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Studie zum Kunststoffrecycling in der Automobilindustrie

Aufeinander gestapelte Altfahrzeuge

Eine Studie der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) der EU-Kommission untersuchte die gesamte Kunststofflieferkette von Rohstoffen bis zum Recyclingprozess.

Um Erkenntnisse und Empfehlungen für die Entwicklung der neuen Altfahrzeug-Verordnung (End-of-Life-Vehicles Directive, ELV) zu erhalten, untersuchten Forscher der Gemeinsamen Forschungsstelle (Joint Research Center, JRC) der Europäischen Kommission die Kunststofflieferkette im Automobilsektor. Dazu analysierten sie laut einer Mitteilung der Generaldirektion Umwelt die Fachliteratur und konsultierten Experten, Arbeitnehmer, Branchenverbände, Hersteller und Kunststoffverwerter entlang der Kunststofflieferkette – von Rohstoffen über die Zulieferer von Formteilen bis zum Fahrzeugrecycling.
 
Angaben der Studienautoren zufolge enthält ein durchschnittliches Auto circa 240 Kilogramm Kunststoff, wovon bislang jedoch nur ein Bruchteil recycelt werde. In der Europäischen Union verbraucht die Automobilbranche demnach rund zehn Prozent aller Kunststoffe. Kunststoff in neuen Fahrzeugen enthalte im Durchschnitt nur zu drei Prozent recyceltes Material.
 
Die Studie der JRC kommt zu dem Schluss, dass es vier zentrale Hinderniskategorien für mehr Recycling gibt: kulturelle Barrieren wie mangelnder Informationsaustausch, regulatorische Hindernisse durch Unterschiede in den Abfallregelungen der EU-Staaten, wirtschaftliche Faktoren sowie technische Probleme wie etwa die begrenzte Eignung von Post-Consumer-Kunststoffabfällen oder schwer recycelbare Verbundwerkstoffe. Zur Lösung schlagen die Autoren der Studie zum Beispiel die Festlegung verbindlicher Ziele für Rezyklate vor, um die Kunststoffrückgewinnung zu fördern und die Nachfrage der Automobilhersteller nach diesen recycelten Materialien sicherzustellen. Auch sollte der Erfassung und Sortierung von Kunststoffen am Ende der Lebensdauer eines Fahrzeugs Priorität eingeräumt werden. Als potenzielle Treiber der Kreislaufwirtschaft sehen sie etwa eine Steigerung des Bewusstseins der Verbraucher, die Erhöhung der Recyclingziele und unterstützende Vorschriften oder mehr Verwendung von Polymeren, die leichter zu recyceln sind, sowie die Entwicklung neuer chemischer Recyclingtechnologien.
 
Die Studie empfiehlt außerdem politische Maßnahmen wie die Anpassung der Kostenstruktur für recycelte Materialien, die Förderung der Kreislaufwirtschaft bei der Produktgestaltung und den Ausbau von Nachzerkleinerungsanlagen. Eine Kombination aus Anreizen und Regulierung sowie passende Übergangsfristen werden ebenfalls empfohlen. Die Politik sollte verschiedene Kunststoffarten einbeziehen und auf einen breiteren Anwendungsbereich abzielen. Als Optionen schlagen die Autoren vor:

  1. Freiwillige Selbstverpflichtungen zur Verwendung von recycelten/recycelbaren Kunststoffen in Neufahrzeugen, die von den einzelnen Automobilherstellern übernommen werden sollen.
  2. Verbindliche Anforderungen an die Sammlung und Offenlegung von Informationen über das Kunststoffrecycling innerhalb der Lieferkette der Fahrzeugherstellung.
  3. Verbindliche Ziele für die Verwendung von recyceltem Kunststoff in Neufahrzeugen, die über einen realistischen Zeitraum schrittweise eingeführt werden sollen.

Diese und alle anderen politischen Maßnahmen sollten laut JRC-Team im Rahmen des Entscheidungsprozesses einer detaillierten Folgenabschätzung unterzogen werden, einschließlich einer quantitativen Bewertung, um ihre Auswirkungen in einer Reihe von Szenarien zu modellieren. Darüber hinaus werden weiterführende Studien und Analysen empfohlen, darunter zum Beispiel Forschung zu den Auswirkungen des Kunststoffrecyclings auf Umweltparameter und Dekarbonisierung.
 
Weitere Informationen: Link zur JRC-Studie “Increasing plastic circularity in the automotive sector: Supply chain analysis and policy options from the European Union (EU)
 
Quellen:

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