den zehn häufigsten Plastikartikeln, die an Stränden gefunden werden, stünden Getränkeflaschen mitsamt den Deckeln ganz oben. Laut Wirtschaftsverbänden wie dem BDE-Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft seien weggeworfene Plastikverschlüsse in Deutschland jedoch kein großes Problem. Auch der Verband der Kunststoffhersteller Plastics Europe Deutschland verweise auf das im Gegensatz zu in vielen anderen Ländern funktionierende Pfandsystem, halte das neue Deckeldesign aber für einen richtigen Schritt, um das Bewusstsein für einen achtsamen Umgang mit Verpackungen zu stärken. Kritik komme dagegen vom Deutschen Lebensmittelverband. Die Wirksamkeit zur Vermeidung der Umwelt- und Meeresvermüllung stehe infrage, wird Sieglinde Stähle, die in der wissenschaftlichen Leitung des Verbandes unter anderem für Verpackungen zuständig ist, in der FAZ zitiert. Den Umweltnutzen der Tethered Caps bezweifle auch Markus Prem, Professor für Verpackungstechnologie an der Hochschule Kempten, ist in einem Bericht der Mittelbayerischen zu lesen. Ihm zufolge habe man damit der Industrie Milliardeninvestitionen unter anderem in neue Maschinen auferlegt für einen Effekt, der quasi nicht messbar sei. Er halte es für viel wichtiger, Kunststoffe zu recyceln und einen Kreislauf zu bilden. Die Umstellung sei einiges an Aufwand gewesen, sage auch Lilo Sillner, Geschäftsführerin des Mineralbrunnenbetriebs Labertaler. Für die Abfüller dagegen habe die Umsetzung der Richtlinie keine große Herausforderung dargestellt, wird Ingrid Reuschl vom Anlagenhersteller Krones in der Mittelbayerischen zitiert. Reuschl weise zudem auf einen positiven Nebeneffekt hin: Einige Kunden des Anlagenherstellers hätten ihre Flaschen im Zuge der Umstellung auf Tethered Caps umgestaltet, was zu einer Einsparung an Kunststoff in Höhe von 39.000 Tonnen geführt habe.
 
Die britische Regierung habe bislang darauf verzichtet, die EU-Vorgabe in nationales Recht zu übernehmen, berichtet Euwid. Die British Soft Drinks Association habe die Unternehmen, von denen viele allerdings bereits in Eigeninitiative auf Tethered Caps umgestellt hätten, aufgerufen, die neuen Deckel, falls noch nicht erfolgt, einzuführen. Laut der British Plastics Federation (BPF) hätten viele Unternehmen, die bereits ihre Produktion umgestellt hätten, die Gelegenheit genutzt, die Tethered Caps so zu gestalten, dass weniger Material im Verschluss und im Flaschenhals verwendet werde.
 
Quellen:

  • FAZ (26.8.2024)
  • Mittelbayerische (26.8.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 35/2024 (27.8.2024)
Fraunhofer LBF entwickelt Rezyklatanalytik

Die Wirtschaftswoche stellt in ihrer Reihe „Gamechanger“ das Projekt „PORez“ des Fraunhofer Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit (LBF) in Darmstadt vor. Darin solle ein Prozess zur besseren Aufbereitung von Kunststoffabfall inklusive Datenbank entwickelt werden. Das Recyclingmagazin berichtet über eine am Fraunhofer LBF entwickelte Analytik für sortierte PE und PP-Post-Consumer-Abfälle zur detaillierten Charakterisierung der Zusammensetzung.

 

Mit dem im Rahmen des Projekts „PORez“ entwickelten Verfahren und der Datenbank solle sich zukünftig im gewerblichen Maßstab herausfinden lassen, welche Polyolefine und sonstigen Stoffe in Kunststoffrezyklaten stecken, ist in der Wirtschaftswoche zu lesen. Dazu sollen bereits bekannte Verfahren und Techniken zur Stoffanalyse im auf zwei Jahre ausgelegten Projekt des LBF unter der Leitung des Fraunhofer-Chemikers Jan-Hendrik Arndt so weiterentwickelt werden, dass nicht nur eine Datenbank zur Verfügung stehe, in der Recycler nachschlagen könnten, zu welcher Rezyklatmischung sie wie viel und welche primären Polyolefine zugeben müssen, damit höherwertige Kunststoffe entstehen können. Auch solle eine Norm daraus entwickelt werden, um immer gleiche Kunststoffqualitäten aus dem Recycling erzeugen zu können. Das Fraunhofer LBF hat laut Recyclingmagazin für sortierte PE- und PP-Post-Consumer-Abfälle eine Analytik erarbeitet, die eine detaillierte Charakterisierung der Zusammensetzung dieser Abfälle ermögliche. Diese liefere Gehaltsangaben über Fremdpolymere, Additive, flüchtige Bestandteile (VOC) und metallische Verunreinigungen, die für eine Bewertung der anwendungsrelevanten Eigenschaften essenziell seien. Die tiefgehende Charakterisierung werde durch ein breites Spektrum an Methoden (Chromatografie sowie deren Kopplung mit spektroskopischen und spektrometrischen Detektoren, Thermoanalysen, Feuchtigkeits- und Elementanalytik) erreicht. Im Rahmen des Projekts habe das Fraunhofer LBF auch maßgeschneiderte Strategien für die Probenentnahme- und -präparation entwickelt, um repräsentative Analysenergebnisse für komplette Abfallchargen zu ermöglichen, schreibt das Recyclingmagazin.
 
