2024 Archiv Quartal 1

15.03.2024 - 21.03.2024

Kunststofferzeugung „in schwerster Krise seit Bestehen“

So habe Ralf Düssel, Vorsitzender des Verbandes Plastics Europe (PED) der Kunststofferzeuger in Deutschland und Manager beim Chemiekonzern Evonik, die Lage der deutschen Kunststoffhersteller angesichts aktueller Zahlen bei der Wirtschaftspressekonferenz laut Berichten von Tages- und Fachmedien zusammengefasst.

 

Im Jahr 2023 sei die Kunststoffproduktion in Deutschland im zweiten Jahr in Folge zurückgegangen, ein Ende dieser Entwicklung sei nicht in Sicht, zitiert etwa die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) den PED-Vorsitzenden. Auch der Umsatz sei daraufhin um ein gutes Fünftel eingebrochen. Als Grund habe Düssel ein „flächendeckendes Nachfrageproblem der deutschen Industrie“ sowie fehlende Impulse aus dem Ausland genannt. Zudem hemmten die in Deutschland hohen Produktionskosten, verursacht vor allem durch hohe Arbeitskosten und Energiepreise, eine Erholung. Kunststoff Information (KI) zitiert auch die konkreten Zahlen: Die Produktion von Primärkunststoffen sei nach Angaben des Verbands im Jahr 2023 um 15,3 Prozent zurückgegangen, der Umsatz aufgrund der stark rückläufigen Nachfrage nach Kunststoffen um 21,9 Prozent auf 27,5 Milliarden Euro gesunken. Düssel zufolge, der von der schwersten Krise der Industrie seit ihrem Bestehen spreche, sei die Lage ernst, schreibt Kunststoffe. Mit einer schnellen Erholung noch in diesem Jahr rechne man nicht, auch für das Jahr 2024 gehe man von einer Stagnation der Produktion von Kunststoffen in Deutschland aus. Der Verband hoffe nun auf Impulse aus der Politik, etwa durch das Wachstumschancengesetz. Der derzeit im Bundesrat feststeckende Vorschlag reiche jedoch nicht aus. Wichtig seien auch Investitionen in innovative Technologien, wie den Ausbau mechanischer und chemischer Recyclingverfahren sowie alternativer Kohlenwasserstoffquellen, wird PED-Hauptgeschäftsführer Ingemar Bühler in Kunststoffe zitiert.
 
Quellen:

  • FAZ, Kunststoff Information (15.3.2024)

  • kunststoffe.de (18.3.2024)
Chemisches Recycling unterschiedlich bewertet

Bezug nehmend auf einen Bericht des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) zu Strategien und Instrumenten zur Verbesserung des Rezyklateinsatzes habe das Science Media Center (SMC) Expertinnen und Experten aus der Kunststoffforschung zu deren Einschätzung chemischer und bioenzymatischer Recyclingverfahren befragt, berichtet Euwid. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) spricht die Professorin für Technische Chemie der RWTH Aachen, Regina Palkovitz, über Chancen und Herausforderungen des chemischen Recyclings von Kunststoffen.

 

In dem TAB-Bericht, auf den sich SMC beziehe, seien chemische Recyclingverfahren, die unter anderem aufgrund ihres derzeit hohen Energieverbrauchs umstritten seien, als perspektivisch ergänzende Lösungen für Abfälle genannt worden, die werkstofflich nicht recycelbar sind, schreibt Euwid und gibt die Einschätzung Forschender verschiedener Institute und Universitäten wieder, die das SMC zu chemischen Recyclingverfahren befragt habe: Uwe Bornscheuer, Professor am Institut für Biochemie der Universität Greifswald, sehe für die chemischen Recyclingverfahren aktuell vor allem bei PET Potenziale. Hier könnten sie „ein wirkliches Kreislaufrecycling“ ermöglichen, sage Bornscheuer und verweise dazu auf das enzymatische Recyclingverfahren der Firma Carbios für PET aus Getränkeflaschen und Polyester-Textilfasern. Die Ökobilanz bereits etablierter Verfahren wie der Pyrolyse oder Solvolyse sei etwa wegen der hohen Energiekosten „sehr fraglich“, so Bornscheuer. Johannes Betz, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Ressourcen & Mobilität am Öko-Institut in Darmstadt, und Henning Wilts, Abteilungsleiter Circular Economy am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, lehnten eine Gleichsetzung von werkstofflichem und chemischem Recycling im Verpackungsgesetz aus unterschiedlichen Gründen ab, zitiert Euwid die Einschätzung dieser beiden Experten. Betz befürchte, dass eine Gleichstellung zu einer Verdrängung werkstofflicher Verfahren führen könne, halte aber die Einführung einer zusätzlichen Recyclingquote für die chemischen Verfahren für denkbar. Wilts rate zu einer „Grundsatzdebatte um das Ob des chemischen Recyclings“ sowie zu einem Steuerungssystem, das den Einsatz des chemischen Recyclings auf Abfallfraktionen begrenze, bei denen es ökologisch sinnvoll sei. Regina Palkovits, Professorin für Heterogene Katalyse und Technische Chemie an der RWTH Aachen, sehe laut ihrer in Euwid wiedergegebenen Einschätzung durchaus Potenzial für chemisches und bioenzymatisches Recycling bei Kunststoffrestströmen, die bislang energetisch verwertet würden. Hierdurch entstünden Rezyklate mit Eigenschaften und Qualität von Primärkunststoffen, was für die Steigerung des Rezyklateinsatzes von zentraler Bedeutung sei. Als aktuell industriell und wirtschaftlich anwendbar hebe Palkovits insbesondere die Pyrolyse hervor. Bei den übrigen Verfahren wie Vergasung und Verflüssigung oder auch bioenzymatischen Verfahren sehe sie noch Forschungsbedarf. Im Interview mit der FAZ antwortet Palkovitz auf die Frage, ob das chemische Recycling eine Lösung sei für Kunststoffabfälle aus verschiedenen Kunststoffsorten, die man nicht werkstofflich recyceln kann, dass die Verfahren heute noch auf Einzelströme hoher Reinheit ausgelegt seien. Die chemische Industrie sei allerdings geübt darin, mit komplexen Eingangsströmen umzugehen, und im Prinzip ließe sich in den Anlagen auch ein Rohstoffstrom aus unterschiedlichen Kunststoffsorten verarbeiten. Auch mit den vielen unterschiedlichen Zusatzstoffen, die Kunststoffprodukte enthielten, sei das chemische Recycling durchaus möglich, jedoch nur mit aufwendigen Trennprozessen, sagt Palkovitz. Der wirtschaftlichen Umsetzung des Recyclings würde es ihrer Ansicht nach drastisch helfen, wenn weniger Stoffe sowie einheitlichere Zusatzstoffe verwendet würden, was an vielen Stellen durch geschicktes Produktdesign möglich sei. Kreislauffähigkeit müsse daher eine viel höhere Bedeutung gewinnen, betont Palkovitz im Interview mit der FAZ.
 
Quellen:

  • FAZ (18.3.2024)

  • Euwid Recycling und Entsorgung 12/2024 (19.3.2024)
PPWR: nach Zustimmung im Umweltausschuss erneut harsche Kritik der Verpackungshersteller

„Milchdöschen ade“ titelt die Süddeutsche Zeitung (SZ) in einem Bericht über die Zustimmung des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments zu einem Kompromiss für die EU-Verpackungsverordnung (PPWR). Bei den Regeln für Papier- und Kartonverpackungen und hinsichtlich der Mehrwegquoten für Fast-Food-Ketten wie McDonalds falle der Gesetzestext jedoch weit weniger streng als die ursprüngliche Fassung der EU-Kommission aus, so die SZ. Die Hersteller von Kunststoffverpackungen, die noch auf Änderungen gehofft hätten, kritisierten dagegen, dass es aus ihrer Sicht auch nach dem Votum des Umweltausschusses bei einer „Anti-Plastik-Verordnung“ geblieben sei, ist in Berichten der Fachpresse zu lesen.

 

Kein anderes EU-Umweltgesetz wirke sich so unmittelbar auf Bürger und Unternehmen aus, schreibt die SZ und geht auf einzelne Regelungen der PPWR ein wie unter anderem die geplanten Verbote von Einwegverpackungen aus Kunststoff für Kleinstverpackungen, das Verbot von Verpackungen aus Kunststoff für Obst und Gemüse, die vorgesehenen Rezyklateinsatzquoten für PET-Verpackungen (2030: mindestens 30 Prozent, 2040: mindestens 50 Prozent) oder die Pflicht zur Einführung von Einweg-Pfandsystemen für alle Mitgliedsstaaten. Für Papier und Pappe seien in den Verhandlungen im EU-Parlament sowie zwischen Parlamentariern und Vertretern der Mitgliedstaaten Vorgaben abgeschwächt oder gestrichen worden, was zu einem weiteren Anstieg dieser Verpackungen führen könne. Durch intensive Lobbyarbeit würden Fast-Food-Ketten laut SZ nun keiner strengen Mehrwegpflicht unterworfen. Nach Berichten der Fachpresse kritisierten insbesondere die Hersteller von Kunststoffverpackungen erneut Schlupflöcher, die ihrer Ansicht nach zu einer ungerechtfertigten Privilegierung anderer Verpackungsmaterialien wie Papier und Karton führten und mit den Zielen der Verordnung nicht vereinbar seien. Außerdem steuere die EU nach Ansicht des IK Industrieverbands Kunststoffverpackungen durch die kurzfristig hinzugefügte sogenannte „Spiegelklausel“ auf massive Handelskonflikte zu. Die Klausel sehe vor, dass für den Herstellungsprozess von Kunststoffrezyklaten und damit für den Import von in Kunststoff verpackten Waren aus Drittstaaten die gleichen Umweltvorgaben wie in der EU gelten müssten, damit sie in der EU in Verkehr gebracht werden dürften. Die IK appelliere an die EU-Kommission, sich insbesondere zu den mit der Regelung verbundenen Handelsbarrieren zu äußern. Außerdem fordere die IK die Kommission auf, die massive Ausweitung der Mehrwegquoten für Industrieverpackungen auf 100 Prozent, die technisch in vielen Fällen nicht möglich sowie ökologisch unsinnig sei und einem Verbot vieler Verpackungstypen gleichkomme, zurückzuweisen.
 
