Auf dem Weg zur zirkulären Kohlenstoffwirtschaft
Ein aktuelles Hintergrundpapier skizziert den notwendigen Technologiemix, um die Chemie- und Kunststoffindustrie bis 2050 von fossilen Rohstoffen zu entkoppeln.
Die Dechema Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie, der Verband der Kunststofferzeuger Plastics Europe Deutschland (PED), der Verband der Chemischen Industrie (VIC) und die BKV haben Ende April ein gemeinsames Hintergrundpapier zur technologischen Transformation hin zu einer zirkulären Kohlenstoffwirtschaft veröffentlicht. Es beleuchtet die kurz- bis mittelfristigen technologischen Pfade, die für eine Umstellung der Rohstoffbasis weg von fossilen Quellen hin zu erneuerbarem Kohlenstoff notwendig sind. Darüber hinaus verdeutlicht es den Technologieentwicklungsbedarf und gibt Empfehlungen zur politischen Unterstützung.
Um Klimaneutralität zu erreichen, will die Chemieindustrie ihre Kohlenstoffbasis schrittweise auf erneuerbare Quellen wie Biomasse, kohlenstoffhaltige Abfälle wie Kunststoffe und Kohlendioxid (CO2) umstellen. Doch fehlt laut Hintergrundpapier bislang eine gemeinsame, übergreifende Entwicklungsstrategie, die Politik, Verwaltung, Industrie, Wissenschaft und Gesellschaft als Kompass nutzen. Einen technologieoffenen Ansatz halten die Autoren dabei für wichtig. Dieser sollte Wege, Kosten, Skalierung und Anschluss an bestehende Wertschöpfung berücksichtigen und mit nationalen und europäischen Strategien wie etwa der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS), der Carbon-Management-Strategie (CMS) oder dem Circular Economy Act (CIA) verzahnt sein. Besondere Priorität sehen die Autoren bei der Reduktion indirekter Treibhausgasemissionen von Produkten der Chemieindustrie, da sie den größten Anteil entlang der Produktketten ausmachten. Für besonders lohnenswert halten sie die angestrebte Verringerung des fossilen Kohlenstoffanteils langfristig vor allem durch einen verstärkten Kohlenstoffeinsatz aus kohlenstoffhaltigen Abfällen als Rohstoffbasis, insbesondere aus dem Recycling von Kunststoffabfällen (durch mechanische, physikalische, chemische Technologien). Ergänzend sollten biogene Rest- und Abfallstoffe sowie Kohlendioxid (CO2) als Rohstoffe genutzt werden. Infrastrukturen für die einzelnen Recyclingwege inklusive Sammelsysteme, Aufbereitungsverfahren und spezifische Recyclingverfahren sollten nach Ansicht der Autoren weiter ausgebaut bzw. optimiert werden. Darüber hinaus seien verlässliche regulatorische und genehmigungsrechtliche Rahmenbedingungen und Mechanismen für den Markteintritt erforderlich als Grundlage für Investitionen der Industrie.
Um den Übergang von fossilen zu erneuerbaren Rohstoffen in der Chemieindustrie zu sichern, fordern die Autoren des Hintergrundpapiers über verlässliche Rahmenbedingungen hinaus einen Infrastrukturausbau und eine stärkere Kreislaufwirtschaft. Darüber hinaus plädieren sie für eine technologieoffene Förderung von Recycling und Kohlendioxidnutzung (CCU/CCS) sowie für einen effektiven Schutz vor Carbon Leakage. Auch müssten die regulativen Rahmenbedingungen angepasst werden, damit langfristig ein funktionierender unionsweiter Markt etabliert werden könne.
Weitere Information: Auf der Webseite des VCI werden eine Kurzfassung und politische Handlungsempfehlungen zum Download angeboten.
Quellen:
- Pressemitteilung VCI (30.4.2026)
- Foto: © Nareeta Martin / Unsplash (Symbolbild)