Quellen:

  • Wirtschaftswoche (23.8.2024)
  • Recyclingmagazin 8/2024
Österreich führt Einwegpfand ein

Im Januar 2025 wird in Österreich die Pfandpflicht auf Einwegflaschen und -dosen eingeführt. Bis dahin gebe es noch einiges zu tun, berichtet der Kärntner Regionalteil des österreichischen Rundfunks (ORF). Auch in Sachen Abfalltrennung müssen sich die Österreicherinnen und Österreicher laut Euwid zum Teil ab 2025 umstellen. Die einheitliche Sammlung von Verpackungsabfällen werde dann in ganz Österreich umgesetzt, berichtet der Fachdienst. Die Bereitschaft der Bevölkerung, den Abfall zu trennen, sei laut einer aktuellen Umfrage der Altstoff Recycling Austria AG (ARA) hoch.

 

Für das neue Pfandsystem investierten Supermärkte Millionen Euro in neue Leergutautomaten, Lagerflächen und die Schulung von Mitarbeitern, ist im Bericht des ORF zu lesen. Mit Einführung der Pfandpflicht auf Einwegflaschen und -dosen würden 25 Cent Pfand fällig, die dann bei Rückgabe der Behältnisse zurückerstattet werden. In der Folge rechne die Abfallwirtschaft mit 20 Prozent weniger Volumen in den Sammelbehältern sowie dem Nebeneffekt, dass das Pfand zu einer Reduzierung des Litterings führen werde.
 
Eine hohe Akzeptanz der Mülltrennung bei den Österreichern zeige eine aktuelle Umfrage der ARA in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut IMAS: 90 Prozent der Befragten gäben an, dass sie ihren Abfall trennen, berichtet Euwid. Die meisten sähen Mülltrennung als selbstverständliche Notwendigkeit an. Ab 2025 komme es dann auch auf die Landesteile Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Burgenland und Teile Oberösterreichs an, wenn die einheitliche Sammlung von Verpackungsabfällen wie Joghurtbechern, Waschmittelflaschen oder Konservendosen im ganzen Land umgesetzt werde. Bislang sei dies nur in Kärnten, Salzburg, Niederösterreich, Wien und Teilen Oberösterreichs der Fall. Laut Umfrage wollten allerdings rund 28 Prozent der gesamten Bevölkerung – etwa 2,5 Millionen Menschen – ihren Abfall künftig noch genauer trennen. Diese Bereitschaft variiere jedoch regional, mit Höchstwerten in Salzburg (44 Prozent), gefolgt von Kärnten und Wien mit jeweils etwa einem Drittel der Befragten. Die Idee der Mülltrennung im Allgemeinen befürworteten laut Umfrage heute 98 Prozent der Österreicher im Vergleich zu etwa 65 Prozent im Jahr 1995, ist in Euwid zu lesen.
 
Quellen:

  • ORF Kärnten (24.8.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 35/2024 (27.8.2024)

16.08.2024 - 22.08.2024

Kreislaufwirtschaft: Rohstoffproduzenten sollten vorweg gehen

Um eine Kreislaufwirtschaft erreichen zu können, müssten Unternehmen laut einer Analyse von Wood Mackenzie entlang der Wertschöpfungsketten zusammenarbeiten, ist in einem Bericht des Recyclingmagazins zu lesen. Wie dies möglich sei, werde in der Analyse anhand von Beispielen aus den Bereichen Elektronik, Kunststoffe und Biokraftstoffe beschrieben. Welche Herausforderungen und Fragen sich für Unternehmen und Verbraucher mit der Einführung des digitalen Produktpasses ergeben, dem ist laut eines weiteren Berichtes im Recyclingmagazin das Wuppertal-Institut nachgegangen. Der Fachdienst Euwid berichtet über ein Projekt des Kunststoff-Zentrums SKZ zur Unterstützung von Unternehmen der Kunststoffindustrie, die ihre Prozesse in Richtung einer zirkulären Wirtschaft umstellen wollen.

 

Die Autoren des Berichts „Waste to wealth: Unlocking circular value chains“ von Wood Mackenzie sähen laut Recyclingmagazin vor allem die Rohstoffproduzenten als die größten Unternehmen in den Wertschöpfungsketten in der Pflicht, beim Aufbau einer Kreislaufwirtschaft eine Führungsrolle zu übernehmen. Noch würden sich die Unternehmen nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen nur langsam auf eine Kreislaufwirtschaft einlassen. Wie sie neue Wege zum Aufbau branchenübergreifender Beziehungen gehen könnten, beschreibe der Bericht unter anderem für den Bereich Kunststoff am Beispiel des Kunststoffherstellers LyondellBasell. Das Unternehmen strebe an, bis zum Jahr 2030 zwei Millionen Tonnen Kunststoffe aus Rezyklat herzustellen. Dazu habe LyondellBasell ein Joint Venture mit dem französischen Umweltkonzern Suez gegründet. Es beinhalte eine Anlage für mechanisches Recycling mit einer Kapazität, die derzeit einem Drittel der Recyclingkapazitäten von LyondellBasell entspreche. Das Unternehmen wolle weiter in Abfallwirtschafts- und Technologieunternehmen investieren, um seine Kapazitäten noch mehr zu erhöhen. Initiativen wie diese, die allerdings laut Bericht von Wood Mackenzie noch selten seien, würden zeigen, dass solche Ansätze über verschiedene Wertschöpfungsketten hinweg möglich seien und den Weg zu einer stärker kreislauforientierten Wirtschaft ebnen könnten.
 