Quellen:

  • neue-verpackung.de, recyclingmagazin.de (18.3.2024)
  • euwid-recycling.de (19.3.2024)
  • Süddeutsche Zeitung (20.3.2024)

08.03.2024 - 14.03.2024

Die (Kunststoff)Industrie klimafreundlich gestalten

Klimaschutzverträge der Bundesregierung sollen energieintensive Unternehmen dabei unterstützen, auf eine klimafreundliche Produktion umzustellen. Das berichten Tages- und Wochenmedien. Im Interview mit Kunststoffe erläutert Dr. Helen Fürst, Präsidentin des GKV Gesamtverbands Kunststoffverarbeitende Industrie und Geschäftsführerin der Fürst GmbH, wie die „Initiative Klimaschutz Kunststoffindustrie“ dazu beitragen will, die Branche klimafreundlich und nachhaltig zu gestalten.

 

Anfang der Woche hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) das erste Gebotsverfahren für sogenannte Klimaschutzverträge eröffnet, in dem sich Unternehmen aus energieintensiven Branchen wie Chemie, Zement, Papier oder Gips in einem Auktionsverfahren in der ersten von vier geplanten Runden um Fördermittel in Höhe von vier Milliarden Euro bewerben können, wie etwa das Handelsblatt berichtet. Der Industriesektor sei für rund ein Fünftel der in Deutschland ausgestoßenen Kohlendioxidemissionen verantwortlich. Insgesamt sei für das Instrument der Klimaschutzverträge eine zweistellige Milliardensumme, finanziert aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF), vorgesehen. Damit wolle Habeck sicherstellen, dass die Transformation in den Unternehmen, von denen derzeit noch viele aus Kostengründen auf fossile Energieträger wie Gas, Öl oder Kohle setzten, gelingt. Insgesamt solle bis zum Jahr 2045 der Ausstoß von rund 350 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermieden werden, was laut Habeck allein über den CO₂-Preis nicht möglich sei. Über einen Zeitraum von 15 Jahren verpflichte sich der Staat in den Klimaschutzverträgen, anfallende Mehrkosten für die notwendigen Investitionen der Unternehmen in klimafreundlichere Technologien sowie die anschließenden Betriebskosten zu übernehmen, geht aus einem Bericht der Tagesschau hervor. In der ersten jetzt anlaufenden Phase könnten sich allerdings nur Unternehmen bewerben, die schon im vergangenen Jahr Interesse bekundet hätten, berichtet die FAZ. Für ihre Gebote, bei denen sie ihre erwarteten Extrakosten kalkulieren und angeben müssten, wie viel Euro sie zur Einsparung einer Tonne Kohlendioxid benötigen, hätten die Unternehmen vier Monate Zeit. Diejenigen mit den günstigsten Geboten sollen binnen zwei Monaten vom Bundeswirtschaftsministerium den Zuschlag erhalten. Der BDI Bundesverband der Deutschen Industrie habe den Start der Ausschreibung begrüßt, berichtet etwa die Süddeutsche Zeitung. Für die klimaneutrale Transformation der Wirtschaft sei eine umfangreiche staatliche Unterstützung nötig, wird BDI-Chef Siegfried Russwurm dort zitiert. Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), sehe laut SZ in den Klimaschutzverträgen „ein positives Signal“. Große Entrup plädiere dafür, sie langfristig zu etablieren und auch neue Technologien wie chemisches Recycling zu unterstützen. Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace halte die Klimaschutzverträge grundsätzlich für sinnvoll, fürchte allerdings, die konkreten Bedingungen könnten zu lax im Sinne des Klimaschutzes ausgestaltet werden, ist in der SZ zu lesen.
 
In der Kunststoffindustrie klimaneutrale Herstellungsprozesse und klimaneutrale Produkte zu etablieren, ist Ziel der „Initiative Klimaschutz Kunststoffindustrie“. Über die Initiative, die der GKV gemeinsam mit dem Hauptverband der Deutschen Holzindustrie und Kunststoffe verarbeitenden Industrie (HDH) ins Leben gerufen hat, sprach das Fachmagazin Kunststoffe im Interview mit der GKV-Präsidentin und Geschäftsführerin der Fürst GmbH, Dr. Helen Fürst. Zur Frage, wie es die Industrie vor dem Hintergrund der von ihr verursachten Treibhausgasemissionen schaffe, ein Teil der Lösung für mehr Klimaschutz zu werden, betont Fürst, dass Kunststoffprodukte wie Verpackungen, Dämmmaterial oder der Leichtbau von Fahrzeugen bereits während der Nutzungsphase erheblich zur Einsparung von Treibhausgasemissionen beitrügen. Darüber hinaus verweist sie darauf, dass viele Unternehmen der Kunststoffindustrie sich bereits seit Jahren mit Aspekten der Nachhaltigkeit beschäftigten wie insbesondere dem Energie- und Ressourcenverbrauch, wo sie schon aus Kostengründen massiv in Effizienzsteigerungen investiert hätten. Mit Blick auf die voranschreitende Erderwärmung und die Klimaziele in Deutschland und Europa seien zusätzliche konkrete Klimaschutzmaßnahmen erforderlich, so Fürst. Langfristig den CO₂-Fußabdruck der Unternehmen zu reduzieren und Energiekosten zu senken, sei Ziel der „Initiative Klimaschutz Kunststoffindustrie“. Teilnehmende Unternehmen bekämen konkrete Unterstützung und Werkzeuge an die Hand, sagt Fürst. Voraussetzung für die Teilnahme an der Initiative sei die Bereitschaft zur Verbesserung der eigenen Klimabilanz, was, betont Fürst, in aller Regel mit betriebswirtschaftlichen Vorteilen einhergehe. Am Anfang stehe die Bestandsaufnahme der Treibhausgasemissionen, auf deren Basis Lösungen für eine Verbesserung der Klimabilanz des jeweiligen Unternehmens entwickelt werden. Im Rahmen der Verpflichtung, den CO₂-Fußabdruck mindestens alle zwei Jahre berechnen zu lassen und um für Transparenz bezüglich der Emissionen zu sorgen, werden laut Fürst die direkten und indirekten Emissionen (Scope 1, 2 und 3) der Unternehmen erfasst und daraus Reduktionsszenarien abgeleitet. Darüber hinaus könnten teilnehmende Unternehmen auch die beiden Labels „Klimaneutrales Unternehmen“ und „Klimaneutrales Produkt“ erhalten. Produkte, die als klimaneutral bezeichnet werden dürften, setzten eine CO₂-Bilanz auf Produktebene voraus, erklärt Fürst. Für das Label „Klimaneutrales Unternehmen“ müssten Firmen neben der CO₂-Bilanz und einem Reduktionsplan zudem die verbleibenden Treibhausgas-Emissionen durch Investitionen in Klimaschutzprojekte – etwa über den Zukauf von Zertifikaten – ausgleichen. Dabei handele es sich, so Fürst, um ein sehr effektives Umweltschutzinstrument und verweist auf eine Studie von Ecosystem Marketplace vom Oktober 2023. Demnach seien Unternehmen, die mit CO₂-Zertifikaten zum Ausgleich von THG-Emissionen arbeiten, aktiver im Klimaschutz, transparenter in ihrer Klimaberichterstattung und erfolgreicher in der Reduzierung ihrer CO₂-Emissionen.
 
Quellen:

  • Handelsblatt, tagesschau.de, faz.net, sueddeutsche.de, focus.de, spiegel.de (12.3.2024)

  • Kunststoffe 3/2024
Kunststoffverpackungen: mehr Recycling, weniger Verbrauch

Laut Berichten in Fachmedien liegt die mittlerweile 30. Ausgabe der Recyclingbilanz für Verpackungen vor. Für das Recycling von Kunststoffverpackungen dokumentiere die von der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung im Auftrag der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen erstellte Studie eine sehr erfreuliche Entwicklung.

 

Laut GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung habe das Recycling von Kunststoffverpackungen demnach im Jahr 2022 um 2,1 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr zugenommen, im Bereich des privaten Endverbrauchs betrage der Zuwachs beim Recycling 3,5 Prozentpunkte. Damit liege die Recyclingquote für Kunststoffverpackungen bezogen auf den Gesamtmarkt bei 65,6 Prozent– im Bereich des privaten Endverbrauchs mit 69,8 Prozent noch darüber. Damit seien die Kunststoffrecyclingquoten seit dem Jahr 2005 um 26,3 Prozentpunkte, beim privaten Endverbrauch sogar um 28,2 Prozentpunkte gestiegen. Gleichzeitig sei der Verbrauch an Kunststoffverpackungen laut GVM rückläufig. Er sei im Jahr 2022 um 87 Kilotonnen (2,6 %) auf 3.239 Kilotonnen, der private Konsum um 70 Kilotonnen (3,4 %) auf 1.977 Kilotonnen, einem Wert von vor 2015, zurückgegangen. Die Erfolge beim Recycling von Kunststoffverpackungen spiegelten sich zum Bedauern der IK aber noch nicht in der öffentlichen Wahrnehmung des Materials und seiner Verpackungsanwendung wider. Kunststoffverpackungen durchliefen seit Jahren einen enormen Wandel Richtung Mehrweg- und Recyclingfähigkeit sowie Rezyklateinsatz, wird Mara Hancker, IK-Geschäftsführerin Kommunikation, etwa im Recyclingmagazin zitiert. Nun werde es langsam Zeit für ein Umdenken. Es müssten unvoreingenommen optimale Lösungen befördert und dabei alle Beteiligten inklusive Industrie, Handel und Verbraucher in die Pflicht genommen werden.
 
