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Industrie-Appell: „Transformationsbooster“ für Kreislaufwirtschaft

Ein Bündnis der Chemie-, Kunststoff- und Recyclingindustrie drängt in einem offenen Brief an die Bundesregierung auf schnelle politische Weichenstellungen.


Das breite branchenübergreifende Bündnis, bestehend aus den Verbänden BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft, bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung, GKV Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie, Plastics Europe Deutschland (PED) und dem VCI Verband der Chemischen Industrie, warnt, dass ohne diesen „Booster“ der industrielle Abstieg und der Verlust von Arbeitsplätzen am Standort Deutschland drohen. Der Appell erfolgt im Vorfeld der für den 6. Mai 2026 angekündigten Veröffentlichung eines Aktionsprogramms zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS).
 
Hintergrund des eindringlichen Aufrufs zu schnellem Handeln ist die als dramatisch eingeschätzte wirtschaftliche Lage der deutschen Kunststoff- und Recyclingindustrie. Laut den Verbänden belasten hohe Energie-, Rohstoff- und Bürokratiekosten massiv die heimische Produktion. Viele Anlagen sind den Verbänden zufolge seit Jahren nicht mehr rentabel ausgelastet. Trotz der angespannten Lage fordert das Bündnis keinen Rückzug, sondern mehr Tempo bei der Transformation hin zu einer klimaneutralen, zirkulären Industrie. Die beteiligten Organisationen sehen darin eine industrielle Überlebensfrage: Kreislaufwirtschaft sichere Wertschöpfung, Resilienz sowie Innovationen und schaffe qualifizierte Arbeitsplätze. Teile der 100 Milliarden Euro des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität sollten gezielt in Kreislaufwirtschafts- und Forschungsinfrastruktur fließen, um die Skalierung von Technologien und somit den zirkulären Business Case zu ermöglichen, fordert das Bündnis. Darüber hinaus sollte zur Stärkung der Industrie der Industriestrompreis auf Recycler ausgeweitet werden. Ein entsprechendes Gutachten des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC), das zu demselben Ergebnis komme, liege dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) bereits vor.
 
Für den „Transformationsbooster“ schlagen die Verbände konkrete Maßnahmen vor. Dazu gehören:

  • klare politische Rahmenbedingungen – etwa verbindliche Rezyklateinsatzquoten, gezielte finanzielle Anreize für kreislauffähige Verpackungen (§26 VerpackDG) sowie ein rechtssicheres Level-Playing-Field für mechanisch und chemisch recycelte Rohstoffe,
  • Investitionen in moderne, KI-basierte Sammel-, Sortier- und Recyclingtechnologien, einschließlich mechanischer und chemischer Verfahren,
  • Einführung erweiterter Abschreibungsmodelle für Investitionen,
  • Weiterführung von CO2-Differenzverträgen über das 2. Gebotsverfahren hinaus zur Förderung von Zukunftstechnologien für die Kreislaufwirtschaft,
  • die in der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) angekündigte Plattform zur Vernetzung aller Akteure für die Transformation und Innovationsförderung in der Industrie.

Die Organisationen betonen in Ihrem gemeinsamen Appell: „Deutschland braucht die Kreislaufwirtschaft. Doch die deutsche Kunststoff- und Recyclingindustrie befindet sich an einem Scheideweg. Ohne entschlossene politische Signale steht eine Erosion industrieller Wertschöpfung und Arbeitsplätze bevor. Die Branchen tragen maßgeblich zur Lösung der enormen Herausforderungen bei, vor denen die deutsche Wirtschaft steht. Jetzt ist der Moment, kraftvolle Impulse zu setzen, um Investitionen in die klimaneutrale Kreislaufwirtschaft auszulösen und den Transformationsprozess damit zu beschleunigen.“
 
Quellen:

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