Als zentrales Element der europäischen Kreislaufwirtschaftsstrategie soll gemäß EU-Verordnung zum Ökodesign für nachhaltige Produkte (ESPR) der Digitale Produktpass (DPP) europaweit eingeführt werden. Er soll die Kreislaufwirtschaft stärken und Nachhaltigkeit im Wirtschaftssystem fördern, indem Daten etwa zu Material und Leistung des Produkts, zur Nutzung oder auch zu Recycling und Entsorgung bereitgestellt werden. Das Wuppertal Institut hat laut Recyclingmagazin im Auftrag des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen die Herausforderungen bei der Umsetzung des digitalen Produktpasses aus Sicht von Unternehmen und Verbrauchern untersucht. Aus Unternehmenssicht sei der DPP zwar relevant für den Ausbau der Kreislaufwirtschaft, es ergäben sich damit jedoch Herausforderungen, die etwa die Harmonisierung von Normen und Standards, die Datenerfassung und die damit verbundenen Kosten für die Unternehmen beträfen. Für die Akzeptanz und Nutzung des DPP seitens der Verbraucher müssten die Daten möglichst barrierefrei und relevant für Alltagsentscheidungen nutzbar sein. Bisher sei allerdings unklar, wie die mit dem DPP verbundenen Prozesse organisiert und finanziert werden sollen, schreibt das Recyclingmagazin.
 
Um Unternehmen der Kunststoffindustrie bei der Umsetzung von Kreislaufwirtschaftszielen zu unterstützen, starte das Kunststoff-Zentrum SKZ im Herbst 2024 das auf sechs Monate angelegte Projekt „Kreislaufwirtschaft – Step by Step“, berichtet Euwid. Kompetenzaufbau, der Einsatz von Rezyklaten, Qualitätssicherung und die Nachhaltigkeitsbewertung von Produkten seien zentrale Themen des dreistufigen Schulungsangebots, das neben der Wissensvermittlung auch eine Machbarkeitsanalyse und den Austausch zu Best-Practice-Beispielen beinhalte. Auf diese Weise könnten sich beteiligte Unternehmen laut SKZ umfassend zur Circular Economy informieren, ein erstes Pilotprojekt realisieren und strategische Weichenstellungen vorbereiten.
 
Quellen:

  • zwei Berichte im Recyclingmagazin 8/2024 (21.8.2024)
  • euwid-recycling.de (21.8.2024)
Neue Autoteile aus alten Reifen

Der Chemanager stellt ein gemeinsames Projekt zum chemischen Recycling von Altreifen von Neste, Borealis und Covestro vor. Ziel sei es, bislang als minderwertig geltende Abfälle in qualitativ hochwertige Sekundärrohstoffe für anspruchsvolle Automobilanwendungen umzuwandeln. Aus Sicht der Projektpartner werde es auch einen wichtigen Denkanstoß zur praktischen Ausgestaltung der kommenden End-of-Vehicle (ELV)-Verordnung der EU leisten.

 

In der Automobil- und Chemieindustrie werde intensiv daran gearbeitet, nicht mehr linear zu wirtschaften, sondern Bauteile, Materialien und Rohstoffe im Kreislauf zu führen, ist im Bericht des Chemanagers zu lesen. Reifen, von denen über eine Milliarde jedes Jahr weltweit verwertet werden müssten, seien aufgrund ihrer komplexen Zusammensetzung nur schwer und aufwändig zu rezyklieren, denn sie bestünden aus mehreren Gummivarianten, enthielten Füllstoffe wie etwa Ruß, Verstärkungsmaterialien wie Stahl und Polyester sowie Chemikalien wie Schwefel und Zinkoxid. Bislang würden Altreifen deponiert oder als Energieträger etwa in der Zementherstellung genutzt und verbrannt. Neste, Borealis und Covestro hätten nun ein Projekt umgesetzt, bei dem durch chemisches Recycling von Altreifen hochwertige Polycarbonate für anspruchsvolle Anwendungen im Automobilbau wie etwa  Scheinwerfer oder Kühlergrills erzeugt werden könnten. Im Rahmen der Zusammenarbeit verarbeite Neste das aus Altreifen gewonnene Pyrolyseöl in seiner Raffinerie im finnischen Porvoo zu einem hochwertigen Rohstoff für Chemikalien und Kunststoffe. Borealis stelle daraus Phenol und Aceton her, die Covestro weiter zu Polycarbonat verarbeite. Erste aus Altreifen gewonnene Polycarbonate stünden bereits zur Verfügung. Der Rezyklatanteil werde nach dem Standard ISCC Plus (International Sustainability and Carbon Certification) massenbilanziert und zugeordnet. Die aus dem Reifenrecycling gewonnenen Polycarbonat-Ausgangsstoffe seien chemisch und physikalisch identisch mit den bislang eingesetzten rein fossilen Rohstoffen. Die daraus hergestellten Bauteile hätten die gleiche Qualität wie die aus fossilen Kunststoffen, schonten aber Ressourcen.  Das Projekt zeige auch Grenzen und Schwächen des ELV-Entwurfs auf. Nach dem jetzigen Stand seien Altreifen als Quelle nicht auf die Kunststoffrezyklat-Einsatzquoten anrechenbar, weder auf die allgemeine Quote von 25 Prozent noch auf die spezielle „Closed-Loop-Quote“. Auch müsse das chemische Recycling aus Sicht der Projektbeteiligten über Massenbilanzierung Berücksichtigung in der ELV finden, um skalierbare und qualitativ hochwertige Lösungen für anspruchsvolle Kunststoffanwendungen bereitzustellen.
 
Quelle:

  • Chemanager 8/2024

12.07.2024 - 15.08.2024

Nach Wiederwahl zur EU-Kommissionspräsidentin: Von der Leyen kündigt EU-Gesetz über Kreislaufwirtschaft an

Die für eine zweite Amtszeit wiedergewählte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bekräftigte die Klimaziele der EU, kündigte einen „Clean Industrial Deal“ sowie ein europäisches Gesetz zur Kreislaufwirtschaft an, berichten etwa Euractiv und Euwid. Mit 401 von 719 Stimmen sei von der Leyen als Kommissionspräsidentin vom Europaparlament - auch mit Unterstützung der Grünen - deutlicher als erwartet im Amt bestätigt worden, schreibt der Spiegel. Deutsche Entsorgerverbände begrüßten laut Euwid die politischen Leitlinien von der Leyens, forderten aber auch mehr Engagement bei der Fortführung des Green Deals sowie beim Bürokratieabbau.