Quellen:

  • Plasticker, neue-verpackung.de, recyclingmagazin.de (8.3.2024)

01.03.2024 - 07.03.2024

Stimmen zur Einigung auf die EU-Verpackungsverordnung (PPWR)

Unterhändler des EU-Parlaments und -Rates haben sich laut Medienberichten Anfang der Woche auf eine Verpackungsverordnung geeinigt. Diese sehe unter anderem die schrittweise Reduktion der Gesamtmenge an Verpackungsabfällen bis zum Jahr 2040 um 15 Prozent gegenüber dem Jahr 2018 vor. Weiterhin sind Verbote für bestimmte Einwegverpackungen, Mehrwegquoten für Getränkeverpackungen, ein Pfandsystem für Einwegplastikflaschen sowie verbindliche Rezyklateinsatzquoten für Verpackungen aus Kunststoff vorgesehen. Die Reaktionen auf das Ergebnis der Einigung fielen gemischt aus, es gebe Lob, aber auch viel Kritik. Ob das Gesetz noch vor den Europawahlen verabschiedet werde, sei noch ungewiss. Möglich sei ein „German Vote“, also eine Enthaltung Deutschlands, die das Gesetz blockieren könne.

 

Der Einigung aus dem Trilog müssen das Europaparlament und der Rat der EU-Staaten noch zustimmen, schreibt etwa der Spiegel. Was als Formalie gelte, könne allerdings noch an der Zustimmung der Mitgliedsländer scheitern. Italiens Regierung sei gegen das Gesetz, und in der deutschen Bundesregierung gebe es bislang keine gemeinsame Position zu den neuen Regeln. Bei einer Enthaltung Deutschlands wäre eine Mehrheit somit nicht mehr sicher, ist im Spiegel zu lesen. Die Konsumindustrie sei angesichts eines möglichen Scheiterns der Verordnung verärgert. Mehrere große Lebensmittel-, Kosmetik- und Waschmittelhersteller drängten laut Handelsblatt auf eine zeitnahe Harmonisierung der europäischen Regeln für Verpackungen. Sie erhofften sich durch eine EU-einheitliche Verordnung Erleichterungen bei Verwaltung, Beschaffung und Produktion. Auch die Recyclingwirtschaft, die man in Gefahr sehe, warte dringend auf das Gesetz, heißt es in einem Interview der Wirtschaftswoche mit dem Hauptgeschäftsführer des BDE Bundesverbands der deutschen Entsorgungswirtschaft, Andreas Bruckschen. Der BDE begrüße die Verordnung, auch weil sie den Mindesteinsatz von Rezyklaten in Verpackungen vorsehe und damit die Nachfrage vorantreibe, sagt Bruckschen. Der Verband appelliere nun ausdrücklich an die Bundesregierung, die Verpackungsverordnung zu unterstützen, damit das Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen und zügig die Kreislaufführung von Verpackungen erreicht werde, ist in einem Bericht des Recyclingmagazins zu lesen. Kritik an der geplanten Verordnung komme indes vom Wirtschaftsrat der CDU, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Die neuen Regeln bei Verpackungen werde Unternehmen vor kaum lösbare Probleme stellen, zitiert die SZ den Generalsekretär des Wirtschaftsrates, Wolfgang Steiger. Auch für Verbraucher werde die Verordnung „unerfreuliche Folgen“ wie etwa einen Anstieg der Preise an der Supermarktkasse haben. Die SPD-Europaabgeordnete Delara Burkhardt habe die Entscheidung von Parlament und Rat dagegen als einen wichtigen „Schritt hin zu einer nachhaltigeren Zukunft für Europa“ bezeichnet, zitiert sie die SZ, und der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese habe gar von einer „Zeitenwende in der EU-Politik“ gesprochen. Für die Verhandlungsführerin des Parlaments, Frédérique Ries (Liberale), stelle die Einigung einen „großen Sieg für die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher“ dar, ist etwa der Zeit zu entnehmen. Auch der Fachdienst Euwid berichtet von einem insgesamt unterschiedlichen Echo auf die vorläufige Einigung zur PPWR und ebenfalls von der Zustimmung des BDE, der diese als ein „richtiges und wichtiges Votum“ bezeichnet habe. Die EU-weit geltenden neuen Regeln für Verpackungen seien dringend notwendig, um die hochwertige ressourcen- und klimaschonende Kreislaufführung von Verpackungsabfällen weiterzuentwickeln, habe Bruckschen betont. Der BDE begrüße auch, dass zur Erfüllung der laut Einigung festgelegten Rezyklateinsatzquoten für Kunststoffverpackungen nach Informationen des Verbands zukünftig nur Rezyklate aus europäischer Produktion und Abfällen berücksichtigt werden dürften. Von den Herstellern von Kunststoffverpackungen komme indes Kritik. Sie monierten vor allem die in der vorläufigen Einigung vorgesehenen zahlreichen Sonderregeln für Verpackungen aus Kunststoff und Ausnahmen für Papier- und Kartonverpackungen. Anstatt die Menge an Verpackungsabfällen wirksam zu reduzieren und der Wirtschaft klare und umsetzbare Regeln zu geben, würden die beschlossenen Regelungen zu mehr Verpackungsabfällen, schlechter recycelbaren Verpackungen und einer erheblichen Rechtsunsicherheit führen, zitiert Euwid die Kritik der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. Der Verband rufe daher Kommission, Rat und Parlament dazu auf, bei der juristischen Überprüfung der Einigung für faire und effektive Regeln für alle Verpackungsmaterialien zu sorgen. Im Übrigen rechne IK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Engelmann mit dem Gesetz nicht vor dem Jahr 2025, da die finale Vereinbarung noch von den Juristen geprüft werden müsse.
 
Quellen:

  • süddeutsche.de, zeit.de (4.3.2024)

  • handelsblatt.com, wiwo.de, spiegel.de, recyclingmagazin.de, euwid-recycling.de (5.3.2024)
Kritik an europäischer Abfallverbringungsverordnung (VVA)

Laut Berichten in Euwid kritisieren der BDE Bundesverband der deutschen Entsorgungswirtschaft und der Dachverband der europäischen Recyclingwirtschaft Euric an der überarbeiteten EU-Verordnung über die Verbringung von Abfällen (VVA) insbesondere das darin vorgesehene zeitlich begrenzte Exportverbot für Kunststoffabfälle in Nicht-OECD-Staaten.

 

In dem ausdrücklichen Exportverbot für Kunststoffabfälle zur Verwertung in Nicht-OECD-Staaten sehe der BDE einen unverhältnismäßig weitgehenden Eingriff in den Welthandel, schreibt Euwid. Die europäische Recyclingwirtschaft erfahre hierdurch massive Handelsbeschränkungen, wird BDE-Hauptgeschäftsführer Andreas Bruckschen in dem Bericht zitiert. Das Europäische Parlament hatte zuletzt einen vorläufigen Kompromiss zur VVA förmlich bestätigt, das Gesetz befinde sich nun auf der Zielgraden, berichtet der Fachdienst. Die Anwendung der neuen Regeln für grenzüberschreitende Verbringungen innerhalb der EU beginne zwei Jahre nach dem Tag des Inkrafttretens. Drei Jahre danach würden dann die neuen Regeln hinsichtlich des Exports von grün gelistetem Abfall zur Verwertung in Nicht-OECD-Drittstaaten gültig. Lieferungen solcher Abfälle, zu denen auch Kunststoffabfälle zählen, seien gemäß der geänderten VVA dann nur noch für Länder zulässig, die von der EU-Kommission auf deren Antrag in eine neue Länderliste aufgenommen wurden. Diese Staaten müssten gemäß der Regelungen dafür geeignete Kapazitäten und eine umfassende umweltgerechte Abfallwirtschaftsstrategie nachweisen, ist in Euwid zu lesen. Dies bewerte der BDE als zu weitgehend. Nach Ansicht des Verbands solle allein der Standard der belieferten Abfallbehandlungsanlage entscheidend sein und nicht die gesamte Abfallbewirtschaftungsstrategie eines Landes. Für den BDE bringe die VVA aber auch einige Verbesserungen mit sich wie etwa kürzere Notifizierungsverfahren und eine transparentere Verbringung. Aus Sicht des europäischen Recyclerdachverbands Euric sei die überarbeitete VVA ein „wichtiger Schritt“ für die Modernisierung der Vorschriften für Lieferungen innerhalb der EU, berichtet Euwid an anderer Stelle. Mit Blick auf die in Europa anfallenden Altkunststoffe unterstütze Euric die Bemühungen, eine effiziente Bewirtschaftung dieser Abfälle zu stärken. Doch ein vollständiges Exportverbot für Kunststoffabfall ohne Absatzmöglichkeiten innerhalb Europas werde den Recyclern in der EU und der heimischen Kunststoffrecyclingindustrie erheblichen Schaden zufügen, zitiert Euwid Emmanuel Katrakis, den Generalsekretär von Euric. Er halte eine kohärente EU-Politik für dringend erforderlich, um umwelt-, klima- und industriepolitische Ziele auf ökonomisch und ökologisch nachhaltige Lösungen auszurichten.
 
