UN-Plastikabkommen: Industrie für Fortsetzung der Verhandlungen
Beim Treffen der Staaten vom 5. bis 14. August 2025 in Genf verhandelte die internationale Gemeinschaft erneut über das globale Abkommen, das dazu verpflichten soll, die Verschmutzung der Umwelt durch unsachgemäß entsorgte Kunststoffabfälle einzudämmen. Bei den Verhandlungen wurde allerdings keine Einigung über einen Vertragstext für ein rechtsverbindliches internationales Abkommen erreicht. Europäische und deutsche Verbände der Kunststoff- und Recyclingindustrie bedauern den Ausgang der Verhandlungen in Genf und setzen sich für weitere Verhandlungen ein.
Doch wie es nun weiter geht, ist wohl noch weitgehend unklar. Ein Datum zur Fortsetzung der Verhandlungen bei einem weiteren Treffen der Staaten unter Führung des zwischenstaatlichen Verhandlungsausschuss (Intergovernmental Negotiating Committee, INC) gibt es bisher nicht. Die Industrieinitiative „Wir sind Kunststoff“ – angeführt vom GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie und seinen vier Trägerverbänden sowie dem Herstellerverband Plastics Europe Deutschland (PED) und dem VDMA Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen – setzt sich für einen Neustart des Prozesses mit „einer Fokussierung auf wirksame und akzeptierte Maßnahmen“ ein. Aus Sicht der Initiative braucht es ein Abkommen, das den schnellen und konsequenten Ausbau der globalen Abfallwirtschaft sowie Kreislaufsysteme für Kunststoffe ins Zentrum rückt. „Die Vermüllung der Meere und der Umwelt mit Plastik ist ein globales Problem und braucht globales Handeln, das Abfallmanagement, Kreislaufwirtschaft und nachhaltiges Produktdesign beinhalten muss“, betonen die Vertreter der Initiative, Dr. Christine Bunte (PED), Dr. Martin Engelmann (IK/GKV) und Thorsten Kühmann (VDMA) in einem gemeinsamen Statement. Die Weltgemeinschaft stehe in der Pflicht, dafür zu sorgen, den rund 2,7 Milliarden Menschen, die bisher keinen Zugang zu einer angemessenen Abfallwirtschaft haben, den Anschluss an die Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen. Essenziell sind dabei verpflichtende nationale Aktionspläne, die den Fortschritt messbar und verbindlich machen, so die Initiative „Wir sind Kunststoff“.
Ähnlich sehen es auch die europäischen Kunststoffhersteller. Sie begrüßen die Entscheidung und den politischen Willen der Europäischen Union, die Gespräche fortzuführen und einen globalen Konsens mit geeigneten Rahmenbedingungen zu schaffen, sagt Virginia Janssens, Managing Director von Plastics Europe. Der Verband appelliert an alle UN-Mitgliedsstaaten, die multilateralen Verhandlungen so bald wie möglich wieder aufzunehmen. Aus Sicht der Kunststoffhersteller sollte das Abkommen Maßnahmen enthalten, die nachhaltige Produktion und verantwortungsvollen Konsum fördern, eine wirksame Abfallwirtschaft ermöglichen und Berichtsmechanismen schaffen, die einen Übergang zur Kreislaufwirtschaft ermöglichen. Kunststoffe sollten am Ende ihrer Nutzungsphase als wertvoller Rohstoff und Handelsgut in den Kreislauf zurückgeführt werden, anstatt als Abfall in der Umwelt zu landen, deponiert oder verbrannt zu werden, betont Janssens. Für sie kommt es jetzt mehr denn je auf die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Industrie und Zivilgesellschaft an: „Verhandlerinnen und Verhandler sollten sich nun darauf konzentrieren, gemeinsame und national anpassbare Lösungen zu finden, um ein faires und ehrgeiziges Plastikabkommen zu erreichen.“
Die Recycling- und Entsorgungsbranche sieht nach dem Scheitern der Genfer Verhandlungen die Bundesregierung und die EU in der Pflicht, insbesondere bessere Rahmenbedingungen für das Kunststoffrecycling zu schaffen. So fordern der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft und der europäische Entsorgerverband FEAD (European Waste Management Association) unter anderem, die steuerliche Bevorzugung fossiler Rohstoffe in der Kunststoffproduktion abzuschaffen sowie die Abgaben der EU-Staaten an Brüssel für nicht recycelte Kunststoffverpackungen in Investitionen für das Kunststoffrecycling umzulenken.
Einen Leitfaden zum globalen Abkommen, der die wichtigsten Fragen und die Rollen der verschiedenen Interessengruppen bei der Gestaltung des zukünftigen Abkommens beleuchten soll, hat das International Institute for Sustainable Development (IISD), ein kanadisches Forschungsinstitut, das sich mit Fragen der nachhaltigen Entwicklung befasst, noch vor den Verhandlungen in Genf erstellt. Der Leitfaden wurde in der Zeit zwischen den Verhandlungen in Busan im November 2024 und deren Weiterführung in Genf im August 2025 verfasst und gibt einen Überblick über die wichtigsten Teile des Abkommens, die derzeit diskutiert werden. Auch die an den Verhandlungen beteiligten Akteure werden genannt. Der Leitfaden soll Einblicke geben in die politischen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und rechtlichen Dimensionen des Vertragsprozesses und stützt sich dabei auf vergangene multilaterale Umweltabkommen und die Erkenntnisse aus den vorherigen INC-Treffen.
Weitere Informationen: Leitfaden zum globalen Abkommen des International Institute for Sustainable Development (IISD, in Englisch)
Quellen:
- Pressemitteilung „Wir sind Kunststoff“ auf der Webseite des GKV (15.8.2025)
- Pressemitteilung von Plastics Europe (15.8.2025)
- Pressemitteilung BDE und FEAD (15.8.2025)
- www.iisd.org (25.7.2025)
- Foto: © Florian Fussstetter / UNEP