 

In ihrem Grundsatzprogramm habe sich von der Leyen erwartungsgemäß stark auf die Förderung der europäischen Industrie konzentriert, ist in einem Bericht von Euractiv zu lesen. Sie verknüpfe die Bemühungen zur Dekarbonisierung ausdrücklich mit der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents und habe einen neuen „Clean Industrial Deal“ innerhalb ihrer ersten 100 Amtstage angekündigt. Die Mittel dafür sollen aus einem „Beschleuniger für die industrielle Dekarbonisierung“ kommen, der Investitionen in die Infrastruktur und die energieintensive Industrie lenken werde, sowie aus einem Wettbewerbsfonds für Investitionen in eine größere Auswahl strategischer Technologien. Ein neues „Gesetz für die Kreislaufwirtschaft“ solle dazu beitragen, Marktnachfrage nach Sekundärrohstoffen zu schaffen und einen „Binnenmarkt für Abfälle“ zu etablieren, insbesondere in Bezug auf kritische Rohstoffe, berichtet Euwid. Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft, sehe mit den Plänen von der Leyens den Green Deal als fortgeschrieben an und unterstütze den angekündigten Rechtsakt über die Kreislaufwirtschaft, wird Verbandspräsidentin Anja Siegesmund zitiert. Den vorgesehenen „Clean Industrial Deal“ halte der bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung für eine Chance, die überbordenden bürokratischen Anforderungen der mittelständischen Unternehmen stark auszudünnen“, habe bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock laut eines weiteren Berichts in Euwid in einer ersten Stellungnahme erklärt.
 
Quellen:

  • Euractiv, Spiegel (18.7.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 30/2024 (23.7.2024)
Standardisierung von Kunststoffrezyklaten

Im Interview mit dem Fachmagazin Kunststoffe sprach Frank Stammer, Fachreferent für Kreislaufwirtschaft des TecPart — Verband Technische Kunststoff-Produkte e.V. und Leiter des zuständigen EU-Komitees der europäischen Normung im Bereich des Kunststoffrecyclings, über den Stand der Normungsarbeit sowie über Fortschritte und Hemmnisse auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft.

 

Neben der organisatorischen und inhaltlichen Leitung der Arbeitsgruppe gehe es auch um die Koordination der einzelnen Arbeiten zu neuen Normen sowie die Aktualisierung von bereits bestehenden Normen in Europa, erklärt Stammer zur Frage nach seinen Aufgaben als Vorsitzender der Arbeitsgruppe 11 im technischen Komitee für Kunststoffe, CEN/TC 249, die auch die Mitgliedschaft im übergeordneten Technischen Komitee für die europäische Normung von Kunststoffen umfasst. Darüber hinaus arbeite er unter anderem in Gremien zum Kunststoffrecycling von Fahrzeugen oder zum Rezyklateinsatz in elektronischen Produkten mit. Die im März vorgelegten neuen Normungsentwürfe zum Kunststoffrecycling in Europa hält Stammer für beachtlich. Zur Frage nach der Bedeutung der europäischen Recyclingnormen verweist er darauf, dass Standards wie die offiziellen europäischen EN-Normen oder auch Zertifikate wie EuCertPlast oder RecyClass es ermöglichten, Abfallströme definierbarer zu gestalten. Sie würden den Anwendern wichtige Daten und Informationen zu den Eigenschaften der Kunststoffrezyklate liefern und die Kommunikation entlang der Lieferkette vereinfachen. Dabei stellten Qualität sowie Rückverfolgbarkeit der Materialien die wichtigsten Schlüsselfaktoren und Entscheidungskriterien für ihren Wiedereinsatz dar, ohne die insbesondere im internationalen Handel Kunststoffrezyklate nicht anwendungs- und rechtssicher eingesetzt werden könnten. Herausforderungen auf dem Weg zu einer Kunststoff-Kreislaufwirtschaft sieht Stammer zum Beispiel beim Einsatz von Rezyklaten für Anwendungen mit Lebensmittelkontakt oder in der Automobil- und Elektronikindustrie. Quoten für den Rezyklateinsatz könnten laut Stammer dazu beitragen, dass der Wiedereinsatz von sekundären Rohstoffen stimuliert werde, doch reichten die heute in Europa verfügbaren Rezyklatmengen, die die EU-Kommission auf rund fünf Millionen Tonnen pro Jahr schätze, nicht aus. Auf der Grundlage der Conversio-Studie „Stoffstrombild Kunststoffe in Deutschland 2021“ würden allein in Deutschland pro Jahr circa vier Millionen Tonnen an unterschiedlichen Rezyklaten benötigt. Noch ungenutztes Potenzial für weitere Mengen sieht Stammer in der Verbesserung der Recyclingeffizienz, dem Ausbau der Aufbereitungs- und Recyclingtechnologien sowie der Bereitstellung weiterer Abfallfraktionen. Hier sei jedoch nicht nur die Industrie, sondern auch die Politik gefragt, betont Stammer, aus dessen Sicht eine „extrem aufgeblähte Bürokratie“ ein akutes Problem für alle Unternehmen der Kunststoffindustrie darstelle.
 
Quelle:

  • Kunststoffe 8/2024
Projekte zur Verbesserung der Rezyklatqualtität

Der Fachdienst Euwid berichtet in seiner aktuellen und der vorherigen Ausgabe über die beiden Projekte „RecyQuant“ und „Loopcycling“ zur Überwachung und Verbesserung der Qualität von Kunststoffrezyklaten.