Quelle: mehrere Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 10/2024 (5.3.2024)

23.02.2024 - 29.02.2024

„Advanced Plastic Waste Recycling“

Das Nova Institut hat eine Studie zum sich rasant entwickelnden Markt des chemischen Recyclings veröffentlicht, berichtet Euwid. Darin werde der aktuelle Stand des „advanced“ - vor allem des chemischen - Recyclings in Europa und dem Rest der Welt beschrieben. Die Welt widmet sich in einem Bericht dem Projekt „Catalaix“ an der RWTH Aachen, das von der Werner-Siemens-Stiftung über zehn Jahre mit rund 107 Millionen Euro gefördert wird und die Entwicklung innovativer katalytischer Recyclinglösungen zum Ziel hat.

 

Die vorhandenen Kapazitäten für „Advanced Recycling“, was in erster Linie chemische Recyclingverfahren betreffe, seien laut der Studie „Mapping of advanced plastic waste recycling technologies and their global capacities“ des Nova-Instituts von 2018 bis 2023 stetig gestiegen, schreibt Euwid. Nach Ansicht der Marktforscher werde sich das Wachstum in den Jahren 2024 bis 2027 nochmals deutlich beschleunigen, sowohl in Bezug auf die Verarbeitungs- und Produktionskapazitäten als auch auf die Diversität der angewandten Verfahren und involvierten Unternehmen. Die Studie, die eine Bestandsaufnahme aus 2022 aktualisiere, stelle 127 marktreife oder in Kürze verfügbare Recyclingtechnologien vor sowie sechs Anbieter von Vor- und Nachbehandlungstechnologien. Die meisten davon seien in Europa in Anwendung bzw. in Planung, vor allem in den Niederlanden und Deutschland, gefolgt von Nordamerika, China, Japan und weiteren Staaten. In der Studie seien mehr als 340 geplante sowie installierte und in Betrieb befindliche Anlagen erfasst mit einer Inputkapazität von insgesamt 1,477 Millionen Tonnen pro Jahr. Eine Auswertung von Ankündigungen der Technologieanbieter für den Bau neuer Anlagen zeige laut Marktanalyse, dass sich die Inputkapazität in Europa bis 2027 mehr als verdreifachen werde, während sich die Kapazität weltweit verdopple. Die weltweite Produktionskapazität für Rezyklate aus chemischem und physikalischem Recycling betrage dem Nova-Institut zufolge aktuell 1,082 Millionen Tonnen pro Jahr. Die europäische Output-Kapazität von Produkten wie Polymere, Monomere, Naphtha, sekundäre wertvolle Chemikalien (Secondary Valuable Chemicals, SVC) bis hin zu Brennstoffen und Energieträgern summiere sich auf 271.000 Tonnen pro Jahr bzw. 36 Prozent der weltweit installierten Kapazität. Die Studie stelle mehr als 100 Technologien und ihren derzeitigen Stand vor, darunter Gasifizierung, Pyrolyse, Solvolyse, Dissolution und Enzymolyse. Die Unternehmen, ihre Strategien und Investitionen sowie Kooperationspartner werden ebenfalls aufgeführt, berichtet Euwid. In Europa entfielen laut Studie mehr als drei Viertel der aktuellen Verarbeitungskapazitäten im chemischen Recycling auf die Pyrolyse. Die meisten der 80 (2022: 62) weltweit identifizierten Technologieanbieter im Bereich Pyrolyse befinden sich laut Studie in Europa (42 Anbieter), zitiert Euwid aus der Studie. Die lösungsmittelbasierte Solvolyse sei den Daten des Nova-Instituts zufolge in Europa mit 14 Anbietern (24 weltweit) die aktuell zweitwichtigste Technologie gefolgt von der Gasifizierung mit fünf Anbietern in Europa (12 weltweit). „Advanced“ Recyclingtechnologien halte das Nova-Institut für die Kreislaufwirtschaft von entscheidender Bedeutung, insbesondere für gemischte Kunststoffabfälle oder gemischte Abfälle, die sowohl verschiedene Kunststoffe als auch organische Abfälle enthalten.
 
Mit gemischten Kunststoffabfällen – vor allem solchen, die mit herkömmlichen Recyclingverfahren nicht recycelbar seien – befasst sich laut der Welt auch das Jahrhundertprojekt „Catalaix“ an der RWTH Aachen. Dessen Ziel sei es, solche Kunststoffabfälle als wertvolle und wiederverwertbare Ressource zu nutzen. Das Projekt werde über zehn Jahre mit 100 Millionen Franken von der Schweizer Werner-Siemens-Stiftung gefördert. Ein Team um Professor Jürgen Klankermeyer, Leiter des Lehrstuhls für molekulare Katalyse an der RWTH Aachen, und die Professorin für Technische Chemie Regina Palkovits wolle als Schlüsseltechnologie die Katalyse im Recycling dazu nutzen, Prozesse zum gezielten Brechen der chemischen Bindungen von Kunststoffen und zum gezielten Umbau der Bruchstücke zu beschleunigen. Mit Catalaix solle zunächst ein Werkzeugkasten entwickelt werden, wird Palkovits in der Welt zitiert. Ziel sei es, innerhalb der kommenden zehn Jahre mit den Werkzeugen zu demonstrieren, wie etablierte Kunststoffe zu neuen Rohstoffen für bio-abbaubare Kunststoffe umgesetzt werden könnten. Erste Erfolge habe man etwa bei der chemischen Umwandlung einer Polyethylen (PE)-Flasche erzielt, die mithilfe des Einsatzes von Biomasse zu einem neuen biologisch abbaubaren Kunststoff umgearbeitet worden sei. Die alte PE-Flasche werde damit zu einem völlig neuen zukunftsfähigen Produkt, sage Klankermayer. Um die Verfahren später über den Labormaßstab hinaus zu entwickeln, werde die Zusammenarbeit mit Unternehmen im Umfeld der Universität angestrebt. Der Chemiekonzern Covestro etwa kooperiere mit verschiedenen Universitäten, darunter auch die RWTH Aachen, die vor allem für ihre Arbeit in der chemischen Prozessentwicklung bekannt sei, zitiert die Welt eine Sprecherin von Covestro. So erlaube die Zusammenarbeit im Rahmen der von der RWTH Aachen und Covestro getragenen kooperativen Forschungsorganisation Catalytic Center „CAT“ dem Unternehmen, Katalyse- und Prozessforschung zu kombinieren und daraus neue chemische Prozesse für den Einsatz im industriellen Maßstab zu entwickeln, so die Sprecherin laut Welt.
 
Quellen:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 9/2024 (27.2.2024)
  • welt.de (27.2.2024)
Kunststoffrezyklate in Lebensmittelverpackungen

Im Interview mit K-Profi sprechen der freie Berater Herbert Snell, zuvor langjähriger Geschäftsführer der Veolia-Töchter Multipet und Multiport und Dr. Stephan Gneuß, geschäftsführender Gesellschafter der Gneuß Kunststofftechnik, über ihre Einschätzungen zu Regularien, Zulassungsverfahren der Lebensmittelbehörden EFSA und FDA sowie zu dem aus ihrer Sicht wünschenswerten Abbau von Hemmnissen hinsichtlich des Rezyklateinsatzes in Lebensmittelverpackungen.

 

Den heutigen Wohlstand gebe es nur, weil es Kunststoffe gibt, betont Herbert Snell im Interview mit K-Profi. Snell wünsche sich neue Wege, um den Absatz von Rezyklaten zu erhöhen und das Kunststoffbashing zu unterbinden. Zur Frage, wie es derzeitig mit der Investitionsbereitschaft in Recyclinganlagen für Food-Kontakt-Anwendungen aussehe, sagt Dr. Stephan Gneuß, dass sich potenzielle Kunden insbesondere in Europa aufgrund des niedrigen Neuwarepreises und praxisfremder Zulassungsverfahren der EFSA mit Investitionen zurückhielten. Für einen Verarbeiter bedeute der Einsatz von Rezyklaten in Lebensmittelverpackungen, dass er für sein Verpackungsprodukt bei der EFSA zunächst eine neue Technologie anmelden und dann über mehrere Jahre alle Produktionsdaten dazu veröffentlichen müsse, auch wenn er die Verpackung bereits verkaufen dürfe. Nach fünf bis sieben Jahren sei dann mit einem Bescheid der EFSA zu rechnen. Falle dieser negativ aus, habe der Verarbeiter umsonst investiert und Vertriebswege aufgebaut. Gneuß Kunststofftechnik finde daher aktuell kaum Verarbeiter, die bereit seien, etwa aus HDPE-Flaschendeckeln wieder eine Verpackung für den Lebensmittelbereich herzustellen, obwohl Gneuß die passende Anlage dafür biete und bereits technisch sowie wissenschaftlich nachgewiesen habe, dass es möglich sei. In Europa gelte die Regel, dass 95 Prozent der eingesetzten Rezyklate für den Lebensmittelkontakt auch aus Lebensmittelverpackungen stammen müssten, bisher nur für PET, erklärt Snell gegenüber K-Profi. Fehlende Vorgaben für andere Polyolefine lähmten die Investitionsbereitschaft der Unternehmen zusätzlich. Aus seiner Sicht sollte, anstatt geschlossene Kreisläufe für den Food-Kontakt aufzubauen, die Substitution von Neuware in langfristigen Anwendungen wie etwa in der Baubranche oder auch der Automobilbranche vorangetrieben werden. Dort lasse sich am meisten Kohlendioxid einsparen und damit die Umwelt am ehesten schonen, sagt Snell. Mit Blick auf die Pläne der EU-Kommission, Rezyklateinsatzquoten für weitere sensitive Verpackungen mit Lebensmittelkontakt einzuführen, erläutert Dr. Stephan Gneuß, dass andere Polymere als PET zwar ebenfalls zu Rezyklaten für den Lebensmittelkontakt verarbeitet werden könnten, die von Snell skizzierten Wege aber auch aus seiner Sicht wirtschaftlich, energetisch und ökologisch vorteilhafter seien. Das chemische Recycling halte Snell für keine sinnvolle Lösung. Es koste viel mehr Energie als die Nutzung mit mechanischen Verfahren aufbereiteter Polyolefine für langfristige Anwendungen. Zudem sei beim chemischen Recycling die Ausbeute an Polymeren am Ende sehr gering, so Snell.
 