 

Beim abgeschlossenen Forschungsprojekt RecyQuant der Firma Colvistec (CVT) und des Kunststoff-Zentrums SKZ sei erfolgreich ein System zur Erkennung und automatischen Korrektur von Fremdpolymeren entwickelt worden, berichtet Euwid. Grundlage des Projekts zur Überwachung und Einhaltung tolerierbarer Anteile von Fremdmaterialien im Rezyklat direkt im Prozess sei die Modellierung photometrischer Daten der Kunststoffschmelze gewesen. Es habe darauf gezielt, den Fremdpolymeranteil im laufenden Prozess zu messen und diesen durch Kopplung mit der Anlagentechnik des Extruders automatisch anzupassen, wenn Toleranzbereiche überschritten werden. Die Eignung eines chemometrischen Modells sowie der Nahinfrarottechnik zur Vorhersage des Fremdpolymeranteils seien im Projekt nachgewiesen worden. Die neue CVT-Technologie solle in Kombination von Hard- und Software als System vermarktet werden.
 
Ziel des vom Institut für Kunststoffverarbeitung (IKV) in Industrie und Handwerk an der RWTH Aachen initiierten Industrieforschungsprojekts „Loopcycling – Advanced Mechanical Recycling von flexiblen Polyethylenen“ sei es, „die Grenzen des mechanischen Recyclings deutlich zu verschieben“, um eine verbesserte Rezyklatqualität zu erreichen, berichtet Euwid an anderer Stelle. Vor dem Hintergrund der im April vom EU-Parlament angenommenen EU-Verpackungsverordnung (PPWR) mit den darin festgelegten Mindestzielen für den Rezyklatanteil in Kunststoffverpackungen müsste nach Einschätzung des IKV insbesondere der Rezyklatanteil in kontaktsensitiven Anwendungen im Lebensmittel- und Kosmetikbereich deutlich gesteigert werden. Ansetzen werde das Projekt nach Angaben des IKV zunächst bei der Optimierung existierender industrieller Verfahren für gängige Polyolefin-Sortierfraktionen aus der haushaltsnahen Sammlung von Verpackungsabfällen. Daraus sollen auch zukünftige Design-for-Recycling-Standards abgeleitet werden. Die gesamte Prozesskette des mechanischen Recyclings – von Sortierung, Shreddern, Waschen und De-Inking bis hin zur Compoundierung mit Stabilisatoren, Dekontaminierung und Geruchsentfernung – werde einbezogen. Auch die Charakterisierung der Rezyklate sowie eine erneute Verarbeitung und Anwendung werden Themen des Projektes sein, zitiert Euwid aus der Projektbeschreibung. „Loopcycling“ sei als reines Industrieprojekt ohne öffentliche Förderung konzipiert. Das IKV übernehme die Projektkoordination, führe in seinen Einrichtungen Compoundierungs- und Wiederverarbeitungsversuche durch und bringe darüber hinaus seine Expertise in der Rezyklatcharakterisierung ein. Zu einem Kick-off Termin am 10. September 2024 im IKV in Aachen seien interessierte Recycler, Anwender von Rezyklaten, Verpackungshersteller, Brand Owner und Retailer eingeladen
Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 32/2024 (6.8.2024)
  • Euwid Recyling und Entsorgung 33/2024 (13.8.2024)

05.07.2024 - 11.07.2024

Kronimus: Game Changer Digitalisierung

Im Rahmen der Wittman Competence Days sprach Dr. Alexander Kronimus, kommissarischer Hauptgeschäftsführer und Leiter des Geschäftsbereichs Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft des Kunststofferzeugerverbands PlasticsEurope Deutschland, im Interview mit dem Plastverarbeiter über den Beitrag der Digitalisierung zur Kunststoffkreislaufwirtschaft. Kronimus erklärt sie zum Game Changer sowohl in der Produktion als auch für die Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen.

 

Die Digitalisierung helfe, Kunststoffe effektiver im Kreislauf zu führen, sagt Kronimus im Gespräch mit dem Plastverarbeiter. Als bereits umgesetzte Beispiele nennt er etwa vollautomatisierte Produktionsprozesse, effizienzoptimierte Arbeitsabläufe, Tracing-Technologien oder durch KI optimiertes Produktdesign, das den Materialeisatz verringere und wodurch Produkte wiederverwendbar und reparierbar würden. KI-gestützte Sortierverfahren und digitale Zwillinge kämen selbst bei komplexen Kunststoffanwendungen zum Einsatz, wie etwa bei Automobilen oder Smartphones, um sie automatisiert zu demontieren und zu recyceln. Auch bei der Compoundierung von Rezyklaten könne der Einsatz von KI zum Beispiel im Bereich Materialanalysen helfen, so Kronimus. In der Abfallbewirtschaftung sorge die Digitalisierung für eine effiziente und effektive Sortierung von Abfallströmen. Und in der Prozesstechnik komme sie zur Optimierung der Produktion, Verringerung von Testläufen oder des Ressourcenverbrauchs zum Einsatz. Auch Lieferprozesse, Logistik und Kommunikation in der Wertschöpfungskette seien längst digitalisiert. Gar essenziell sei die Digitalisierung für die Umsetzung zirkulärer Geschäftsmodelle wie etwa für digitale Plattformen und Marktplätze für Rezyklate sowie für die Transformation zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Kreislaufwirtschaft. Hier sei die europäische Kunststoffindustrie bereits auf dem Weg dahin, sagt Kronimus und verweist darauf, dass 19,5 Prozent aller neu produzierten Kunststoffe in der EU aus recycelten und nicht-fossilen Rohstoffen bestehen. Gemäß eines Fahrplans des Verbands, der Transition Roadmap von Plastics Europe, sei aber mehr Tempo nötig, um das Ziel, bis 2050 rund 65 Prozent Kunststoffe aus nicht-fossilen Rohstoffen herzustellen, zu erreichen. Damit die Transformation gelinge, müssten jedoch schon heute große Investitionen getätigt werden, und es brauche in Deutschland und der EU dazu geeignete Rahmenbedingungen, erklärt Kronimus.
 
Quelle:

  • Plastverarbeiter (5.7.2024)
Verbände zum Entwurf für eine Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS)

Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft und der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW) begrüßen laut Berichten von Fachmedien in einer gemeinsamen Mitteilung den Entwurf der Bundesregierung für die NKWS als ambitioniert, fordern aber klare Produktverantwortung und Investitionssicherheit für Unternehmen. Kritik am Entwurf komme vom bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung. Überwiegend zustimmend hätten sich VCI und PlasticsEurope Deutschland geäußert, die aber auch manche Punkte kritisch sähen.

 

Das zentrale Ziel, den Rohstoffverbrauch pro Kopf bis 2045 auf acht Tonnen jährlich zu halbieren, werde von den Verbänden als wegweisend betrachtet. Dies könne jedoch nur realisiert werden, wenn zirkuläre Geschäftsmodelle das Konsumverhalten tiefgreifend veränderten. Für ebenso wichtig hielten BDE und BNW die Verdopplung des Anteils von Recyclingrohstoffen. Das ambitionierte Ziel benötige allerdings Unterstützung durch branchenweite Änderungen. Hochwertiges Recycling liefere die Rohstoffe der Zukunft und schaffe Krisenresilienz, wofür es klare politische Leitplanken und eine kluge Regulatorik brauche, wird BDE-Präsidentin Anja Siegesmund in Circular Economy zitiert. Sie plädiere für eine stärkere Konzentration auf die Umsetzung und Investitionen in neue Infrastruktur. Der BDE begrüße auch den Fokus der NKWS auf ein Produktrecht, das Hersteller stärker in die Pflicht nehme, ihre Produkte im Kreislauf zu denken. Insgesamt fehle in der NKWS aus Sicht des BDE aber ein klarer Plan, wie die Ziele konkret erreicht werden und die Instrumente in der Fläche wirken könnten, zitiert das Recyclingmagazin aus einer weiteren Stellungnahme des Verbands. Ohne eine passende Marktregulatorik entstünden keine dynamischen Märkte für recycelte Rohstoffe, ohne erleichterte Genehmigungsprozesse werde die Recyclinginfrastruktur kaum wachsen und ohne einen flächendeckenden Vollzug von Bundesrecht in den Ländern scheitere die Kreislaufwirtschaft bereits an der Getrennterfassung wertstoffhaltiger Abfälle, heiße es in der Verbandsmitteilung weiter.
 
Die Ziele zur Senkung des Primärrohstoffverbrauchs sowie zur Schließung von Stoffkreisläufen der NKWS begrüße auch der bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung ausdrücklich, kritisiere aber das Fehlen konkreter Vorschläge für entsprechende Maßnahmen, berichtet Euwid. Auch mangele es an konkreten Zeitangaben für die Zielerreichung. Konkrete Vorschläge mit Zeitplan habe sich der Verband zum Beispiel beim Ende der Abfalleigenschaft, der Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und der öffentlichen Beschaffung erhofft. Als positiv erachte der Verband, dass der Strategieentwurf neben der Klimaneutralität auch die Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit in den Fokus nehme. Weitere Kritikpunkte des bvse beträfen unter anderem eine Benachteiligung des Mittelstands bei der Festlegung von Normen sowie die pauschale Forderung der NKWS nach Mehrwegverpackungen. Kritisch sehe der bvse auch, dass die Bundesregierung das Massenbilanzverfahren für chemisch recycelte Kunststoffe nach der „Fuel Use Exempt“-Methode mit dem Hinweis auf sonst ausbleibende Investitionen unterstützen wolle, und fordere hierzu eine zeitliche Begrenzung bis zum Jahr 2035.
 
Überwiegend positiv bewerteten der Verband der Chemischen Industrie (VCI) und der Verband der Kunststofferzeuger Plastics Europe Deutschland den Entwurf des Bundesumweltministeriums zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS), berichtet Euwid in einem weiteren Beitrag. Die NKWS sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um den Übergang zur Kreislaufwirtschaft voranzutreiben, zitiert Euwid aus einer Stellungnahme der Verbände. Kritisch gesehen werde unter anderem der Vorschlag, polymerspezifische Rezyklatquoten einzuführen. Auch bemängelten die Verbände aus ihrer Sicht undifferenzierte Reduktionsziele, etwa die Senkung des Primärrohstoffverbrauchs sowie eine mögliche Besteuerung der heimischen Rohstoffgewinnung.
 
Quellen:

  • recyclingmagazin.de (8.7.2024)
  • umweltwirtschaft.com (9.7.2024)
  • umweltwirtschaft.com, recyclingmagazin.de (10.7.2024)
  • zwei Berichte in euwid-recycling.de (11.7.2024)
Ergebnisse zum Pilotprojekt „Mehrweg Modell Stadt“

Die Ergebnisse eines Pilotprojekts in Mainz und Wiesbaden, bei dem Mehrwegbecher auch über eigens aufgestellte Säulen im öffentlichen Raum zurückgegeben werden konnten, seien ernüchternd, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Mit 87 Prozent seien die meisten Becher wieder in den Betrieben und nicht an den Automaten zurückgegeben worden, berichtet der Fachdienst Euwid.