Quelle: K-Profi 1-2/2024

16.02.2024 - 22.02.2024

Verbände warnen vor Verschiebung der EU-Verpackungsverordnung

Wie Focus berichtet, soll Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) laut eines internen Papiers Italien im Gegenzug für die Unterstützung bei der umstrittenen EU-Lieferkettenrichtlinie eine Blockade der EU-Verpackungsverordnung PPWR in Aussicht gestellt haben. Darauf bezugnehmend berichten Fachmedien, dass der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und die Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt (AGVU) vor den Folgen der verzögerten Verabschiedung des Gesetzes warnen. Auch der BDE fordere in einem offenen Brief an Lindner, der PPWR keine Steine in den Weg zu legen. Andernfalls seien umfangreiche Investitionen sowie zahlreiche Arbeitsplätze am Standort Deutschland gefährdet. Die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK) verweise auf ihre Forderung, dass die PPWR „zu EU-weit verbindlichen, materialneutralen und vollzugstauglichen Verpackungsregeln führen“ müsse.

 

Sollte Linder Italien dabei unterstützen, die PPWR zu blockieren, indem die notwendige Mehrheit für die Annahme des derzeit zwischen Rat, Europaparlament und EU-Kommission verhandelten Textes durch Enthaltung Deutschlands verhindert würde, wäre die Verabschiedung der neuen Verpackungsverordnung vor der EU-Parlamentswahl im Juni 2024 nicht mehr möglich, heißt es in den Fachmedien. Eine Anfrage des Fachdienstes Kunststoff Information beim Bundesfinanzminister habe zwar noch keine Bestätigung von Lindners Plänen erbracht. Ein Scheitern der Verordnung halte die Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt (AGVU) allerdings für einen herben Rückschlag für eine innovative Branche, wird AGVU-Vorsitzender Carl Dominik Klepper in KI zitiert. Die PPWR dürfe nicht „zum Spielball politischer Interessen“ werden, so Klepper. Die IK bezweifle, ob es überhaupt zu einer Abstimmung über einen Kompromisstext im Rat kommen werde, ist in dem Bericht zu lesen. Für IK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Engelmann sehe es momentan jedenfalls nicht danach aus, dass bis zum nächsten Triloggespräch am 4. März ein Kompromiss erreicht werde. Dies halte Engelmann nur für erreichbar, wenn in der PPWR auf umstrittene Mehrwegvorgaben und Produktverbote verzichtet würde.
 
Lindners Position gefährde die Existenz der deutschen Recyclingwirtschaft, warne der BDE etwa laut Euwid in einem offenen Brief an den Finanzminister. Eine Blockade der Verordnung sei auch nicht im Interesse der Umwelt, Verbraucher und des Binnenmarktes. Mit Sorge beobachte auch der VKU, der hinsichtlich der Ausgestaltung des Gesetzes unter anderem für weitere Schritte in Richtung Mehrwegförderung und Rezyklierbarkeit plädiere, Bestrebungen, das Rechtsetzungsverfahren zur PPWR auszubremsen, berichtet Euwid an anderer Stelle. Der Verband sehe bei einem Scheitern der PPWR die Ziele zur Rezyklierbarkeit von Verpackungen bis 2030 gefährdet sowie Planungssicherheit für die Unternehmen nicht gegeben. Die DUH fordere Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) laut Euwid auf, den verhandelten Kompromiss gegen die FDP-Blockade durchzusetzen und in den Trilogverhandlungen am 4. März für eine ambitionierte EU-Verpackungsverordnung zu stimmen. Sie liefere dringend notwendige Impulse für weniger Abfälle, mehr Mehrweg und ein besseres Recycling, wird DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz in Euwid zitiert.
 
Quellen:

  • focus.de (16.2.2024)
  • mehrere Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 8/2024 (20.2.2024)
  • recyclingmagazin.de (20.2.2024)
  • Kunststoff Information (21.2.2024)
  • recyclingportal.eu (21.2.2024)
  • euwid-recycling.de (21.2.2024)
  • recyclingmagazin.de (21.2.2024)
Kunststoffabfälle: Exporte auf historischem Tief

Die deutschen Ausfuhren von Altkunststoffen haben 2023 einen neuen Tiefstand erreicht, berichten Fach- und Tagesmedien. Wie aus vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten, noch vorläufigen Zahlen laut Euwid hervorgehe, exportierte Deutschland im letzten Jahr mit rund 688.000 Tonnen neun Prozent weniger Kunststoffabfälle als im Vorjahr. Das sei der tiefste Stand seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2006. Greenpeace Deutschland kritisiere dennoch vor allem die Ausfuhren nach Asien, die in 2023 gegen den Trend wieder deutlich gestiegen seien.

 

Die deutschen Asienexporte lagen 2023 nach Angaben von Destatis bei rund 161.000 Tonnen, ist in Euwid zu lesen. Diese legten damit im Vorjahresvergleich um über ein Drittel zu. Diese Exporte gingen in Staaten wie Malaysia, Indonesien und Vietnam, berichtet auch der Focus. Greenpeace fordere ein Verbot solcher Ausfuhren. Deutscher Plastikmüll müsse auch in Deutschland recycelt werden, sonst werde sich am „kaputten System des Einwegplastiks“ nichts ändern, wird Greenpeace-Expertin Viola Wohlgemuth im Focus zitiert. Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft wiederum fordere von der Politik, geltende Regeln strenger zu kontrollieren, damit illegale Ausfuhren verhindert werden. Der BDE weist laut Focus zudem darauf hin, dass der Asien-Anteil der deutschen Abfallexporte im Vergleich zum Beginn des vergangenen Jahrzehnts sehr gering sei und eine gewisse Menge solcher Exporte zum normalen Geschäft in Zeiten der Globalisierung gehöre. Im Jahr 2011 habe Deutschland 763.400 Tonnen Kunststoff-Abfälle nach China verschifft, was etwa fünf Mal so viel sei wie im vergangenen Jahr nach Asien insgesamt. Wie stark der Ausfuhrhandel mit Kunststoffabfällen im letzten Jahrzehnt zurückgegangen ist, belege ein Langzeitvergleich der Destatis-Zahlen, schreibt Euwid. Exportierte Deutschland zwischen 2010 und 2016 im Schnitt jährlich noch rund 1,4 Millionen Tonnen Altkunststoffe, seien es im letzten Jahr nicht einmal mehr halb so viel gewesen.
 
Quellen:

  • focus.de (19.2.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 8/2024 (20.2.2024)
Kunststoffverpackungsindustrie verzeichnet Produktions- und Umsatzrückgang

Nach Erhebungen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) wurden im Jahr 2023 mit 3,8 Millionen Tonnen zehn Prozent weniger Kunststoffverpackungen produziert, berichtet das Kunststoff Magazin. Der Umsatz der Branche ging auf 16,8 Milliarden Euro bzw. um minus 7,7 Prozent im Vergleich zu Vorjahr zurück.

 

Die höchsten Produktionsrückgänge verzeichnete die GVM für flexible Verpackungen und Folien, schreibt das Kunststoff Magazin. Diese hätten im vergangenen Jahr bei 12,4 Prozent bzw. 14,1 Prozent gelegen. Um mehr als 12 Prozent sei auch die Produktion von Fässern, Kanistern und Eimern gesunken. Die Produktion von Flaschen habe sich dagegen in 2023 vergleichsweise milde um 3,7 Prozent verringert. Bedingt seien die negativen Entwicklungen in der Kunststoffverpackungsindustrie vor allem durch die anhaltende Nachfrageschwäche der wichtigsten Kundenindustrien wie dem Bausektor, der Chemischen Industrie und dem Konsumgüterbereich. Eine Vielzahl an regulatorischen Maßnahmen und Berichtspflichten sowie höhere Transportkosten belasteten die Unternehmen zusätzlich. Darüber hinaus trage die von der Bundesregierung angekündigte Plastiksteuer zur Verunsicherung der Märkte bei. Die Erwartungen für das Jahr 2024 seien ebenfalls nicht rosig. Einen gewissen Hoffnungsschimmer zeige die aktuelle Konjunkturumfrage der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen: in Bezug auf Umsatzentwicklung und Exporte scheint der Tiefpunkt erreicht und teilweise überwunden.
 
Quelle:

  • kunststoff-magazin.de (19.2.2024)

26.01.2024 - 15.02.2024

Kreislaufwirtschaft in Deutschland wächst weiter

Laut Berichten von Fachmedien geht aus dem aktuell von Prognos und Infa veröffentlichten Statusbericht Kreislaufwirtschaft hervor, dass in diesem Bereich im Jahr 2021 ein Umsatz von rund 105 Milliarden Euro erzielt wurde. Auch ermittelten die Forscher, dass durch die Kreislaufwirtschaft in Deutschland im Jahr 2021 rund 60 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermieden worden seien. Welche Hindernisse es beim Umstieg auf eine kreislaufzentrierte Wirtschaft abzubauen gelte, diskutierten Expertinnen und Experten aus Politik und Wirtschaft während der Konferenz „Circular Economy“, die das Handelsblatt ausrichtete. Laut Circularity Gap Report 2024 ist die weltweite Kreislaufwirtschaftsquote rückläufig und liege nun bei 7,2 Prozent, berichtet der Fachdienst Euwid.