 

Während der Testphase seien in den beteiligten Cafés und Bäckereien rund 200.000 Einwegbecher über die Ladentheke gegangen, ist in der FAZ zu lesen. Die in den Fußgängerzonen aufgestellten 40 Automaten seien zur Rückgabe nur für 17 Prozent der Becher genutzt worden. Die Mehrwegquote sei nach Angaben der Initiatoren in der Testphase zwar gestiegen, aber nur auf ein „sehr niedriges Niveau“, schreibt die FAZ. Die Ergebnisse des Versuchs zeigten, dass regionale Kreisläufe im Vordergrund stünden und sich die Automaten als wenig praktikabel erwiesen hätten, zitiert Euwid aus einer Mitteilung der Initiatoren. 80 Prozent der ausgegebenen Becher seien bei derselben Bäckereikette, 60 Prozent sogar in der gleichen Filiale wieder zurückgegeben worden. Eine entscheidende Stellschraube für die Nutzung von Mehrweg stellten finanzielle Anreize dar, schreibt Euwid weiter. Bürgerbefragungen im Rahmen des Projektes hätten ergeben, dass 60 Prozent Mehrweg häufiger nutzen würden, wenn es günstiger als Einweg wäre. Die Stadt Wiesbaden prüfe in diesem Zusammenhang bereits die Möglichkeiten für die Einführung einer Einwegverpackungssteuer nach dem Tübinger Vorbild.
 
Quellen:

  • FAZ (8.7.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 28/2024 (9.7.2024)

28.06.2024 - 04.07.2024

Vom Green Deal zum Green Growth Deal

Im sich noch neuformierenden EU-Parlament und der EU-Kommission, deren Chefin wohl die für eine zweite Amtszeit nominierte Ursula von der Leyen sein wird, tritt der Green Deal laut Medienberichten zugunsten der Wirtschaft in den Hintergrund. Für die Stuttgarter Zeitung ist es gar „ein leiser Abschied“. Laut Euractiv bekräftige die EVP zwar das Bekenntnis der Partei zu den aktuellen Klimazielen der EU, lege aber einen stärkeren Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit und Energiesicherheit.

 

So schlage die EVP vor, „den Green Deal fortzuführen und ihn in einen Green Growth Deal umzuwandeln“, zitiert Euractiv aus dem Entwurf eines Fünfjahresplans der Partei. Dieser „Fünf-Punkte-Plan“ enthalte ein Bekenntnis der EVP zu den aktuellen Dekarbonisierungszielen der EU für 2030 und 2050 sowie die Verpflichtung, sich „von fossilen Brennstoffen weg und zu sauberer Energie“ hinzubewegen, reduziere aber den Umweltschutz im Vergleich zum Green Deal, schreibt Euractiv. Die EU wolle in Zukunft mehr für die Wirtschaft und weniger für den Klimaschutz tun, ist in einem Bericht der Stuttgarter Zeitung zu lesen. Das gehe aus ihrer Strategischen Agenda hervor, die beim EU-Gipfel Ende Juni in Brüssel beschlossen wurde. Darin werde der Green Deal deutlich entkernt und in die zweite Reihe gerückt zugunsten von Wirtschaft und Verteidigung. Man wolle „gemeinsam wesentlich mehr und besser investieren“, zitiert die Stuttgarter Zeitung aus der Agenda, die betone, dass die Europäische Union auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2050 „pragmatisch vorgehen“ werde. Der grüne Wandel sei kein Selbstzweck, sondern solle bei der Schaffung von „Märkten, Industrien und hochwertigen Arbeitsplätzen der Zukunft“ helfen. Vor allem solle auch verhindert werden, dass Europa den Anschluss an die anderen großen Wirtschaftsräume verliert.
 
Quellen:

  • Stuttgarter Zeitung (28.6.2024)
  • Euractiv (2.7.2024)
Von Deckeln und Bechern

Berichte der Tages-, Wochen- und Fachmedien widmen sich dem Start der „Tethered Cap“ Pflicht, wonach lose Verschlusskappen bei Einwegverpackungen, deren Deckel aus Kunststoff bestehen, wie etwa bei Saftkartons oder Einweg-PET-Flaschen, seit dem 3. Juli 2024 zur Reduzierung von Plastikmüll in der Umwelt verboten sind. Die Fachpresse berichtet, dass sich die Industrie gegen eine Entscheidung des Umweltbundesamtes (UBA) wehre, bestimmte Becher aus Kunststoff künftig mit einer Sonderabgabe zu belegen.

 

Die fest mit der Verpackung verbundenen Deckel gebe es bereits, seit die Verordnung, die die Vorgaben einer EU-Richtlinie in Deutschland regelt, am 3. Juli 2021 mit einer dreijährigen Übergangsfrist in Kraft getreten sei, berichtet etwa die Tagesschau. Seit der Einführung der Regelung hätten viele Unternehmen ihre Getränke nach und nach umgerüstet, um die neuen Anforderungen zu erfüllen. Verbraucherverbände kritisierten die Regelung als wenig zielführend, und Konsumenten seien von den neuen Verschlüssen genervt, ist im Bericht der Tagesschau zu lesen. Hintergrund der EU-Vorgabe seien Müllzählungen, wonach lose Verschlüsse zusammen mit Plastikflaschen zu den häufigsten Abfallprodukten zählten, die an Stränden zu finden sind, berichtet der WDR. Nach Ansicht des Experten für Verpackungstechnologie und Nachhaltigkeit an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, Professor Eugen Herzog, sei der angebundene Deckel angesichts der Menge an Getränkeverpackungen durchaus sinnvoll. Er rechne vor, dass man bei einer Million Flaschen auf fast zwei Tonnen Plastik komme. Würden diese dem Recyclingkreislauf zugeführt werden, ließe sich in der Kunststoffproduktion viel einsparen, was nicht nur die Umwelt, sondern auch das Klima schone. Große Hersteller wie etwa Coca Cola oder Gerolsteiner hätten ihre Produktion bereits vor Ablauf der Übergangsfrist am 3. Juli 2024 umgestellt, schreibt die Frankfurter Rundschau. Das Recyclingmagazin berichtet, dass sich nach Angaben der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen die Umstellung auf Tethered Caps in der Praxis der Unternehmen bereits etabliert habe. Es erfordere zwar eine gewisse Anpassung seitens Industrie und Verbraucher, sei jedoch ein weiterer Schritt zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und zum Vermeiden des achtlosen Wegwerfens, wird Mara Hancker, IK-Geschäftsführerin Kommunikation, im Bericht des Recyclingmagazins zitiert.
 
Eine Entscheidung des Umweltbundesamtes (UBA) im Rahmen des Einweg-Kunststoff-Fonds-Gesetzes (EWKFondsG) entgegen der Empfehlung der Einwegkunststoffkommission zu Bechern ohne Deckel, die als industrielle Vorprodukte an Abfüller für das Milcherzeugnis Ayran geliefert werden, wird von der IK laut Euwid dagegen heftig kritisiert. Diese sollen laut UBA als „Getränkebecher“ klassifiziert werden und demzufolge künftig mit einer Sonderabgabe von 1.236 € pro Tonne belegt werden. Unter anderem bestünden erhebliche Zweifel, ob unbefüllte industrielle Vorprodukte wie leere Becher ohne Deckel überhaupt unter das Gesetz fielen.
 
Quellen:

  • Frankfurter Rundschau (1.7.2024)
  • recyclingmagazin.de (2.7.2024)
  • tagesschau.de, wdr.de, euwid-recycling.de (3.7.2024)
Kunststoffe im Kreislauf halten

Laut eines EU-Monitoringtools gibt es in der Kreislaufführung von Kunststoffen leichte Fortschritte, berichtet Euwid. Um Kunststoffe im Kreislauf zu halten, werden mehr Kapazitäten für mechanisches und chemisches Recycling benötigt, war man sich laut eines weiteren Berichts in Euwid einig bei einer Podiumsdiskussion während der Plastics Recycling Show (PRSE) in Amsterdam. Mechanisches und chemisches Recycling ergänzen sich, erklärt Michael Lackner, Geschäftsführer bei Lindner, in einem Gespräch mit dem Magazin Circular Technology.

 

Das Überwachungstool zur Überprüfung der Fortschritte in der Kreislaufführung von Kunststoffen sei Teil des „Circularity Metrics Lab“ der Europäischen Umweltagentur (EUA) und nutze verschiedene Quellen wie europäische Datenbanken, nationale Statistiken und Umfragen, um Erkenntnisse über die Fortschritte bei der Entwicklung der Kreislaufwirtschaft zu gewinnen, berichtet Euwid. Den erhobenen Daten zufolge seien wachsende Kapazitäten für das mechanische Recycling, rückläufige Exporte von Kunststoffabfällen, steigende Produktionskapazitäten für Biokunststoffe sowie ein zunehmender Rezyklateinsatz zu verzeichnen, zitiert Euwid aus einem aktuellen EUA-Briefing, das allerdings auch auf negative Trends und Auswirkungen hinweise. So werde etwa der anhaltend hohe Kunststoffverbrauch in Europa noch weiter wachsen und große Mengen Meeresmüll an Europas Stränden zu finden sein.
 
Während einer Diskussion im Rahmen der PRSE am 20. Juni 2024 über die Komplementarität von chemischem und mechanischem Kunststoffrecycling waren sich Dominick Spanken vom Fraunhofer LBF, Bart Dautzenberg, Senior Manager Circular Economy bei Sabic, und Jim Armstrong, Chemical Recycling Task Force Chairman bei Plastic Recyclers Europe (PRE) teilnahmen, einig darüber, dass technische Fortschritte beim Recycling und ein Ausbau der Kapazitäten notwendig seien, berichtet Euwid an anderer Stelle. Sie sähen Raum für mechanische, lösungsmittelbasierte und chemische Recyclingtechnologien. Auch gebe es grundsätzlichen Konsens darüber, dass leicht zu recycelnde Monoströme grundsätzlich ins mechanische Recycling fließen sollten und für das chemische Recycling insbesondere gemischte oder verschmutzte Abfälle geeignet seien. Eine erste Generation an chemischen Recyclinganlagen im industriellen Maßstab werde nach Einschätzung der Diskussionsteilnehmer innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre in Betrieb genommen. Um weitere Investitionen auf den Weg zu bringen, sei allerdings auch Unterstützung seitens der Politik von Nöten, vor allem die offizielle Anerkennung des chemischen Recyclings in den Rezyklateinsatzquoten der EU-Verpackungsverordnung, so die Forderung von Dautzenberg und Armstrong.
 
Den größtmöglichen Anteil des Kunststoffs ins mechanische Recycling zu bringen und zu hochwertigen Werkstoffen aufzubereiten, ist Ziel des österreichischen Recyclingspezialisten Lindner, erklärt Geschäftsführer Michael Lackner im Gespräch mit Circular Technology. Allerdings gebe es Materialströme, die nur durch den Einsatz des chemischen Recyclings in ein gleich- oder höherwertiges Produkt verwandelt werden könnten. Das mechanische und chemische Recycling ergänzten sich und stünden nicht in Konkurrenz zueinander, so Lackner. Aus seiner Sicht liege die Lösung in regionalen Kaskaden, die wiederum größere, zentraler organisierte Anlagen beliefern und dabei die Priorität auf die jeweils ökologisch günstigste Verwertungsart setzen.
 
Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 27/2024, circular-technology.com (1.7.2024)
  • euwid-recycling.de (2.7.2024)