 

Der Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft 2024, der unter Beteiligung von insgesamt 14 Branchenverbänden und Vereinen der privaten und kommunalen Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft sowie der Messe IFAT erstellt wurde, beleuchte zum dritten Mal nach 2018 und 2020 die Situation der deutschen Kreislaufwirtschaft, ist den Berichten der Fachmedien zu entnehmen. Der Erhebung zufolge sei die Kreislaufwirtschaft nach wie vor eine Wachstumsbranche. Stetig wachsende Anforderungen an die stoffliche und energetische Verwertung, steigende Standards für die Erzeugung von Sekundärrohstoffen und damit verbundene Innovationen seien Gründe für die positive Entwicklung der wesentlichen wirtschaftlichen Indikatoren, zitiert etwa das Recyclingmagazin aus dem Statusbericht. Im Vergleich zum Jahr 2010 habe die Kreislaufwirtschaft im Jahr 2021 mit einem Umsatz von rund 105 Milliarden Euro eine Steigerung um 47 Prozent erzielt. Die Zahl der Unternehmen, die in der Kreislaufwirtschaft tätig sind, sei in Deutschland aber bereits seit einiger Zeit rückläufig, was auf einen Konsolidierungsprozess zurückzuführen sei. Im Jahr 2021 habe die Anzahl bei etwas mehr als 10.000 Unternehmen gelegen. Diese haben im selben Jahr rund 310.000 Erwerbstätige beschäftigt, ähnlich viele wie im Jahr 2017, so dass dort heute bundesweit fast genauso viele Personen arbeiteten wie in der Energiewirtschaft. Die Zirkularitätsrate (Circular material use rate, CMU), die die genutzte Sekundärrohstoffmenge im Verhältnis zu der Menge aller genutzten Rohstoffe angibt, liege in Deutschland mit 12,7 Prozent im Jahr 2021 in etwa im Europäischen Durchschnitt (11,7 Prozent) und sei in den vergangenen Jahren konstant geblieben.
 
Noch viel zu wenige Abfälle würden in der Wirtschaft angesichts der Klimaziele in der EU und Deutschland recycelt und wiederverwendet, heißt es im Bericht des Handelsblatts über dessen Konferenz „Circular Economy“. Eine Analyse des Weltwirtschaftsrats für Nachhaltigkeit WBCSD und der Unternehmensberatung BCG beziffere die Quote etwa auf 25 bis 35 Prozent. Deutschland und Europa verbrauchten definitiv zu viele Primärrohstoffe, wird Bettina Hoffmann, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, zitiert. Um den Planeten nicht langfristig zu überlasten, bräuchte es laut Bericht von WBCSD und BCG bis zum Jahr 2040 eine zusätzliche Recyclingrate von 55 Prozent. Zentrale Hindernisse, die den Umstieg auf eine kreislaufzentrierte Wirtschaft aufhielten, seien laut den Expertinnen und Experten ungeeignete politische Rahmenbedingungen, Imageprobleme recycelter Produkte sowie die noch mangelhaften Lieferketten innerhalb Europas, die laut Hoffmann ein wichtiger Ansatz seien, um grenzüberschreitend Kreislaufprozesse zu etablieren.
 
Auch der Anteil der aus dem Recycling stammenden Rohstoffe habe laut Berichten von Fachmedien weltweit nicht zugenommen. So seien 7,2 Prozent der insgesamt verbrauchten Materialien im Jahr 2023 laut Circularity Gap Report 2024 Sekundärrohstoffe gewesen. Damit sei lediglich das Niveau des Vorjahres erreicht worden. Gleichzeitig mache der Bericht deutlich, dass der globale Rohstoffverbrauch mit insgesamt rund 580 Milliarden Tonnen allein in den letzten sechs Jahren immer stärker zunehme, zitiert Euwid aus dem Report. Aus Sicht der Autoren seien jedoch die positiven Effekte, die mit einem Umbau von einer linearen zu einer kreislauforientierten Wirtschaft verbunden wären, enorm. So könne die Kreislaufwirtschaft für eine Reduzierung klimaschädlicher Emissionen um rund 40 Prozent sorgen, doch fehle es weltweit noch an politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die Anreize für kreislauforientierte Aktivitäten und Produkte schafften.
 
Quellen:

  • recyclingmagazin.de (25.1.2024)
  • recyclingportal.eu (26.1.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 5/2024 (30.1.2024)
  • Handelsblatt (6.2.2024)
Kreislaufwirtschaftsmodell für kunststoffbasierte Autoteile

Klaus Kümmerer, Chemiker von der Leuphana Universität Lüneburg, und sein Kollege Hans-Josef Endres von der Leibniz Universität Hannover wollen Lösungen für das Recycling von komplexen Kunststoffteilen aus der Automobilwirtschaft entwickeln. VW stellt ihnen für das Projekt 1,3 Millionen Euro Fördergelder zur Verfügung, berichtet etwa die Süddeutsche Zeitung (SZ).

 

Im Fokus des Projektes stünden komplexe Bauteile, für die es derzeit keine Recyclinglösung gebe. Dazu zählten etwa Unterboden, Motorraumkomponenten, Innenraumteile wie Mittelarmlehnen sowie geschreddertes Material aus Abfallströmen, ist im Bericht der SZ zu lesen. Lösungen dafür zu finden, sei schwierig, weil häufig in einem Produkt Mischungen von mehreren Kunststoffsorten vorlägen und dazu noch Zusatzstoffe kämen, wird Kümmerer zitiert. Gleichzeitig wolle das Team Ansätze für ein künftiges „Design for Recycling“ entwickeln, das bereits bei der Herstellung von Produkten die Wiederverwertungsmöglichkeit berücksichtige, berichtet Euwid. Kümmerer, der sich der Aufgabe verschrieben habe, die Umwelt von chemischen und pharmazeutischen Stoffen zu entlasten, wurde laut Euwid für sein Wirken im Januar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
 
Quellen:

  • süddeutsche.de (6.2.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 7/2024 (13.2.2024)
Kritik an Entwicklung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie

Laut Stellungnahmen der Ressourcenkommission am Umweltbundesamt (UBA) und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) forderten beide Organisationen konkrete Reduktionsziele für den Ressourcenverbrauch sowie eine „engagierte Suffizienzpolitik“, ist in Berichten von Euwid zu lesen.

 

Suffizienz müsse ein zentrales Ziel der NKWS werden, fordere die Ressourcenkommission. Das Thema werde in den derzeitigen Entwürfen vernachlässigt und im Grundlagenpapier des Bundesumweltministeriums (BMUV) bislang nicht berücksichtigt. Suffizienz-Strategien sollten sich dabei nicht vorwiegend am „Weniger“, sondern vor allem am „Genug haben“ bzw. „Maß halten“, also an der Befriedigung von Bedürfnissen mit den verfügbaren Ressourcen orientieren, zitiert Euwid aus der Stellungnahme der Kommission. Dass dem Thema Suffizienz in der NKWS eine größere Rolle zukommen müsse, sehe auch die DUH so, berichtet Euwid an anderer Stelle. Die Ressourcenkommission fordere laut Euwid in erster Linie klare Reduktionsziele, -mechanismen und ein Monitoring für den absoluten Ressourcenverbrauch. Die DUH schlage als konkretes Reduktionsziel eine Halbierung des Ressourcenverbrauchs bis 2030 gegenüber dem Jahr 2019 vor. Laut den Empfehlungen der Ressourcenkommission sollten unter anderem Gebrauchtartikel und Materialien aus dem Recycling klar bevorzugt werden, etwa durch zeitlich gestaffelte, materialspezifische Rezyklateinsatzquoten. Die DUH, die einen zu starken Fokus auf das Recycling kritisiere, sehe vor allem die ersten beiden Stufen der Abfallhierarchie, Vermeidung und Wiederverwendung, in der aktuellen Fassung der NKWS stark unterrepräsentiert. Diese würden nur vereinzelt mit allgemeinen Zielen ohne konkrete Maßnahmen hinterlegt, etwa bei Kunststoffen oder Elektrogeräten. Auch werde auf die Themenfelder Verpackungen, Infrastrukturausbau und Onlinehandel nicht eingegangen, was angesichts des besonders großen Handlungsbedarfs in diesen Bereich nicht nachvollziehbar sei, wird die DUH zitiert. Darüber hinaus mahne die DUH zur Eile: Die Strategie sollte spätestens bis zum Jahresende finalisiert werden und Sofortmaßnahmen enthalten.
 
Quellen:

  • zwei Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 7/2024 (13.2.2024)

19.01.2024 - 25.01.2024

Kohlendioxid-Abscheidung und Nutzung für die Kunststoffherstellung

Euractiv berichtet über die geplante Strategie der Europäischen Kommission für das Management von CO2. Einem Euractiv vorliegenden Vorschlagsentwurf zufolge, müsse die Union bereit sein, bis 2030 mindestens 50 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr abzuscheiden, um die Klimaziele der EU erreichen zu können. Laut Berichten in der Tages- und Fachpresse arbeiten hierzulande Forscher in Jena daran, das Gas etwa an Hochöfen oder Kraftwerken mit Hilfe eines Katalysators zu binden und in andere Stoffe umzuwandeln. Ob sich Müllverbrennungsanlagen (MVA) für CO2-Abscheidetechnologien eignen, will das Bifa-Umweltinstitut laut Euwid untersuchen.

 

Laut Euractiv werde die künftige Strategie der EU-Kommission für das CO2-Management, die am 6. Februar 2024 vorgestellt werde, vorsehen, bis zum Jahr 2050 jährlich bis zu 450 Millionen Tonnen Kohlendioxid zu binden. Das Erreichen der wirtschaftlichen Klimaneutralität bis 2050 erfordere laut EU-Kommission den Abbau von CO2, um die verbleibenden Emissionen aus schwer abbaubaren Sektoren auszugleichen, heiße es in einem Euractiv bekannt gewordenen Vorschlagsentwurf. Dieser enthalte ein Zwischenziel von 200 Millionen Tonnen CO2-Bindung pro Jahr für 2040. Laut Vorschlag der Kommission sollen zwischen 100 und 200 Millionen Tonnen CO2 direkt aus der Atmosphäre abgeschieden werden, was von Experten wie etwa Valter Selén, Associate Policy Director bei der NGO Carbon Gap, sehr begrüßt werde. Zur Frage, was mit dem abgeschiedenen CO2 aus der Luft geschehen solle, heiße es in dem Vorschlag der EU-Kommission, dass es primär unterirdisch gelagert oder zur Herstellung von Gütern wie Kunststoffen, Medikamenten oder synthetischem Kraftstoff verwendet werden solle. Die Europäische Kommission wolle „politische Optionen und Unterstützungsmechanismen für den industriellen CO2-Abbau entwickeln, einschließlich der Frage, ob und wie diese im EU-EHS [dem Emissionshandelssystem der EU] berücksichtigt werden sollen“, zitiert Euractiv aus dem Vorschlag. Damit werde die Debatte über die Zukunft des EU-Emissionshandelssystems nun auch auf politischer Ebene angestoßen, ist in dem Bericht zu lesen.
 
In Deutschland arbeiteten Jenaer Wissenschaftler derzeit an einer Methode, um aus der Luft abgeschiedenes Kohlenstoffdioxid wieder nutzbar zu machen, berichtet etwa die Süddeutsche Zeitung. Ziel sei die Entwicklung eines Katalysators, der das Gas beispielsweise an Kraftwerken oder Hochöfen binde und mit Hilfe von Strom in andere Stoffe umwandele, wird der Leiter des Forschungsprojekts Dekarbon an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Martin Oschatz, in der SZ zitiert. In dem Projekt laufe derzeit Grundlagenforschung, um CO2 etwa zu Ethylen oder Kohlenstoffmonoxid als Ausgangsstoff für Benzin umzuwandeln. Die Wissenschaftler planten verschiedene Wege zu testen, wie sich das CO2-Molekül mit Kohlenstoff und Stickstoff und ohne seltene Metalle so umwandeln lasse, dass man daraus geeignete Katalysatoren herstellen könne. Bis Ende 2025 solle ein Material identifiziert sein, mit dem man dann in größerem Maßstab weiterarbeiten könne, so Oschatz. Die Herausforderung sei, den Prozess so hinzukriegen, dass möglichst wenig zusätzliche Energie dafür benötigt werde.
 
Das Bifa-Umweltinstitut will laut einem Bericht in Euwid im Auftrag des Bayerischen Umweltministeriums untersuchen, ob sich die 15 bayerischen Müllverbrennungsanlagen (MVA) für CO2-Abscheidetechnologien eignen. Unterschiedliche Abscheideverfahren sowie Optionen der CO2-Speicherung oder -Nutzung würden in der Studie untersucht und geeignete Anlagen exemplarisch betrachtet, um am Ende differenzierte Handlungsempfehlungen für Anlagenbetreiber und die öffentliche Hand liefern zu können. Eine mögliche Lösung bestehe darin, das Kohlendioxid in den Abgasen der MVA abzuscheiden und es entweder dauerhaft zu speichern (CCS) oder in weiteren Prozessen zu nutzen (CCU). Je nach Abfallzusammensetzung könnten so nicht nur fossile CO2-Emissionen vermieden, sondern auch der Biosphäre biogenes CO2 entzogen werden.
 
Quellen:

  • Euractiv (19.1.2024)
  • Süddeutsche Zeitung, Zeit, VDI Nachrichten (22.1.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 4/2024 (23.1.2024)
PFAS-Verbot: FDP, SPD, CDU/CSU und Verbände sprechen sich für differenzierte Regulierung aus

Sprecher der Union, FDP und SPD im Bundestag haben sich in der Diskussion eines CDU-Antrags hinsichtlich der Vorbereitung eines EU-weiten umfassenden Verbots Per- und polyfluorierter Alkylverbindungen (PFAS) dafür ausgesprochen, das Verbot in der geplanten Form abzulehnen, berichtet der Plastverarbeiter unter Berufung auf Informationen des VDMA Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.. Stattdessen plädierten sie für eine differenzierte Regulierung. Der VDMA begrüße, dass die Politik nun auf die Bedenken und Warnungen der Industrie eingehe.

 

Das von der EU geplante umfassende PFAS-Verbot würde Lieferketten und Produktionsprozesse empfindlich treffen und die Herstellung vieler wichtiger Produkte gefährden - etwa für Klimaschutztechnologien oder in der Medizintechnik, wird VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann im Plastverarbeiter zitiert. Auch die Sicherheit vieler Produkte wäre laut VDMA nicht mehr gewährleistet. Substitute seien nur in wenigen Fällen vorhanden oder würden zu einer massiven Verschlechterung der Qualität und Sicherheit von Produkten führen. Eine differenzierte Regulierung solle, so Brothmann, nicht als risikobehaftet eingestufte PFAS vom Verbot ausnehmen. Der VDMA sehe nun jede der Parteien in der Pflicht, ihre Einflussmöglichkeiten zu nutzen, um Schaden für die Wirtschaft abzuwenden. Laut des im Bundestag debattierten Antrags der CDU/CSU-Fraktion solle sich die Bundesregierung bei der EU dafür stark machen, dass der Einsatz von PFAS nur dort beschränkt werde, wo technisch geeignete und ökonomisch machbare Alternativen verfügbar seien und der sachgemäße Umgang über den gesamten Lebenszyklus nachweislich nicht sichergestellt werden könne, ist in einem Bericht von Kunststoffe zu lesen. Ein Pauschalverbot aller rund 10.000 Stoffe, wie es die Bundesregierung derzeit auf EU-Ebene mittrage, drücke dem Wirtschaftsstandort Europa die Luft ab, wird Anja Weisgerber, Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, dort zitiert.
 
Quellen:

  • Plastverarbeiter (19.1.2024)
  • kunststoffe.de (21.1.2024)
Kleine Anfrage der Union zur EU-Plastikabgabe

Die von der Bundesregierung auf das Jahr 2025 verschobene EU-Plastikabgabe war erneut Thema der Fachpresse. So habe die CDU/CSU-Fraktion laut Euwid diesbezüglich in einer Kleinen Anfrage eine Reihe von Fragen zur Diskussion im Bundestag gestellt. Darin kritisiere sie unter anderem eine Mehrfachbelastung für Kunststoffverpackungen durch Lizenzgebühren für das Duale System, neue Sonderabgaben auf Einwegkunststoffe, Pfandpflichten und die kommenden Rezyklat-Einsatzquoten der EU.

 

Um drohende Schäden für die Kreislaufwirtschaft und die Unternehmen abzuwenden, bestehe nach Ansicht der CDU/CSU-Bundestagsfraktion dringender Aufklärungsbedarf bezüglich der geplanten Umlegung der EU-Plastikabgabe auf die Verursacher, ist in Euwid zu lesen. Die Oppositionsfraktion wolle unter anderem wissen, warum die Bundesregierung in der Ankündigung der Plastikabgabe den Eindruck erweckt habe, dass die 1,4 Milliarden Euro für nicht recycelte Kunststoffverpackungen als Teil des deutschen EU-Mitgliedsbeitrags nicht aus dem Bundeshaushalt, sondern von den Verursachern gezahlt werden müsse. Außerdem stelle sie die Frage, wie die Bundesregierung sicherstellen wolle, dass die Plastikabgabe nicht zu einem weiteren Anstieg schwer oder nicht recycelbarer Papier-Verbundverpackungen führe. Bereits jetzt steige die Nachfrage nach solchen Papier-Kunststoffverbundpackungen kontinuierlich an, so die Kritik der CDU/CSU-Fraktion. Weitere Fragen der Union beträfen unter anderem, wer als Verursacher gelte, welche und wie viele Unternehmen die Abgabe für welche Produkte zu zahlen hätten, sowie die Höhe der Abgabe ab 2025. Auch sehe die Fraktion durch die Abgabe eine Benachteiligung von Kunststoffverpackungen gegenüber anderen Verpackungsmaterialien wie z.B. Papier, Glas, Metall. Letztlich soll die Regierung auch erklären, ob sie eine ökologische Lenkungswirkung für notwendig erachte und wie diese aussehen solle.
 
Quelle:

  • Euwid Recycling und Entsorgung 4/2024 (23.1.2024)

15.12.2023 - 18.01.2024

Einführung der geplanten Plastiksteuer auf 2025 verschoben

Geplant war die Einführung der Plastiksteuer ursprünglich für Anfang 2024. Laut Berichten der Tages- und Fachpresse teilte die Bundesregierung Anfang Januar 2024 mit, dass die neue Abgabe für Inverkehrbringer von Kunststoffverpackungen, die sie auf nicht recycelte Verpackungen aus Kunststoff zahlen sollen, nun erst 2025 kommen werde. Die Kunststoffindustrie, die sich klar gegen die Abgabe positioniere, setze sich dagegen ein für eine materialneutrale Lösung sowie für Anreize, um mehr nicht-fossile Rohstoffe zu nutzen.

 

Die Bundesregierung um Olaf Scholz (SPD) habe mitgeteilt, sie brauche noch Zeit, um eine „effiziente und möglichst bürokratiearme Lösung“ zu finden, zitiert etwa die Frankfurter Rundschau aus der Pressemitteilung aus Berlin. Das Vorhaben, die Plastiksteuer, die aktuell noch aus dem Bundeshaushalt an die Europäische Union gezahlt werde, nun auf die Inverkehrbringern von Kunststoffverpackungen umzulegen, habe insbesondere bei Kunststoffherstellern und deren Kunden für Kritik gesorgt, ist dort weiter zu lesen. Der Regierung gehe es dabei vor allem um das Eintreiben von Geld und weniger um den Schutz der Umwelt, zitiert der Merkur Ingemar Bühler, den Hauptgeschäftsführer des Kunststofferzeugerverbands Plastics Europe Deutschland. Um mit der Steuer eine Lenkwirkung in Richtung weniger Verpackungsverbrauch zu erreichen, müsste sie materialneutral sein, und die Regierung sollte Anreize schaffen, um mehr nicht-fossile Rohstoffe wie Biomasse oder Kohlendioxid einzusetzen. Für effizientere Alternativen zur Plastiksteuer halte Bühler daher eine Anpassung des deutschen Pfandsystems oder der ökomodellierten Lizenzentgelte für Verpackungen. Eine einseitige Steuer auf Kunststoffverpackungen werde dazu führen, dass Verpackungshersteller auf andere Materialien umsteigen, etwa mehr beschichtete Pappe und Papier verwenden, sage Bühler, wie auch in der taz zu lesen ist. Darauf weise auch das Umweltbundesamt in einer Studie hin, wird Bühler in einem Bericht des Plasticker zitiert. Ähnlich sehe das die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, die laut Berichten der Fachpresse verhalten erleichtert auf die Verschiebung der Plastikabgabe reagiert habe, jedoch das weitere Festhalten daran kritisiere. Auch die IK betrachte den Zeitgewinn als Chance für eine sinnvolle, materialneutrale Alternative mit echter ökologischer Lenkungswirkung, schreibt etwa Euwid. Ihren Widerstand und Warnungen vor den Folgen der Einführung einer Plastiksteuer formulierten Verbände der Kunststoff-, Verpackungs- und Ernährungsindustrie in einem gemeinsamen Statement, berichtet Kunststoffe. Darin forderten IK, Plastics Europe, GKV, VDMA und die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, die Plastiksteuer ganz zurückzuziehen, um weiteren Schaden für die Kreislaufwirtschaft, den Klimaschutz und Industriearbeitsplätze abzuwenden.

Quellen:

  • Kunststoff Information (8.1.2024)
  • Euwid Recycling und Entsorgung 1/2024, kunststoffe.de, recyclingportal.de (9.1.2024)
  • Plasticker (10.1.2024)
  • taz.de (15.1.2024)
  • merkur.de, Frankfurter Rundschau, (16.1.2024)
PPWR: Verpackungsindustrie enttäuscht von Einigung im EU-Rat

Nachdem sich EU-Mitgliedstaaten im Dezember 2023 auf eine Position zur geplanten EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) geeinigt haben, äußerten die meisten Verbände der Verpackungsindustrie ihre Kritik und Enttäuschung, berichtet der Fachdienst Euwid in der ersten Ausgabe des Jahres 2024.

 

Man setze nun die Hoffnungen auf die anstehenden Trilog-Verhandlungen, die Vertreter des Rats und des Europaparlaments im Januar unter dem Vorsitz der EU-Kommission aufgenommen haben und deren Ziel die Ausarbeitung des endgültigen Textes der Verordnung sowie die Verabschiedung vor den Europawahlen sei, schreibt Euwid. Während etwa der Verband der Hersteller von flexiblen Verpackungen Flexible Packaging Europe (FPE) sich positiv über die nun erzielte Einigung des EU-Umweltrates zur PPWR geäußert habe, sehe die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen das geplante Gesetz nun zu einer „Anti-Plastik-Verordnung“ geschrumpft. Begründet werde die Kritik damit, dass der Rat in seine Position zahlreiche Sonderregeln für Kunststoffverpackungen, Ausnahmen für Papier-, Papp- und Kartonverpackungen bei Mehrwegquoten und Verpackungsverbote sowie nationale Ausnahmemöglichkeiten aufgenommen habe, ist bei Euwid an anderer Stelle zu lesen. Der diesbezügliche Beschluss sei ein Rückschritt für die Kreislaufwirtschaft und führe zu einem Flickenteppich unterschiedlicher Verpackungsregeln im EU-Binnenmarkt, wird IK Hauptgeschäftsführer Martin Engelmann zitiert. Wenn er so umgesetzt würde, führe das zu mehr Verpackungsabfällen, weniger recycelbaren Verpackungen und höheren Hürden für den Austausch von verpackten Waren im EU-Binnenmarkt, so Engelmann. Kritisch sehe die IK vor allem die vom Rat geplante Beschränkung auf Kunststoffverpackungen bei den Verboten für Einwegverpackungen zum Vor-Ort-Verzehr in der Gastronomie sowie für Obst und Gemüse im Einzelhandel. Dies führe eben nicht zu der gewünschten Reduktion von Verpackungsabfällen, sondern zu einem Ausweichen auf beschichtete Papierverpackungen, die aufgrund ihrer mangelnden Recyclingfähigkeit in der Kritik stünden. Auf Kritik stoße auch die vom Rat vorgeschlagene Definition der großmaßstäblichen Recyclingfähigkeit, die ab dem Jahr 2035 zu einer Marktanforderung an Verpackungen werden solle. Demnach müssten Verpackungen zukünftig nicht nur recyclingfähig gestaltet sein, sondern auch EU-weit zu mindestens 55 Prozent bezogen auf den Anlagen-Output recycelt werden. Ein Problem sei, so die IK, dass die getrennte Abfallsammlung und die Erfüllung der Recyclingvorgaben den Mitgliedsstaaten obliegen. Verfehlten einzelne Mitgliedsstaaten die Quoten, führe dies zu indirekten Vermarktungsverboten für die Wirtschaft. Sehr besorgt zeige sich die IK über die Anforderungen an den Rezyklateinsatz in Lebensmittelverpackungen, bei denen noch völlig unklar sei, woher die benötigten Rezyklate für kontaktsensible Verpackungen ab 2030 kommen sollen. Es mangele an Zulassungen von mechanischen Rezyklaten sowie an Investitionen in das chemische Recycling. Daher brauche die Branche aus Sicht des Verbands mehr Flexibilität, um fehlende Rezyklate in Lebensmittelverpackungen durch den Einsatz in anderen Produkten ausgleichen zu können. Dazu habe die IK als Lösung einen Zertifikathandel vorgeschlagen.

Quellen:

  • Mehrere Berichte in Euwid Recycling und Entsorgung 1/2024 (9.1.2024)
Anrechnung des chemischen Recyclings

Die FAZ beschäftigt sich in einem Bericht mit Forderungen der Industrie, chemisch recycelte Kunststoffabfälle in die Berechnung der deutschen Recyclingquote einzubeziehen. So kritisiere etwa das Spezialchemieunternehmen Evonik, dass anders als in anderen europäischen Ländern wie etwa den Niederlanden das deutsche Verpackungsgesetz bislang nur die Anrechnung des mechanischen Recyclings auf die Recyclingquoten vorsehe.

 

Als Voraussetzung für mehr Recycling und die Kreislaufwirtschaft müsse chemisches Recycling ebenfalls auf die deutsche Recyclingquote angerechnet werden, zitiert die FAZ den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden von Evonik, Harald Schwager. Auch Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer des Kunststofferzeugerverbands Plastics Europe Deutschland sehe im chemischen Recycling eine Möglichkeit, höhere Recycling- und Rezyklatquoten zu erreichen, schreibt die FAZ. Es gebe noch Stoffmengen, die recycelt werden könnten, so Bühler. Chemische Verfahren stünden dabei nicht im Wettbewerb mit mechanischem Recycling. Die Technologie sei, wie Bühler laut FAZ einräume, teuer und verbrauche viel Energie, führe aber Rohstoffe in Kreisläufe zurück. Für stark verschmutzte Verpackungsmaterialien oder Verbundkunststofffolien sehe Patrick Glöckner, Leiter des globalen Circular Economy Program von Evonik, die chemischen Verfahren als geeignet an, schreibt die FAZ weiter. Daher fordere das Unternehmen, chemisches Recycling komplementär neben dem mechanischen anzuerkennen. Ansgar Fendel, Chief Technological Officer des Recyclingspezialisten Remondis, sehe die chemischen Verfahren skeptischer. Mit ihrer Hilfe ließen sich abgenutzte Gummireifen von Ruß befreien und wiederverwerten. Doch für die Kunststoffklassen Polypropylen und Polyethylen seien die Ansätze noch nicht marktreif. Allenfalls für PET könne sich Fendel die Komplementarität von chemischen und mechanischen Ansätzen vorstellen. Widerstände gegen chemische Verfahren wie die Pyrolyse, Solvolyse oder Gasifizierung gebe es von Umweltorganisationen wie dem WWF, schreibt die FAZ weiter. Allerdings sei dessen Ablehnung nicht kategorisch, wie aus einem Positionspapier des Umweltverbands zum chemischen Recycling hervorgehe. Damit das chemische Recycling einen Mehrwert biete, müsse der Kunststoff, der diesen Prozess durchläuft, einen zusätzlichen Abfallstrom darstellen, mit Material, das sonst nicht recycelt worden wäre, heiße es darin, so die FAZ.

Quellen:

  • FAZ (6.1.2024)